Ausblick auf Consumer Electronic Show (CES) 2023

Ausblick auf Consumer Electronic Show (CES) 2023
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BMW

Stefan Grundhoff
Stefan Grundhoff
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Die Automessen sind tot – es lebe die CES. Einst läutete die Detroit Motorshow jedes neue Autojahr ein. Doch längst blicken nicht nur die Tech-Nerds Anfang Januar in die Spielerstadt Las Vegas. Hier sorgen längst auch die internationalen Autohersteller für große Auftritte. In diesem Jahr wollen mit BMW und Stellantis gleich zwei europäische Marken groß auftrumpfen.

Auf der Consumer Electronic Show ist vieles anders. Das liegt nicht nur am für viele überaus attraktiven Veranstaltungsort Las Vegas, der auch ohne eine Messe täglich zehntausende von Vergnügungssüchtigen in die Wüste Nevadas zieht. Die CES gilt als Gradmesser der Tech-Szene und feiert sich selbstbewusst als „das einflussreichste Technologieereignis der Welt – das Experimentierfeld für bahnbrechende Technologien und globale Innovatoren.“ Die Autohersteller wollen sich als innovative Techfirmen farbenprächtig in Szene setzen. Kein Wunder, dass die Autobranche die Vegas-Messe neben dem sommerlichen Luxusevent von Pebble Beach längst zu ihrer Lieblingsveranstaltung in der westlichen Welt auserkoren hat, wenn es um eine zeitgemäße Außendarstellung geht.

CES verspricht Klasse statt Masse

Zugegeben war die Zahl der Automarken, die auf der Consumer Electronic Show ihre großen Auftritte mit und ohne millionenschwere Key Notes zelebrierten, schon größer, das Angebot breiter. Trampelten sonst zahllose Start-Ups, europäische Premiummarken und aufstrebende Konzerne aus Asien im Gleichschritt durch Sin City, so haben sich die Wogen in den vergangenen vier Jahren auch ohne Corona-Einfluss überraschend geglättet. Einige Start-Ups sind als Anbieter von Elektroautos und Technologien rund um das automatisierte Fahren mächtig unter die Räder gekommen. Andere Marken stellen nur dann aus, wenn es etwas wirklich Neues zu berichten gibt und einigen scheint neben den innovativen Ideen schlicht das Geld ausgegangen zu sein, um auf der CES jedes Jahr groß auftrumpfen zu können.

Doch die 2023er-Auflage der CES wird aus automobiler Sicht nicht nur interessante Neuigkeiten, sondern erstmals auch einen imposanten Zweikampf bieten. Das gilt in erster Linie für die beiden europäischen Marken BMW und Stellantis, die ungewöhnlicherweise beide mit teuer bezahlten und entsprechend publikumswirksamen Key-Note-Veranstaltungen vertreten sind. Entsprechend werden BMW-CEO Oliver Zipse und sein Stellantis-Gegenüber Carlos Tavares versuchen, die Messebesucher in eine Mobilität der Zukunft zu entführen. Im Gegensatz zu vielen anderen Großveranstaltungen mit automobiler Beteiligung handelt es sich bei der CES traditionell um eine Fachmesse, auf der das normale Publikum keinen Zutritt hat. Das gilt zumindest für die Hallen des mächtigen Messezentrums im Herzen der Spielermetropole, denn viele Veranstaltungen finden in den großen Hotels rund um den legendären Strip statt und hier vermischen sich Fachbesucher und Las-Vegas-Touristen nicht nur bei abendlichen Events und Symposien.

Automobilhersteller im Tech-Umfeld

Der zweite große Unterschied zu anderen Events ist, dass die Autobranche auf der CES auch dieses Mal wieder nur ein engagierter Juniorpartner ist. Heißt, große Auftritte gibt es in Las Vegas in erster Linie von Tech-Unternehmen und der milliardenschweren Unterhaltungsindustrie mit Computern, Fernsehern / Displays, Datentechnik oder Prozessoren zu bewundern. Die Autohersteller werden seit Jahren von zehntausenden der Tech-Nerds nur am Rande und oftmals mit einem Naserümpfen zur Kenntnis genommen. Eine im vergangenen Jahr erstmals in Betrieb genommene neue Großhalle soll die Autohersteller imposanter bündeln und interessanter für Messebesucher machen, die sonst einen Bogen rund um Volkswagen, Audi, BMW, Hyundai, Peugeot oder Kia machen. Bei der CES 2022 hatten in erster Linie die Messeauftritte von BMW, Vinfast und dem türkischen Autohersteller Togg für Aufsehen gesorgt.

BMW stellt auf der diesjährigen CES kein neues Serienfahrfahrzeug vor, sondern eine realitätsnahe Vision, wie man sich das voll vernetzte Auto der Zukunft vorstellt – die neue Klasse lässt grüßen. Dabei sollen nicht nur Design und Technologie, sondern auch Bedienkonzepte und Innenraumgestaltung im Vordergrund stehen. Hatte BMW ursprünglich gehofft, den automobilen Fokus auf sich richten zu können, drängt sich mit Stellantis nunmehr ein internationaler Großkonzern ins Scheinwerferlicht, der bisher in Las Vegas kaum von sich reden gemacht hat. „Wir zeigen auf der CES das Beste unserer Technologie. Sie zielt darauf ab, unsere Kunden zu begeistern und den Klimawandel zu bekämpfen, die größte globale Herausforderung von heute“, erläutert Stellantis CEO Carlos Tavares, „sie werden sehen, wie wir elektrifizierte und emissionsfreie Antrieb auf den Markt bringen, wie unsere Software die Mobilität einfacher und sicherer macht, und wie Nachhaltigkeit in all unseren Entscheidungen verankert ist.“

So zeigt Stellantis unter anderem das Peugeot Inception Konzept und die seriennahe Studie des Full-Size-Pick-Ups Ram 1500 Revolution BEV. Gerade in den USA steht Stellantis bei den Massenmodellen der Groß-Pick-Ups unter Druck, weil Ford seinen elektrischen F-150 Lightning ebenso bereits im Markt hat die GMC seinen Hummer EV und Rivian seinen R1T, während sich Elektroversionen von Chevrolet Silverado und Toyota Tundra ankündigen. Für die US-Marke Jeep, bekannt für rustikale Offroader edle Geländewagen wird es in den kommenden Jahren ebenfalls den Wechsel in die Elektromobilität geben. Zu bestaunen ebenfalls in Las Vegas. Die Fans von amerikanischen Muscle Cars können sich auf den Dodge Charger Daytona SRT BEV freuen, der Emotionen und Höchstleistungen auf ein neues Niveau heben soll.

Die Hyundai und Kia werden auf der CES 2023 „Zero1Ne“ präsentieren, eine Plattform für kreative Talente, die ein Ökosystem für Kreative und Start-ups fördert und eine Grundlage für die aktive Beteiligung der Hyundai Motor Group schafft. Mal schauen, was die anderen zu bieten haben. Denn schließlich werden sich Marken wie Volkswagen, Audi, Hyundai oder General Motors nur ungern in die zweite oder dritte Reihe drängen lassen.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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