Elektroauto Audi e-tron schafft bis zu 150 kW Ladeleistung

Elektroauto Audi e-tron schafft bis zu 150 kW Ladeleistung
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

Audi macht mit dem e-tron die Elektromobilität langstreckentauglich, auch dank einer im Wettbewerbsumfeld – mal ganz abgesehen von Tesla als Benchmark – einzigartig hohen Ladeleistung. Der e-tron ist das erste Serienauto aus deutscher Produktion, das an einer Schnellladesäule mit bis zu 150 kW Strom tanken kann. Die hohe Ladeleistung über einen weiten Bereich des Ladevorgangs verkürzt Standzeiten an den Ladesäulen. Das ausgeklügelte Thermomanagement der Batterie sorgt für Leistungsfähigkeit bei kalten wie bei heißen Außentemperaturen.

Auch einige Tesla-Modelle schaffen 150 kW beim Laden am Supercharger, etwa die reichweitenstärksten Model 3-Ausführungen sowie Model S und Model X mit großer 100-kWh-Batterie. Künftig soll die höhere Ladeleistung für weitere Fahrzeugversionen freigeschaltet werden. Für die neuen Supercharger-Schnelllader der dritten Generation, von denen in den USA bereits einige installiert sind, sieht Tesla 250 kW vor. Unterstützt wird die maximale Ladeleistung derzeit exklusiv vom Model 3.

Die meisten Ladevorgänge finden zuhause oder am Arbeitsplatz statt – der Faktor Zeit spielt dort in der Regel keine große Rolle, weil das Auto lange steht. Hingegen zählt auf der Langstrecke jede Minute und schnelles Aufladen ist essentiell, beispielsweise bei einer Geschäftsreise. Nach einer kurzen Pause sollte das Auto wieder bereit für die nächste Etappe sein. Diese wichtige Grundanforderung an ein Elektroauto haben die Audi-Ingenieure bei der Entwicklung des Audi e-tron umgesetzt.

Überzeugend: die Ladekurve

Im aktuellen Wettbewerbsumfeld gehört die Ladeleistung des Audi e-tron neben Tesla mit zum schnellsten, was derzeit erhältlich ist. Der Ingolstädter Erstling hat die Fähigkeit des HPC-Schnellladens (High-Power-Charging) mit bis zu 150 kW. Mindestens genauso wichtig wie die Maximalleistung ist eine hohe Stromaufnahme der Batterie über einen weiten Bereich des Ladevorgangs.

Die 150 kW-Ladekurve des Audi e-tron zeichnet sich durch Kontinuität auf hohem Niveau aus: Das Auto lädt bei idealen Bedingungen im Bereich von 5 bis 70 Prozent Ladezustand an der Schwelle der Maximalleistung, bevor das intelligente Batteriemanagement die Ströme absenkt, um die Lithium-Ionen-Zellen zu schonen und ihre Lebensdauer sicherzustellen. Das ist ein großer Unterschied zu anderen Konzepten, die ihre volle Leistung meist nur für kurze Zeit (Peak) erreichen und bereits vor der 70 Prozent-Schwelle deutlich herunterregeln. Denn der Audi e-tron lädt bei 80 Prozent noch mit über 100 kW.

Im Alltag bedeutet das einen hohen Nutzwert: Für rund 100 Kilometer Reichweite steht der Kunde im Idealfall weniger als 10 Minuten an der Ladesäule. Die 80 Prozent-Marke erreicht der Audi e-tron nach knapp 30 Minuten. Obwohl es aus technischen Gründen deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt, die verbleibenden 20 Prozent einer Lithium-Ionen-Batterie zu füllen, dauert das Vollladen des Audi e-tron an einer HPC-Säule weniger als 50 Minuten.

Durchdacht: das Thermomanagement

Die Lithium-Ionen-Batterie des Audi e-tron hat eine Nennkapazität von 95 kWh und ist auf eine lange Lebensdauer ausgelegt. Ihr Thermomanagement legt die Basis für eine ausgewogene Performance, so der Hersteller. Eine Flüssigkeitskühlung sorgt dafür, dass sich die Batterietemperatur auch bei hoher Belastung oder tiefen Temperaturen im optimalen Wirkungsbereich von 25 bis 35 Grad Celsius bewegt. Diese technische Auslegung stellt eine hohe Lade- und Fahrperformance sicher und verhindert gleichzeitig eine übermäßige Beanspruchung der Zellen.

Das Herzstück des Kühlsystems sind Strangpressprofile – optisch vergleichbar mit einem Lattenrost – die von unten an das Batteriesystem geklebt sind. Ein neu entwickelter, wärmeleitfähiger Klebstoff verbindet die Kühleinheit mit dem Batteriegehäuse. Den Kontakt zwischen Gehäuse und den darin platzierten Zellmodulen stellt wiederum der sogenannte Gap-Filler her – ein wärmeleitfähiges Gel, das unter jedem Zellmodul den Zwischenraum zum Gehäuse füllt. Es leitet die entstehende Abwärme der Zellen gleichmäßig über das Batteriegehäuse in das Kühlmittel – eine besonders effektive Lösung. Die räumliche Trennung von kühlwasserführenden Elementen und Batteriezellen erhöht zudem die Sicherheit des Gesamtsystems.

Ganzheitlich: das Ladeangebot

Neben Ladeleistung und Batteriekapazität ist die Verfügbarkeit von Ladesäulen ein Schlüsselfaktor für grenzenlose und sorgenfreie Elektromobilität. Auch in Sachen Infrastruktur hat Audi nichts dem Zufall überlassen. Mit dem eigenen Ladedienst e-tron Charging Service macht die Marke mit den Vier Ringen aktuell rund 100.000 Ladepunkte in 17 EU-Ländern per Karte oder Smartphone zugänglich. Landesspezifisch vereinheitlichte Tarife ermöglichen einfaches und sorgenfreies Reisen ohne lästige Preisvergleiche.

Auf längeren Fahrten laden Audi-Kunden zu besonderen Konditionen an den HPC-Säulen des IONITY-Netzwerkes, das sukzessive ausgebaut wird und im Jahr 2020 bereits 400 Stationen umfassen soll. Weitere HPC-Ladepunkte namhafter Anbieter komplettieren das Angebot des e-tron Charging Service entlang der Langstrecke und schaffen zusätzliche Flexibilität.

Quellen: Audi – Pressemitteilung vom 10.05.2019 // Teslamag – Tesla erlaubt 150 kW Ladeleistung an bestehenden Superchargern

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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