Aral beklagt oft zu schwache Stromnetze

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Aral

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 2 min

Der Tankstellenbetreiber Aral rüstet viele seiner Stationen mit Schnellladern aus. Das geht allerdings offenbar zäher voran, als es Aral selbst gerne hätte. Grund dafür seien die vielerorts noch zu schwachen Stromnetze, berichtet die WAZ-Gruppe. „Teilweise können die örtlichen Netzbetreiber die Leistung, die wir für unsere ultraschnellen Ladesäulen benötigen, nicht bereitstellen. Das erleben wir an allen Ecken und Enden der Republik“, sagte demnach Aral-Vorstandsvorsitzender Achim Bothe.

Vielerorts gebe die Infrastruktur noch nicht das her, was Aral für die großflächige Versorgung mit den in der Regel 300 kW starken Schnellladepunkten eigentlich brauche. „Dafür benötigen wir Transformatoren und einen belastbaren Zugang zum Stromnetz. Hier hakt es häufig“, führt Bothe aus. Bei den Transformatoren betrage die Zeit zwischen Beantragung und Erteilung der Baugenehmigung teilweise mehr als zwölf Monate. Derzeit betreibt Aral an seinen 2400 Stationen in Deutschland etwa 2300 Ladepunkte, schreibt das Handelsblatt. Bis 2030 will der Tankstellenbetreiber allerdings 20.000 Ladepunkte anbieten, wird da bislang aber offenbar mitunter ausgebremst.

Netzertüchtigung wird große Herausforderung

Der zu langsam voranschreitende Ausbau des Stromnetzes vor allem in städtischen Gebieten, aber auch in oft älteren Gewerbegebieten, ist immer wieder Thema in der Branche. Für besonders viel Aufsehen hatte die Überarbeitung des Paragraf 14a des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) gesorgt. Dieser ermöglicht es seit dem 1. Januar 2024, dass die Netzbetreiber unter gewissen Umständen die Spitzenlast von bestimmten Geräten im Haushalt – unter anderem Wallboxen – begrenzen dürfen. Kaum wurde dies bekannt, geisterten die ersten Schreckensszenarien durch das Netz – vor allem getrieben von Kreisen, die generell Vorbehalte gegen die Elektromobilität und eine grüne Energiewende hegen, die aber weitestgehend entkräftet werden können.

Diese neue Regelung erspart den Netzbetreibern jedoch keinesfalls die Ertüchtigung der Stromnetze. Zwar bekommen diese durch die Steuerbarkeit einen zeitlichen Vorschub, allerdings sieht der Paragraf 14a einen bedarfsgerechten Netzausbau fest vor. Muss also ein Netzbetreiber tatsächlich die Notbremse ziehen und in einem Wohngebiet bei Besitzern von Wärmepumpen, Wallboxen und Speichern drosseln, dann muss er zeitnah die Netzkapazitäten ausbauen – außer er kann nachweisen, dass es sich um einen einmaligen Vorgang gehandelt hat, bei dem keine Wiederholung zu erwarten ist. Sowohl für die privaten als auch für die gewerblichen Stromanschlüssen ans Stromnetz steht also fest, dass die Netzbetreiber in den kommenden Jahren viel Arbeit bei der Ertüchtigung vor sich haben.

Quelle: WAZ – „Aral: Es hakt bei den Ladesäulen – Stromnetz ist zu schwach“; Handelsblatt – „Stromnetz für Aral-Ladesäulen oftmals zu schwach“

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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KlaMoe:

Bei den meisten 300kW Schnelladern werden sich die 300kW geteilt, sodass es jeweils bei Belegung der beiden CCS Anschlüsse 2 x 150kW sind.

Wolfbrecht Gösebert:

Zitat:“300 k*W mag jetzt viel klingen, aber wie sieht es in 5 oder 10 Jahren aus?“

Du meinst mit „z*ukunftsfähig“, die durchschnittlich gefahrenen Strecken pro Pkw erhöhen sich im Laufe der letzten Jahre?
Nee – schau Dir die Durchschnittszahlen in -D- einfach mal an :) Und ja – für Lkw-Ladenetze muss eine Akkupufferung her!

Immer nur „höher, schneller weiter“ ist künftig (hoffentlich) einfach „out“ – und Tempo <= 130 km/h dann auch realisiert! :P

egon_meier:

@musicman
du hast ein sehr stark simplifiziertes Bild der Strominfrastruktur/Netzbetreiber.

Im Gegensatz zum Bahnbetrieb ist die Infrastruktur der Netze nämlich ok – sehr ok sogar. Die Netzbetreiber arbeiten nach staatlichen Vorgaben und mit enger staatlicher Überwachung und wenn es jetzt nicht so rasch anders läuft, wie du es gerne hättest liegt es an (fehlender) staatlicher Voraussicht und auch an historischem Desinteresse der Öffentlichkeit.
War ja alles ok so weit.

Sven:

300 KW mag jetzt viel klingen, aber wie sieht es in 5 oder 10 Jahren aus?
Die Säulen sollen ja auch Zukunftsfähig sein und nicht in ein paar Jahren veraltet sein.
Da fallen mir z. Bsp. Die alten Ladestation an den Autobahnen ein mit max. 50 KW und wenn dann kann nur ein Stecker genutzt werden..
Die versauern jetzt und niemand mehr lädt daran, da sie zu langsam sind.

Philipp:

So funktioniert das Geschäftsmodell der Netzbetreiber nicht, weil Netzbetreiber immer Monopolisten sind und das ist so gewollt – wir wollen nicht mehrere Netze parallel aufbauen und betreiben.

Netzbetreiber machen deswegen Renditen unter anderem durch Investitionen, weil dies die Kosten durch Abschreibungen erhöht (bzw. Verzinsung der Investitionen). Diese bekommen nämlich ihre Rendite prozentual zu ihren Kosten/Investitionen. Wenn Netzbetreiber Kosten sparen, machen sie zum Schluß weniger Rendite.

Kosten/Investitionen müssen immer angemeldet, begründet und genehmigt werden (Bundesnetzagentur). Das heißt aber nicht, dass Netzbetreiber an einer Kostensenkung grundsätztliches Interesse haben.

Sogesehen sind diese ein Cost- und nicht Profitcenter.

PhiGo:

Warum müssen es denn unbedingt 300kW sein?
Wie viele Autos, die dann auch noch in adäquaten Stückzahlen in D unterwegs sind, können überhaupt so schnell laden?
150kW würden doch für die meisten völlig ausreichen.
Klingt eher nach Prestige als nach Vernunft.

egon_meier:

Das mit den Netzanschlüssen ist wirklich ein Drama: Hier steht seit 1/2 Jahre ein EnBW-Ladeparkt ohne Strom in der Gegend rum.
Ein halbes Jahr.
EnBW sagt: Das kennen wir nicht anders ..
Und bei Aldi liefert der HPC nur 25 kw.

Musicman:

Die Netzbetreiber in Deutschland haben Jahrzehntelang Multi-Milliarden eingesteckt. Investiert haben sie nur einen Bruchteil. So kann man traumhafte Renditen erzeugen und die Infrastruktur auf einem Minimum belassen. Wenn es dann eng wird kann man immer noch jammern und so tun als bräuchte man mehr Geld für den Ausbau. Das ist ein sehr, sehr altes Thema. Anschaulich wird es jedoch wenn man auf das Schienennetz schaut. Aber die heutigen Netzversorger und ehemaligen Stromversorger sind es halt gewohnt, dass sie Kraftwerke und Infrastruktur geschenkt bekommen um sie dann zu melken so lange es nur geht.
Interessant ist nur, dass Aral dies scheinbar erst jetzt feststellt. Evtl. kommt jetzt noch etwas Druck und damit Fahrt in die Angelegenheit wenn andere Großkonzerne auf den Markt wollen. Ich drücke uns die Daumen.

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