Altmaier kippt Zwangspausen von E-Auto-Ladevorgängen zur Spitzenglättung

Altmaier kippt Zwangspausen von E-Auto-Ladevorgängen zur Spitzenglättung
Copyright:

photocosmos1 / Shutterstock.com

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 2 min

Ein aus der Elektroauto-Branche stark kritisierter Gesetzentwurf wurde nun offenbar zurückgezogen. Wirtschaftsminister Peter Altmaier habe der umstrittenen „Spitzenglättung“, einer im Paragraf 14a des Energiewirtschaftsgesetzes geplanten Zwangsabschaltung von E-Auto-Ladevorgängen bei einer drohenden Überlastung des Stromnetzes, eine Absage erteilt. Im Entwurf war vorgesehen, dass Stromversorger den Besitzern von Elektroautos eine bis zu zwei Stunden dauernde Zwangsladepause auferlegen können, falls das Stromnetz zu Spitzenlastzeiten überlastet werden könnte. Der Entwurf hatte vor allem gegen Ende des vergangenen Jahres zu hitzigen Diskussionen geführt.

Am vergangenen Wochenende, nach einem Artikel der Welt am Sonntag, die als eines der ersten großen Medienhäuser über die Zwangsabschaltung berichtet hatte, kassierte Altmaier den Entwurf: Zur Berichterstattung in der Welt am Sonntag zu Thema Laden von E-Autos erklärte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums, dass es sich dabei „um einen Entwurf der Arbeitsebene“, gehandelt habe, „der nicht die Billigung des Ministers gefunden hat und deshalb bereits am vergangenen Freitag zurückgezogen und von der Homepage des BMWi heruntergenommen wurde.“

Bundesminister Altmaier lege „größten Wert darauf, dass der Hochlauf der Elektromobilität schnell und für alle Beteiligten verlässlich erfolgt“, so die Klarstellung weiter. Altmaier werde „in den kommenden Tagen diesbezüglich sowohl mit den Fahrzeugherstellern als auch mit den Netzbetreibern Gespräche führen und danach einen neuen Vorschlag vorlegen, der für alle Beteiligten akzeptabel“ sein soll.

Auch VDA-Präsidentin Hildegard Müller hatte den ursprünglichen Gesetzentwurf kritisiert: „Was Spitzenglättung genannt wird, bedeutet für die Kunden leider Abschalten“, sagte sie der Welt am Sonntag. Die Zwangspause bei Ladevorgängen wäre „sehr schlecht für alle Besitzer von E-Autos und die Unternehmen, die jetzt E-Autos auf den Markt bringen.“ Der Entwurf zur Regelung von Paragraf 14a des Energiewirtschaftsgesetzes sei „einseitig zugunsten der Energiewirtschaft“ ausgefallen. Die Netzstabilität sei zwar wichtig, lasse sich aber auch mit anderen Maßnahmen, welche zudem den Ausbau der Elektromobilität nicht gefährden, besser garantieren. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) hatte die geplante Regelung ebenfalls als verbraucherunfreundlich abgelehnt.

Quelle: Bundeswirtschaftsministerium – Pressemitteilung vom 17.01.2021 // Welt – Zwangs-Ladepausen für E-Autos – plötzlich pfeift der Minister seine Leute zurück

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

Automobiler Mittelstand meldet Standortkrise in Deutschland

Automobiler Mittelstand meldet Standortkrise in Deutschland

Sebastian Henßler  —  

Eine VDA-Umfrage unter 116 Unternehmen zeigt, dass sich die Geschäftslage im automobilen Mittelstand deutlich verschlechtert hat.

EU-Regulierung beschleunigt Chinas Fabrikoffensive in Europa

EU-Regulierung beschleunigt Chinas Fabrikoffensive in Europa

Sebastian Henßler  —  

Chinesische Autobauer sichern sich Produktionsstandorte in Europa, bevor ein neues EU-Gesetz Direktinvestitionen aus China erschwert.

„Made in Europe“: VW, Stellantis und Renault fordern simple EU-Regeln

„Made in Europe“: VW, Stellantis und Renault fordern simple EU-Regeln

Tobias Stahl  —  

Volkswagen, Stellantis und Renault wenden sich in einem gemeinsamen Schreiben an die EU – und fordern möglichst simple Regeln zum Schutz der hiesigen Automobilindustrie.

CATL-Chef dämpft Erwartungen an Festkörperbatterien

CATL-Chef dämpft Erwartungen an Festkörperbatterien

Sebastian Henßler  —  

Nicht Zeitpläne, sondern technische Durchbrüche entscheiden über die Zukunft der Festkörperbatterie. CATL-Chef Zeng erklärt, wo die Technologie heute steht.

Mercedes-Veteran: Warum deutsche Firmen den Mut verloren haben

Mercedes-Veteran: Warum deutsche Firmen den Mut verloren haben

Sebastian Henßler  —  

Harald Schlarb war 36 Jahre bei Mercedes, baute die Tesla-Gigafactory mit auf – und erklärt, warum deutsche Firmen das Risiko wieder lernen müssen.

Exklusiv: Wie Alpitronic seine Hypercharger vor Hackern schützt

Exklusiv: Wie Alpitronic seine Hypercharger vor Hackern schützt

Sebastian Henßler  —  

Alpitronic lässt seine Ladesäulen hacken – ohne Grenzen und mit KI-Unterstützung. Was dahintersteckt, zeigt ein exklusiver Besuch im Cybersecurity-Labor.

Was steckt hinter Alpitronics Testlabor? Wir waren vor Ort

Was steckt hinter Alpitronics Testlabor? Wir waren vor Ort

Sebastian Henßler  —  

Wie macht man einen Hypercharger fit für Norwegen, Arizona und die Türkei? Die Antwort liegt im Bozner R&D-Zentrum von Alpitronic.