Altmaier kippt Zwangspausen von E-Auto-Ladevorgängen zur Spitzenglättung

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Ein aus der Elektroauto-Branche stark kritisierter Gesetzentwurf wurde nun offenbar zurückgezogen. Wirtschaftsminister Peter Altmaier habe der umstrittenen „Spitzenglättung“, einer im Paragraf 14a des Energiewirtschaftsgesetzes geplanten Zwangsabschaltung von E-Auto-Ladevorgängen bei einer drohenden Überlastung des Stromnetzes, eine Absage erteilt. Im Entwurf war vorgesehen, dass Stromversorger den Besitzern von Elektroautos eine bis zu zwei Stunden dauernde Zwangsladepause auferlegen können, falls das Stromnetz zu Spitzenlastzeiten überlastet werden könnte. Der Entwurf hatte vor allem gegen Ende des vergangenen Jahres zu hitzigen Diskussionen geführt.

Am vergangenen Wochenende, nach einem Artikel der Welt am Sonntag, die als eines der ersten großen Medienhäuser über die Zwangsabschaltung berichtet hatte, kassierte Altmaier den Entwurf: Zur Berichterstattung in der Welt am Sonntag zu Thema Laden von E-Autos erklärte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums, dass es sich dabei „um einen Entwurf der Arbeitsebene“, gehandelt habe, „der nicht die Billigung des Ministers gefunden hat und deshalb bereits am vergangenen Freitag zurückgezogen und von der Homepage des BMWi heruntergenommen wurde.“

Bundesminister Altmaier lege „größten Wert darauf, dass der Hochlauf der Elektromobilität schnell und für alle Beteiligten verlässlich erfolgt“, so die Klarstellung weiter. Altmaier werde „in den kommenden Tagen diesbezüglich sowohl mit den Fahrzeugherstellern als auch mit den Netzbetreibern Gespräche führen und danach einen neuen Vorschlag vorlegen, der für alle Beteiligten akzeptabel“ sein soll.

Auch VDA-Präsidentin Hildegard Müller hatte den ursprünglichen Gesetzentwurf kritisiert: „Was Spitzenglättung genannt wird, bedeutet für die Kunden leider Abschalten“, sagte sie der Welt am Sonntag. Die Zwangspause bei Ladevorgängen wäre „sehr schlecht für alle Besitzer von E-Autos und die Unternehmen, die jetzt E-Autos auf den Markt bringen.“ Der Entwurf zur Regelung von Paragraf 14a des Energiewirtschaftsgesetzes sei „einseitig zugunsten der Energiewirtschaft“ ausgefallen. Die Netzstabilität sei zwar wichtig, lasse sich aber auch mit anderen Maßnahmen, welche zudem den Ausbau der Elektromobilität nicht gefährden, besser garantieren. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) hatte die geplante Regelung ebenfalls als verbraucherunfreundlich abgelehnt.

Quelle: Bundeswirtschaftsministerium – Pressemitteilung vom 17.01.2021 // Welt – Zwangs-Ladepausen für E-Autos – plötzlich pfeift der Minister seine Leute zurück

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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TITAN:

Der Mann hat zu viel GEWICHT ,,, aber am falschen Ort, zu weit unten im Körper … sollte mit dem Andi endlich endlich mal ABTRETEN – total unter LobbyControl die Herren

TITAN:

Wenn die Damen und Herren mit ihren stinkenden Verbrennern diese dann vor den Toren z. B. Münchens parken und die elektrischen öffentlichen Nutzen, gerne doch. Auf dem Dorf fällt das Gift ja nicht ins Gewicht das hinten aus dem AUSpuff raus kommt!

Alo:

Viel zu viel Theorie, endlose Zahlen, Vergleiche und Prozentrechnungen. Wir haben keine Zeit mehr für solche Spielchen. Wir müssen alles tun um die Verschmutzung unserer Erde durch Verbrenner, Kohle und Co. zu beenden. Es ist bereits 12:00 Uhr

Sven:

Das bedeutet, die Befürchtungen von E-Auto Besitzern und die es werden wollen, sind endlich in der Politik angekommen.

Aktuell steht die Infrastruktur für eine größere Anzahl an E-Autos noch nicht und die verfügbare Menge an Strom wird nicht ausreichend sein, wenn nicht mit Kraftwerken, Speichern, Speicherkraftwerken, etc. nachgelegt wird.
Wenn E-Autos meistens abends an die Ladestation angeschlossen werden, ist auch wenig Sonnenenergie vorhanden, der Wind ist Nacht manchmal auch weg. Ist eben Natur.

Eventuell kann man einen Vorschlag machen, dass E-Autos gemeinsam mit Photvoltaikmodulen, Stromspeicher und Ladestation an Privathaushalte verkauft werden, dann könnte jede private Ladestation die Netzspitzen schonmal etwas kappen.

Alternativ kann man natürlich auch den Weg unserer europäischen Nachbarn gehen und in saubere Kernenergie der neusten Generation investieren und endlich auch den bereits vorhandenen Kernenergiemüll (nicht gänzlich verwertbare Brennstäbe aus Kraftwerken der alten Generation) verbrauchen. Damit kann eine erhebliche Netzunterstützung erfolgen.
Wird schwierig werden, wenn unsere Grünen Politiker dann doch neue Kernenergie ans Netz bringen müssen, um unsere Umweltziele gemeinsam erreichen zu können.

Am einfachsten wird es sein, kein Auto zu fahren, nicht arbeiten zu gehen und wieder aus dem eigenen Garten zu leben. Dann zahlen wir auch keine Steuern mehr und können auch nur noch wenige Politiker finanzieren.

Der Umwelt würde es sicher sehr gut tun, wenn wir den beknackten Industrietourismus und Logistikwahnsinn der globalen Fertigungen und die „ich will überall auf dem Planet die gleichen Produkte verkaufen Ideologie“ einstellen würden.

Hannes Bader:

Ich weiß schon, dass es schlecht um die Verringerung der CO2-Emissionen bestellt ist. Den einen Tag höre ich im Radio, dass wir, wenn wir sofort kein CO2 mehr in die Atmosphäre pusten trotzdem die Dauerfrostböden in Sibirien ungefähr im Jahr 2100 auftauen werden und dann soviel Methan in die Atmosphäre gelangt, dass es 4 Grad wärmer wird. Hätten wir 1970 aufgehört damit, dann wäre es abwendbar gewesen. Es wird dann einige Zeit dauern bis das wieder aus der Atmosphäre abgebaut wird. Den anderen Tag höre ich beim selben Szenario, dass durch den Einsatz der Düngemittel soviel Lachgas freigesetzt wird, dass auch dadurch der Temperaturanstieg weitergeht. Mit dem Hochfahren der E-Mobilität in Deutschland bei unserer Stromerzeugung ist ein Elektroauto kontraproduktiv. Im Jahr 2020 hat die Energieerzeugung aus erneuerbaren Energien in 103 Stunden den Strombedarf vollständig decken können. Dabei entstand ein Überschuss von 195.348 MWh oder 195 GWh oder 0.195TWh. In der anderen Zeit war eine Deckungslücke von 216.737.104 MWh oder 216,7TWh, die durch konventionelle Stromerzeugung geschlossen werden musste. Mit dem Überschuss aus den Erneuerbaren ließen sich bei einem Jahresverbrauch von 2,8MWh je Fahrzeug 69.767E-Fahrzeuge zu 100% elektrisch betreiben, wenn die Fahrzeuge genau dann geladen würden, wenn der Strom da ist. Die Stromdaten habe ich mir auf smard de als Excel-Tabellen heruntergeladen und daraus die Werte ermittelt. Die Rechnung hat zwei Schönheitsfehler, der erste ist, dass hier im Stromverbrauch schon vorhandene E-Fahrzeuge Strom gezogen haben, die andere Unbekannte ist, dass ich nicht genau weiß, ob die Netzverluste schon von den Erzeugungskapazitäten abgezogen sind oder auf den Verbrauch aufgeschlagen wurden. Wir haben lt. Internetrecherche ca. 6% Netzverluste.
Es gibt nur wenige konventionelle Kraftwerke, bei denen ein E-Fahrzeug besser abschneidet als ein Erdgasfahrzeug. Das sind einmal Atomkraftwerke, da diese kein CO2 ausstoßen, GuD-Kraftwerke mit und ohne Kraftwärmekopplung und einfache Gaskraftwerke mit Wärmeauskopplung. Gaskraftwerke als Spitzenlastkraftwerke erreichen nur einen Wirkungsgrad von 42%, der sich dann durch die Netzverluste auf 39,5% per Steckdose verringert. Danach kommt noch der Verlust aus Umwandlung in Gleichstrom zum Laden und dann wiederum die Umrichtung von Gleichstrom auf 3-Phasen-Wechselstrom für den Elektromotor dazu. In dem Szenario Gaskraftwerk als Spitzenlast zieht das E-Auto in Sachen CO2 den Kürzeren, von Kohle brauchen wir erst gar nicht zu reden. Sollte das Auto an einem Supercharger geladen werden und dort noch durch einen stationären Akku gehen, dann sieht es noch schlechter aus.
Der Weg zum CO2-freien Auto kann nur über die CO2-arme oder CO2-freie Stromerzeugung führen. Es nützt also überhaupt nichts massenhaft E-Fahrzeuge auf die Straße zu bringen. Es macht auch keinen Druck auf die Politik. Das wäre so als würde ich mich ohne Regenschirm in den Regen stellen um damit Druck aufzubauen, dass der Regen aufhört. Mehr Strombedarf für E-Autos wird mit konventionellen Kraftwerken bedient und schon ist Ruhe. In den USA spendieren die Stromlieferanten zum Teil den Kunden die Wallbox und binden diese an den Lieferanten.
Zielstellung bis 2030 sind 65% Strom aus erneuerbaren Energien in Deutschland. Erst dann werden die E-Autos Zug um Zug klimawirksam, vorher nur sehr gering bis gar nicht. Deshalb muss in naher Zukunft das Hauptaugenmerk auf der sauberen Stromerzeugung liegen, da noch lange genügend Stromverbraucher mit Netzanschluss ohne Akku zur Verfügung stehen, die sauberen Strom zur CO2-Vermeidung brauchen.

Ich verweise auch www elektroauto-news net/elektroautos/polestar-spricht-ueber-klimaauswirkungen-elektrofahrzeuge incl. meines Kommentars dort (Punkte ergänzen)

Kasch:

jo, vertipp mich oft auf dem smartphone – hab leider keine KI, die wenigstens das ordentlich korrigiert

KleinFritzchen:

Mit offensichtlich zunehmender Abnahme MI (menschlicher Intelegenz) wirds schwer für die KI.

Yup, Beweis erbracht!

Kasch:

Mit offensichtlich zunehmender Abnahme MI (menschlicher Intelegenz) wirds schwer für die KI. Einzig aktuell erfolgreiches Unternemen bezüglich KI: Tesla. Liegt aber an vielen Randbedingungen, die andere Firmen nie erreichen können / wollen.
Dass deutsche Firmen schwachsinnigste Ladesysteme aufstellen können, das hat man schon mal eindrucksvoll gezeigt – ist leider die falsche Richtung, aber unvermeidbar, sobald sich Politik mit Förderprogrammen in Dinge einmischt, wovon sie keinerlei Ahnung hat. Für primär Verbrennerhersteller ist es überlebenswichtig, E-Mobilität zu bremsen, so gut das geht. Und mit Förderprogrammen unserer Regierung für E-Mobilität funktioniert einbremsen der E- Mobilität noch erschreckend gut – allerdings nur noch bei uns.

Daniel W.:

Die Systeme dürften so intelligent sein, dass sie nicht von Ladestationen an der Autobahn und im öffentlichen Raum Strom abzapfen, sondern zuhause oder am Arbeitsplatz, wo die E-Autos längere Zeit stehen und auch nur von den E-Autos, die nur Kurzstrecken fahren.

Die Langstreckenfahrer dürften vom Stromabzapfen ausgenommen sein, es sei denn die E-Autos stehen über Nacht zu Hause oder in der Hotelgarage und es ist absehbar, dass sie bis zum Morgen wieder geladen werden können. Die KI (künstlichen Inteligenz) sollte man nicht dumm reden.

Kasch:

V2G in Deutschland wäre dann die Krönung der Blödelei. BEVs werden immer unkontrolliert an- und abgestöpselt – mit einer Restreichweite von 40 km geb ich auf der Autobahn Strom ab, weil ich im Radio hörte, dass im Moment zu wenig Strom im Netz ist, such mir eine Mitfahrgelegenheit und lass mich zurückfahren, sobald sich die Sonne zeigt. Mit derzeit ersten V2G- Fahrzeugen kann man einen Wasserkocher o. Ä. betreiben, das wars und mehr wird nicht draus.

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