So schlägt sich der Nissan Leaf 30 kWh Tekna im Alltag – meine Erfahrungen und Eindrücke

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Gründonnerstag, meine Kollegen streifen noch durch die Discounter, um für ihre Kinder die Osternester zu füllen. Für mich ist schon Ostern, irgendwie. Denn mein kleines “New Red”-Osterei (Red Pearl Metallic) hat schon drei Tage vor Ostersonntag seinen Weg zu mir gefunden. Der Nissan Leaf 30 kWh Tekna – für gut zwei Wochen mein elektrischer Weggefährte im Alltag.

Auf diese zwei Wochen Erkundungsfahrt und Kennenlernen des Nissan Leaf in meinem Alltag möchte ich dich gerne mitnehmen. Dabei spiegelt dieser Beitrag meine subjektiven Eindrücke des Elektroautos von Nissan im Alltag wider, teils gespickt mit technischen Daten, aber eben aus persönlicher Sicht geschrieben.

In einem weiteren Beitrag werde ich dann auf häufig gestellte Fragen zum Nissan Leaf eingehen – F.A.Q. – Zahlen, Daten und Fakten zum Nissan Leaf – und diese mithilfe meiner eigenen Eindrücke beantworten beziehungsweise entsprechende Informationen zu diesen Fragen zusammentragen. Doch nun erst einmal zurück, zu meinen zwei Wochen Cruisen mit dem Nissan Leaf.




Meine ersten Kilometer im Nissan Leaf und wie sich das E-Auto im Alltag schlägt

Die Anlieferung des Nissan Leafs erfolgte, wie bereits zu Beginn erwähnt, am Gründonnerstag Mitte April. Angeliefert wurde dieser mit einem Transporter, wodurch gewährleistet wurde, dass der Nissan Leaf mit voller Lithium-Ionen-Batterie 30 kWh zur Fahrt bereitstand. War natürlich klasse, so ging meine erste Fahrt nicht zur nächsten Ladestation, sondern direkt ins Fitnessstudio. Aber erst später am Tag, zunächst einmal musste ich noch ein wenig arbeiten.



Losfahren wie im Verbrenner, aber irgendwie doch anders…

Bevor ich den Nissan Leaf allerdings für die nächsten Stunden auf dem Parkplatz abstellen musste, ließ ich mir noch zeigen wie man diesen startet und worauf man beim Laden achten muss.

Zu erwähnen ist direkt, dass das E-Auto nicht über einen “normalen” Schlüssel verfügt, welcher zum Aufschließen ins Türschloss oder zum Fahren ins Zündschloss gesteckt werden muss. Es reicht, wenn man diesen bei sich trägt, wenn man im Auto ist - ein Zündschloss gibt es nicht. Die Türen öffnen sich ebenfalls auf Knopfdruck, wenn der Schlüssel in der Nähe ist.

Im Auto sollte man diesen allerdings auch nicht liegen lassen, denn dann besteht die Gefahr, dass sich das Fahrzeug selbst verschließt und laut Transporteur bekommt es dann nicht einmal mehr der ADAC auf. Ausprobieren wollte ich dies verständlicherweise nicht.

Zum Starten wird das Fußbremspedal in der Mitte sowie der Start-Button rechts vom Lenkrad gedrückt. Das typische Brummen eines Verbrenners bekommt man dann allerdings nicht zu hören. Im Gegenteil, lediglich die Klimaanlage und das Aufleuchten der Anzeigen sowie ein kurzes Piepen verrät, dass der Nissan Leaf startbereit ist. Nun noch die Feststellbremse, Pedal ganz links, lösen - die Fußbremse muss hierzu weiterhin betätigt sein. Gang eingelegt und den Leaf sanft auf den Parkplatz gleiten lassen - mehr fahren war direkt nach der Anlieferung nicht drin.



Meine Jungfernfahrt im Nissan Leaf

Am Abend stand sie dann aber doch auf dem Plan, meine Jungfernfahrt mit dem Nissan Leaf. Quer durch den Odenwald, in Richtung Fitnessstudio: ein paar Berge, Kurven und gerade Strecken - eben alles was man für ein erstes Kennenlernen benötigt.



Eco-Modus - Schneller Hase wird zur lahmen Schildkröte

Gerade diese ersten Kilometer waren ein Erlebnis für sich. Statt Tankanzeige gibt es eine Ladeanzeige, statt Gangschaltung nur ein Schalthebel zum Rückwärtsfahren, Parken oder Fahren. Den einzigen Eingriff aufs Fahrverhalten erlaubt der Eco-Knopf am Lenkrad.

Dieser verspricht mehr Reichweite durch Drosseln der Heizung und spürbarer Dämpfung des Vorwärtsdrangs des Zero Emission Fahrzeugs von Nissan. Als Fahrer empfindet man dies allerdings ein wenig anders. Auf Knopfdruck erlahmt der flotte E-Flitzer von Nissan, dabei steht diesem die gesamte Motorleistung zur Verfügung, lediglich die geänderte Gaspedalkennlinie ermahnt zu einer sparsamen Fahrweise.

Nissan beschreibt den Eco-Modus wie folgt:

"In diesem Fahrmodus wird der Energieverbrauch durch Beschränkung der Motorausgabe und der vom Klimaanlagensystem verbrauchten Energie verringert. Gleichzeitig wird die Energieerzeugung durch Einsatz der Nutzbremse erhöht."

Kann man auch durchaus im Stadtverkehr nutzen, oder beim gemütlichen Cruisen. Möchte man allerdings einigermaßen flott von A nach B kommen und die paar Kilometer weniger Reichweite stören nicht, dann sollte man auf den Eco-Modus verzichten - da das Fahren ansonsten sehr träge wirkt.



Blick auf die Ladeanzeige unausweichlich

Was mir vorher schon irgendwie klar war, sich aber nach den ersten Kilometern auch bewahrheitet hat, ist die Tatsache, dass der Blick auf die Ladeanzeige doch des Öfteren vorkommt. Nicht verwunderlich, schließlich ist es ein komplett anderes Gefühl rein elektrisch und nicht mit einem Verbrenner zu fahren. Das Gespür für das Fahrzeug und die Reichweite fehlt vollkommen.

Der Nissan Leaf kam am Tag der Anlieferung mit 174 km Reichweite an. Und hat bis zum Abend nur 14 km Reichweite verloren. Trotz dessen, dass ich mehr als zwanzig Kilometer gefahren bin. Wie das geht? Rekuperation lautet das Zauberwort - dies beschreibt das technische Verfahren, welches zur Energierückgewinnung verwendet wird.

Daher kann es durchaus sein, dass man nach einem kurzen Trip mit mehr Reichweite ankommt, als man losgefahren ist. Denn die Reichweite sinkt und steigt mit dem eigenen Fahrverhalten sowie dem Streckenprofil.

Unterstützt wird dies zusätzlich durch den B-Modus, einfach erneut den Gang Drive auswählen, und schon erhöht sich die durch das regenerative High-Tech-Bremssystem die rekuperierte Energiemenge, die beim Verlangsamen als Antriebsenergie zurückgewonnen wird.

Denn nachdem ich ein paar erste Worte zu meiner Jungfernfahrt mit dem Nissan Leaf verloren habe möchte ich vor weiteren Eindrücken zunächst einen Blick auf die technischen Daten und das äußere Erscheinungsbild meines Elektroautos auf Probe werfen.




Technische Daten meines Testfahrzeugs von Nissan im Blick

Wie eingangs bereits erwähnt stand mir die 30 kWh Version des Nissan Leaf in New Red (Red Pearl Metallic) in der Version Tekna für meine zweiwöchige Testfahrt zur Verfügung. Zugelassen im November 2016, quasi noch ganz Neu und gerade Mal etwas über 1.700 Kilometer auf dem Tacho. Durch das größere Akku erhöht sich die Reichweite des Leafs von 135 auf 172 km - gemäß US-Testzyklus. Gegenüber dem Vorgängerakku basiert das ab 2015 eingeführte Akku auf einer veränderten Zellchemie mit höherer Energiedichte.



Nissan Leaf als Tekna Model

Das Tekna Model des Nissan Leaf kommt, wie die beiden anderen Modelle Visia und Acenta, mit einem 80 kW (109 PS) starken Elektromotor daher. Hierbei setzen diese auf ein stufenloses Automatikgetriebe. Preislich beginnt das von mir gefahrene Modell - auf Basis Serienausstattung - bei 34.785,00 Euro inkl. Batteriekauf (aktuelle Broschüre) (Stand 05/2017).



Auswahl von technischen Daten des Tekna Models

Sämtliche technische Daten des best ausgestatteten Modells des Nissan Leaf aufzuzählen würde sicherlich den Rahmen sprengen, daher habe ich lediglich eine grobe Übersicht der wichtigsten Fakten zusammengestellt.

  • 17”-Leichtmetallfelgen mit Bereifung 215/50 R17
  • Fahrer- und Beifahrerairbag (Beifahrerairbag abschaltbar)
  • Kopfairbags, vorne und hinten
  • Seitenairbags, vorne
  • Anti-Blockiersystem (ABS) mit elektronischer Bremskraftverteilung (EBD)
  • Berganfahrassistent
  • Elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP)
  • Halogenscheinwerfer
  • INTELLIGENT KEY mit Keyless Entry und Start-/ Stopp-Knopf
  • EVSE-Kabel (Mode 2 Sicherheitssystem) mit Haushaltsstecker (bis 2,3 kW)
  • Mode 3 Ladekabel Typ 1 / Typ 2 (bis 7,4 kW)
  • CHAdeMO Schnellladeanschluss vorne, Vehicle2Grid Ready, Gleichstrom (bis 50 kW)
  • Fahrmodus "B" zur Erhöhung des rekuperativen Bremsens
  • Wärmepumpe zur Senkung des Energieverbrauches und Erhöhung der Reichweiten im realen Alltagsbetrieb
  • NissanConnect EV
  • Regensensor
  • Fahrtlichtautomatik mit "Follow me Home"-Funktion
  • Around View Monitor für 360° Rundumsicht
  • BOSE Soundsystem inkl. 7 Lautsprechern
  • LED Scheinwerfer
  • Sitzheizung vorne und hinten, beheizbares Lenkrad und beheizbare Außenspiegel
  • Solarspoiler im Heck für die zusätzliche 12-Volt-Batterie

Wobei ich es mir nicht nehmen lasse möchte auf einzelne Punkte nachfolgend im Detail einzugehen.



Technische Möglichkeiten des Nissan Leaf Tekna 30 kWh im Detail

Gerade im April habe ich und meine Frau die Vorzüge des Winterpakets des Leaf Tekna genossen. So kam dieser mit Sitzheizung vorne und hinten daher sowie einem beheizbaren Lenkrad, welches an sich bei den kühlen Temperaturen ein gern gesehenes Extra war. Möchte man fast nicht mehr darauf verzichten.

Ebenfalls der Around View Monitor, welcher sich gerade beim Ein- und Ausparken als sehr hilfreich erwies möchte man nicht mehr missen. Dank vier Kameras, welche auf jeder Seite des Leaf angebracht sind, bekommt man auf dem Audio- / Navigationssystem - Infotainment-System NissanConnect EV - des Leaf eine 360° Rundumsicht angezeigt. Beim ersten Betrachten könnte man fast auf die Idee kommen, dass eine Drohne über dem Leaf schwebt, welche diese Ansicht aufnimmt. Ist aber eben “nur” die nahtlose Kombination der erwähnten Kameras. Diese werden übrigens auch beim Seitwärts oder Rückwärts Einparken genutzt.

Für den richtigen Sound sorgte das BOSE Soundsystem mit sieben Lautsprechern. Welches man wahlweise mit Musik aus dem Radio, per USB-Anschluss, AUX-Anschluss oder einem Bluetooth verbundenen Smartphone befeuern kann. Für mich war hier Bluetooth die richtige Wahl, kurz das Fahrzeug über das Smartphone gesucht, Verbinden ausgewählt und am Fahrzeug selbst bestätigt - schon konnte Musik, Podcasts und Co. über dieses wiedergegeben werden. Telefonieren funktioniert natürlich auch.

Anti-Blockiersystem (ABS) mit elektronischer Bremskraftverteilung (EBD) und Berganfahrassistent sowie Elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP) gehören mittlerweile zum guten Ton bei aktuellen Fahrzeugmodellen. Dennoch sollte man es nicht unerwähnt lassen, dass der Nissan Leaf hiermit ebenfalls aufwartet.

Für manche Spielerei, für mich gerade zu Beginn eine unglaubliche Hilfe, ist die Verbrauchsanalyse im Bordcomputer. So hilft diese die Reichweite des Nissan Leaf zu maximieren. Das sogenannte Combimeter zeigt in leicht lesbaren Prozentanzeigen den aktuellen Energieverbrauch oder Energieregeneration, den Ladezustand sowie vorhandene Restenergie, die Kapazitätsstufen und die Strecke, die man noch zurücklegen kann an. Quasi, die Informationszentrale rund um den Zustand der Lithium-Ionen-Batterie.

Wie du merkst könnte ich mich wahrscheinlich seitenlang über die technischen Details des Nissan Leafs auslassen. Werde ich aber nicht machen, da ich ansonsten auch einfach die Betriebsanleitung hier rein kopieren könnte. Festzuhalten ist, dass der Nissan Leaf im von mir gefahrenen Modell Tekna keine Funktion missen lässt, welche man im Alltag benötigt, um angenehm zu Cruisen.

Im Gegenteil, gerade in den ersten vier, fünf Tagen war ich komplett überfordert mit sämtlichen Möglichkeiten. Alleine das Infotainment-System NissanConnect EV ließ mich immer wieder einen neuen Menüpunkt beziehungsweise Einstellungsmöglichkeit finden, über die ich zuvor nicht gestolpert bin. Aber auch hier gilt, man wächst mit seinem Fahrzeug und den Herausforderungen des Alltags.

Möchtest du noch etwas im Detail wissen, kannst du entweder einen Blick in meinem Beitrag F.A.Q. - Zahlen, Daten und Fakten zum Nissan Leaf riskieren oder deine Frage nachfolgend in den Kommentaren stellen.




Das Design des Nissan Leaf - Aussehen spielt eben doch eine Rolle

Nicht nur die technischen Daten und Möglichkeiten des Leaf spielen im Alltag eine Rolle. Auch das Aussehen sowie das gesamte Erscheinungsbild des Nissan Leaf Tekna 30 kWh bleibt natürlich nicht außen vor. Daher möchte ich auch hier einen kurzen Blick auf das Exterieur und Interieur des Nissan Leaf werfen.



Exterieur des Leaf

Was fällt beim Nissan Leaf als Erstes auf? Seine schlankes, dennoch flott wirkendes Erscheinungsbild? Die aufgesetzten LED-Scheinwerfer links und rechts der Motorhaube? Die auffällig in blau dargestellten Nissan Logos sowie der Zero Emission-Schriftzug? Oder das Gesamtbild des Red Pearl Metallic-farbenen Elektroautos?

Die Antwort fällt hier sicherlich bei jedem anders aus, da jeder auf einen anderen Punkt zuerst achtet. Für mich war es in der Tat die Farbe des E-Autos, welche die Blicke auf sich gezogen hat, gefolgt von den präsent platzierten LED-Scheinwerfern.

Mein Testfahrzeug kam in New Red oder auch Red Pearl Metallic daher. Einem Rotton, welcher nicht zu auffällig war, dennoch nicht langweilig wirkt und auch bei längerem Betrachten noch schön anzusehen ist. Lediglich die Farbvariante Sonic Blue Metallic sorgt noch für mehr Aufmerksamkeit im Straßenverkehr.

Die weiteren Farbvarianten sind eher zurückhaltend und als dezent zu beschreiben:

  • Black Metallic
  • White Solid
  • Read Pearl Metallic
  • Sonic Blue Metallic
  • Silver Metallic
  • Grey Metallic
  • Bronze
  • White Pearl

Das 4.445 mm lange Gefährt, mit einer Breite von 1.770 mm sowie einer Höhe von 1.550 mm wartet mit 17”-Leichtmetallfelgen mit Bereifung 215/50 R17 auf. Welche ich vom Stil als äußerst schick empfand.

Neben den Leichtmetallfelgen fällt gerade im Heckbereich ein kleines Solarmodul auf dem Spoiler auf. Dieses ist allerdings nicht in jeder Ausstattungsvariante serienmäßig verbaut. Genutzt wird diese, um unabhängig vom Hochstromnetz der Traktionsbatterie Energie für die Bordelektronik in die 12-Volt-Bordbatterie einzuspeisen.

Elegant integriert sind die Kameras für die 360° Ansicht. Teilweise so versteckt angebracht, dass man diese richtig Suchen muss, um diese zu Finden. Ebenfalls die Druckknöpfe auf den Türgriffen, welche ein Öffnen des Autos erlauben, ohne dass der Schlüssel aus der Tasche geholt werden muss, sind sehr dezent. Diese wirken eher wie eine gewollte Erhöhung auf den Griffen aus designtechnischen Gründen, als mit einer Funktion versehenen Möglichkeit Einlass zu erhalten.



Interieur des Leaf

Im inneren des Nissan Leaf 30 kWh weiß vor allem das Cockpit aufzufallen. Quasi, die Schaltzentrale des Elektroautos. Von dieser lässt sich das gesamte Fahrzeug steuern und einstellen. Im Mittelpunkt steht das Infotainment-System NissanConnect EV, welches nicht nur Zugriff auf die Menüeinstellungen, Radio, Navigationssystem und Telefon bietet, sondern auch übersichtlich Informationen zum aktuellen Fahrstil, Ladestand der Batterie, usw… darstellt. Dabei setzt dies auf eine Kombination aus Touch-Display und normalen Tasten.

Generell ist der Innenraum des Leaf farblich eher zurückhaltend, die Sitzbezüge setzen auf schwarzes Leder (Tekna). Alternativ kommt bei dem Modell Acenta hellgraues oder schwarzes Veloursgewebe zum Einsatz. Das Modell Visia setzt auf schwarzen Stoff. Ansonsten findet man im Innenraum viel Silber und Akzente in Blau vor, welche man mit “Energie/Strom” in Verbindung bringen kann.

In der Mittelkonsole befindet sich der Schaltknauf, welcher es erlaubt verschiedene Fahrmodi auszuwählen. Schaltet man beispielsweise in den Rückwärtsgang, dann schaltet zeit gleich das Infotainment-System NissanConnect EV auf Rückwärtsfahrkamera um. Alternativ lässt sich die Ansicht des Around View Monitor für 360° Rundumsicht jederzeit per Druck auf die “Camera”-Taste unterhalb des Displays anwählen.

Ablagemöglichkeiten gibt es direkt unter dem Infotainment-System, von wo aus sich ebenfalls die Sitzheizung an- und ausschalten lässt. Was ich erst bei der Benutzung der Ablagefläche gemerkt habe, ist die Tatsache, dass diese perfekt für CD-Hüllen geeignet ist. Bis zu drei oder vier Stück lassen sich dort unterbringen, ohne zu verrutschen. In Zeiten von Bluetooth-Smartphone-Verbindungen wahrscheinlich weniger genutzt, aber dennoch praktisch.

Die Sitzheizung im Bereich der Rückenlehne lässt sich direkt am Sitz steuern. Eine Armauflagefläche im Bereich der Mittelkonsole unterstützt das gemütliche Fahren des Nissan Leaf.

Das Lenkrad selbst wirkt wie eine zweite Schaltzentrale mit den ganzen Knöpfen und Tasten. Aber nicht erschrecken lassen, es ist gar nicht so schlimm, wie es auf den ersten Blick ausschaut.

Links daneben finden sich zahlreiche weitere Knöpfe, welche beispielsweise die Anzeige im Display oberhalb dem Lenkrad bedienen. Diese regeln aber auch, dass das E-Auto keine Töne beim Fahren unterhalb von 30 km/h von sich gibt, das Stromkabel beim Laden verriegelt wird als auch die Zeitschaltuhr zum Laden nicht berücksichtigt wird - bei hinterlegtem Ladeintervall.




Erster Anlauf der Ladestation - erste Hindernisse

Gut 120 Kilometer waren gefahren und eine Restreichweite von 40 Kilometer war in der Anzeige des Leaf noch angegeben, als ich die erste Ladestation bei uns im Ort angefahren bin. Diese wurde vor gut zwei Jahren als Pilotprojekt von EnBW installiert und kann seitdem kostenfrei genutzt werden. So wurde es zumindest in unserem beschaulichen Städtchen bisher kommuniziert.

Die Realität sah anders aus, was sicherlich auch daran lag, dass ich mich nicht vorher schlau gemacht habe, sondern vollkommen optimistisch, mit überschaubarer Restreichweite die Ladestation angesteuert habe. Um diese freischalten zu können wird eine RFID Karte benötigt, welche zunächst angefordert werden muss, was gut eine Woche dauert, bis dahin sind die restlichen 40 Kilometer aber definitiv aufgebraucht.

Naja, glücklicherweise lag dem Leaf ein EVSE Kabel mit Haushaltsstecker bei, dauert zwar ein wenig länger mit dem Laden. Kann aber problemlos über Nacht in der heimischen Garage erfolgen. Abends um 19 Uhr angestöpselt, am nächsten Morgen gegen 08 Uhr wieder abgestöpselt und der Leaf war mit gut 90% Akkukapazität wieder einsatzbereit.

Hinsichtlich der Lademöglichkeiten ist der Nissan Leaf gut aufgestellt. So hat man als Fahrer des Elektroautos die Wahl zwischen:

  • Chademo DC-Schnellladestation (50 kW) - lädt die Batterie in nur 30 Minuten auf 80% ihrer Kapazität auf
  • Heimladestation (Wallbox) oder AC Ladestation (16A/3,7 kW oder 16A/11 kW) - lädt den Nissan Leaf von 0 auf 100% in ca. sieben Stunden auf
  • EVSE Kabel mit Haushaltsstecker - lädt den Leaf in etwa zehn Stunden auf, kann vor allem im privaten Haushalt genutzt werden

Wichtig zu erwähnen ist, dass keine Adapter und/oder Verlängerungskabel genutzt werden dürfen beim Laden. Nur der Einsatz der mitgelieferten beziehungsweise an den Ladestationen zur Verfügung stehenden Ladekabel ist gestattet.




Reichweitenprobleme in der Praxis - gibt es diese?

Im direkten Zusammenhang mit dem Laden des Nissan Leaf steht natürlich die Reichweite des Fahrzeugs. Diese ist beschränkt durch den 30 kWh großen Akku und soll in der Praxis gut 170- 180 Kilometer ermöglichen. Wenn, man sich den traut den Lithium-Ionen-Akku fast vollständig auf Null zu entladen. So viel sei bereits verraten, ich habe es mich nicht getraut. Das höchste der Gefühle waren 20 Kilometer Restreichweite auf der Ladeanzeige.

Dennoch möchte ich natürlich mein persönliches Fazit zu möglichen Reichweitenprobleme ziehen und hier bin ich der Meinung, dass man ein wenig unterscheiden muss. So waren meine Fahrten unter der Woche:

  • 5 x ins Geschäft à 15 Kilometer (Strecke gesamt)
  • 2 x zum Sport à 40 Kilometer
  • sonstige kurze Fahrten à 5 Kilometer

kein Problem. Entspannte Fahrweise, wenig Klimaanlagenutzung und Ausnutzen der Rekuperation sei Dank wäre für weitere kurze Touren noch genügend Strom im Akku gewesen. Soviel zur Nutzung im Alltag.

Am Wochenende gestaltet sich das Ganze ein wenig schwieriger. Hier sind wir meist ein wenig mehr unterwegs und daher muss der Nissan Leaf voll geladen bereitstehen. Mal schnell in die nächst größere Stadt und zurück ist auch hier kein Problem. Lange Tagesausflüge, ohne entsprechende Ladestationen am Zielort dann schon eher. Auch steht einem nicht immer Haushaltsstrom vor Ort zur Verfügung, geschweige denn die Zeit das Fahrzeug vor Ort aufzuladen.


Hier gilt es dann die Fahrten entsprechend zu Planen. Auch Fahrten in den Urlaub gestalten sich als schwierig, da das Ladenetz leider noch nicht so stark ausgebaut ist, wie man sich es wünscht. Gerade entsprechende Chademo DC-Schnellladestation wären von Vorteil, um beispielsweise während einer kurzen Kaffeepause den Akku zumindest wieder zum größten Teil aufzuladen. Man darf gespannt sein, wie sich das deutsche Ladenetz zukünftig entwickeln wird.




Mehrere Kilometer später - so schlägt sich der Leaf von Nissan

Mein Fazit zum Nissan Leaf in der Tekna-Variante fällt zu großen Teilen sehr positiv aus. Nach gut fünfhundert Kilometer auf der Tachoanzeige musste ich ihn leider wieder abgeben und fahre nun zumindest wieder eine Weile Verbrenner und nicht Elektroauto. Und die Umstellung von E-Auto auf Verbrenner ist nicht unbedingt leichter als umgekehrt.

Allein das ruhige Fahren werde ich vermissen. Aber auch die schnelle Reaktion des Motors an der Ampel, das bewusste energiesparende Fahren im Alltag - welches sich alleine schon dadurch einstellt, dass man die Reichweite stets erhöhen möchte sowie den Komfort des Nissan Leaf Tekna durch beispielsweise 360° Umsicht, diverser Assistenz-System, usw… tragen dazu bei, dass ich das E-Auto von Nissan nicht so schnell vergesse.

Vermissen werde ich allerdings nicht die schwammig wirkende Lenkung, welche eben nicht sofort anspricht. Was man natürlich auch eher bei einem Sportwagen, als bei einem Elektroauto für den Alltag erwartet. Die Reichweitenangst durch unausgebaute Ladenetze - wobei hier der Leaf nichts für kann.

Als auch die Begrenzung der Reichweite generell durch einen relativ übersichtlichen Lithium-Ionen-Akku, wobei ich mir hier für die Zukunft - durch bessere Akkus - verspreche, dass sich die “Grund”-Reichweite des Leafs erhöht. Mit dem Sprung von 24 kWh auf 30 kWh gegen Aufpreis hat man von Seiten Nissan zumindest schon darauf reagiert.

Das allgemeine Gefühl elektrisch zu Fahren ist Anfangs sicherlich ungewohnt, macht aber dennoch Spaß. Gerade das Ansprechverhalten des E-Motors sowie das Gefühl, zumindest auf das Fahrzeug bezogen, der Umwelt etwas Gutes zu tun durch Null-Emission vor Ort, lässt ein positives Gefühl aufleben.

Weniger positiv ist der hohe Preis für ein solches E-Fahrzeug, welches sich alleine dadurch nicht unbedingt als Konkurrenz zum klassischen Verbrenner positioniert. Hier liegt es sicherlich am Staat E-Fahrzeuge generell attraktiver werden zu lassen, durch entsprechende Förderungen, um dann durch größere Nachfrage die Produktionskosten sinken zu lassen. Sicherlich nichts was von heute auf morgen passiert, aber durch das Zusammenspiel von Regierung und Automobilindustrie vorangetrieben werden kann.

Disclaimer


Der Nissan Leaf 30 kWh Tekna wurde mir für diesen Testbericht kostenfrei, für den Zeitraum von zwei Wochen, von Nissan zur Verfügung gestellt. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf meine hier geschriebene ehrliche Meinung.