ZDK: „Wir brauchen bezahlbare Elektroautos – und zwar schnell“

ZDK: „Wir brauchen bezahlbare Elektroautos – und zwar schnell“
Copyright:

Shutterstock / 1697724274

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

„Mobilität darf nicht zur sozialen Frage werden!“ Mit einem mahnenden Appell für mehr Investitionen in Elektromobilität und alternative Antriebslösungen hat ZDK-Präsident Arne Joswig die rund 1200 Gäste aus Politik, Verbänden und der Automobilbranche auf dem Neujahrsgipfel des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) begrüßt, darunter als Gastredner Friedrich Merz, Vorsitzender der CDU Deutschland, und Christian Lindner, Bundesvorsitzender der FDP.

Sollten die Fahrzeughersteller angesichts schwindender Nachfrage für Elektroautos die CO2-Flottenziele verfehlen, drohen hohe CO2-Kosten – nicht nur für die Autoindustrie, sondern ebenso für Verbraucher und Unternehmen. Wenn die Klimaziele verfehlt werden, könnte der CO2-Preis bis 2030 leicht auf 300 Euro pro Tonne steigen. Auf die Kraftstoffkosten umgelegt entspricht dies einer zusätzlichen Verteuerung um 70 bis 80 Cent pro Liter Benzin bzw. Diesel, warnt der ZDK.

„Wenn die Klimaziele eingehalten werden sollen und die E-Mobilität nicht vorankommt, wird der CO2-Preis explodieren“, prophezeit Joswig. „Hierdurch würden Menschen, die sich noch nie in ihrem Leben einen Neuwagen, geschweige denn ein Elektroauto leisten konnten, von der Automobilität schrittweise ausgegrenzt“, so der ZDK-Präsident. Und weiter: „Wir brauchen bezahlbare Elektroautos und mehr regenerative Kraftstoffe – und zwar schnell. Das ist nicht nur eine Herausforderung für die Politik, sondern auch für die Hersteller und die Mineralölbranche. Unsere Kunden erwarten Lösungen – und zwar jetzt!“

Um dem hauptsächlich in Deutschland stockenden Hochlauf der Elektromobilität, der in den meisten anderen Ländern munter voranschreitet, auch hierzulande wieder neuen Schwung zu verleihen, fordert der ZDK die Politik auf, gezielte Fördermaßnahmen zu ergreifen und die entsprechenden Rahmenbedingungen zu setzen. Das gelte für die hohen Anschaffungs- und Betriebskosten gleichermaßen.

„Unser Vorschlag einer E-Mobilitätsprämie liegt auf dem Tisch, damit junge Menschen und Familien bereits heute den Umstieg zur E-Mobilität schaffen und sich Automobilität auch in Zukunft leisten können“, sagt Joswig auf dem Branchenabend im Gasometer auf dem Euref-Campus in Berlin.

Anstatt die individuelle Mobilität von Autofahrerinnnen und Autofahrern weiter zu verteuern, sollten Mittel aus den jährlichen Einnahmen der CO2-Bepreisung – in diesem Jahr voraussichtlich acht Milliarden Euro – zur Finanzierung der Transformation zur klimaneutralen Mobilität im Straßenverkehr verwendet werden. „Ein Teil fließt bereits in Ladeinfrastruktur, aber das reicht nicht. Wir brauchen mehr Investitionen in alternative Kraftstoffe und Elektromobilität, damit Mobilität für alle bezahlbar bleibt“, so Joswig. „In knapp vier Wochen ist Bundestagswahl. Das Jahr 2025 ist ein Jahr der Chancen. Und es kann sogar das Jahr der Elektromobilität in Deutschland werden.“

Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz sowie FDP-Chef Christian Lindner sprachen sich auf der Veranstaltung gegen Kaufprämien für Elektroautos aus. „Ob er ein Auto mit Elektroantrieb oder Verbrenner kauft, entscheidet der Verbraucher, nicht die Politik“, sagte Merz. Etwas differenzierter äußerte sich Lindner: „Eine Umweltprämie für Elektroautos kann ich Ihnen nicht versprechen“, so der FDP-Parteichef, der einmal mehr für Technologieoffenheit auf dem Weg zur klimaneutralen Mobilität plädiert. Er setzt auf klimaneutrale Kraftstoffe sowie Wasserstoff.

Quelle: ZDK – Pressemitteilung vom 29.01.2025 / Auto-Medienportal – Merz und Lindner gegen neue Umweltprämie

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Politik

Carsten Schneider: Don Quijote der Bundesregierung für die Energiewende?

Carsten Schneider: Don Quijote der Bundesregierung für die Energiewende?

Daniel Krenzer  —  

Umweltminister Schneider kämpft für die Energiewende, während die Wirtschaftsministerin auf die Bremse tritt. Nun steht die Weltklimakonferenz bevor.

Spritpreisdeckel ab 2027: Maßstab ist der EU-Durchschnitt

Spritpreisdeckel ab 2027: Maßstab ist der EU-Durchschnitt

Sebastian Henßler  —  

Ein Spritpreisdeckel soll nur greifen, wenn Benzin und Diesel drei Wochen in Folge um mehr als fünf Prozentpunkte stärker steigen als im EU-Durchschnitt.

Portugal will E-Autos für Geringverdiener bezuschussen

Portugal will E-Autos für Geringverdiener bezuschussen

Arun Niemann  —  

Portugal plant eine neue E-Auto-Förderung für einkommensschwache Haushalte. Für bis zu 20.000 Fahrzeuge sollen bis zu 80 Prozent der Kosten übernommen werden.

Jobpotenzial der Energiewende bleibt ungenutzt

Jobpotenzial der Energiewende bleibt ungenutzt

Michael Neißendorfer  —  

Die aktuellen Gesetzesvorhaben bei Photovoltaik, Windkraft und Wärmepumpen bremsen knapp 190.000 Jobs aus – und Investitionen in Milliardenhöhe.

Zürich macht 114.000 Stellplätze fit für Elektroautos

Zürich macht 114.000 Stellplätze fit für Elektroautos

Daniel Krenzer  —  

Im Kanton Zürich wurden mehr als 114.000 Stellplätze für das Laden von Elektroautos vorbereitet. 50 Millionen Franken Förderung machen es möglich.

Audi: Milliardenschwere US-Pläne stehen bereits auf der Kippe

Audi: Milliardenschwere US-Pläne stehen bereits auf der Kippe

Daniel Krenzer  —  

Audis milliardenschwere US-Pläne wackeln: Verbindliche Zusagen fehlen, und die Wahlkampfhilfe für Donald Trump sorgt für massive Kritik.

Verbrenner-Aus: Zwei EU-Ausschüsse stimmen für Lockerung

Verbrenner-Aus: Zwei EU-Ausschüsse stimmen für Lockerung

Arun Niemann  —  

In der EU nimmt die Lockerung der CO₂-Vorgaben für Neuwagen konkrete Formen an. Zwei Ausschüsse haben einen Kompromiss von EVP, S&D und Renew gebilligt.