Wirkkette Laden identifiziert Maßnahmen für bessere Ladeinfrastruktur

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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

Was verhindert zuverlässiges, reibungsloses Laden von Elektroautos? Die Beteiligten des Projekts „Wirkkette Laden“ haben die abschließenden Ergebnisse ihrer zweijährigen Zusammenarbeit präsentiert, wie sich mit eben jener Frage intensiv beschäftigt hat. In dem vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) geförderten Projekt, koordiniert durch die NOW GmbH und den Projektträger Jülich, hat das Konsortium systematisch analysiert, welche Fehler beim Laden von Elektroautos auftreten und wie die Fehlerquellen beseitigt werden können. Ziel war unter anderem, einen verbindlichen Maßnahmenkatalog für die beteiligten Marktteilnehmer zu definieren.

Neben dem Charging Interface Initiative (CharIN) e.V. als Konsortialführer waren die Universität Stuttgart, das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, der Hardware-Hersteller ABB, die Energieversorger Stromnetz Hamburg und EWE, der Autohersteller BMW, der Ladesoftware-Entwickler EcoG, der Ladedienstleister Digital Charging Solutions und der Schnellladeanbieter Ionity an dem Projekt beteiligt. Der Bund hat das Vorhaben im Rahmen der Förderrichtlinie Elektromobilität mit 1,1 Millionen Euro gefördert. Die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur unter dem Dach der NOW GmbH hat das Projekt inhaltlich unterstützt.

Auf Basis von Daten realer Ladevorgänge wurde ermittelt, welche Fehler und Fehlerursachen am häufigsten entlang der „Wirkkette Laden“ vorkommen. Dies wurde mit Erkenntnissen aus Reallabor-Versuchen mit Probandinnen und Probanden in München und Hamburg ergänzt. 61 Personen, die ein Elektroauto nutzen, dokumentierten sechs Monate lang ihre Ladevorgänge. Hierzu standen verschiedene Fahrzeugmodelle unterschiedlicher Hersteller und Ladestationen von 11 kW bis 350 kW Leistung bereit. Für die fehlerhaften Ladevorgänge, die an der Ladeinfrastruktur der Projektpartner stattfanden, wurde das Feedback der Studienteilnehmenden ausgewertet sowie die zugehörigen Datenaufzeichnungen der beteiligten Partner betrachtet. In 44 Prozent der Fälle wurde das technische Problem an der Ladestation verortet.

In einem weiteren Schritt analysierte das Konsortium die Qualität von Normen und Vorgaben, die die Schnittstellen des gesamten Ladevorgangs jeweils spezifizieren.

Ökosystem-Elektroauto-Laden-Schnittstellen
NOW GmbH

Die obige Grafik „Big Picture“ gibt eine Übersicht über das Ökosystem Laden. Es stellt die vielen Schnittstellen dar, die sich zwischen dem Aufsuchen einer Ladesäule via App über das Laden bis hin zum Bezahlvorgang zwischen Kunden, Geräteherstellern, Ladestationsbetreibern, Netzwirtschaft und Fahrstromanbietern ergeben. Fehler, die beim Laden entstehen, wurden nach Priorität und Dringlichkeit, was das Finden von Lösungen angeht, geordnet.

Mit den „12 Gestaltungsprämissen für öffentliche Ladestationen“ (hier als PDF) hat das Konsortium einen verbindlichen Maßnahmenkatalog für die beteiligten Marktteilnehmer definiert.

Die Maßnahmen leiten sich aus zwei nutzungszentrierten Untersuchungen ab und enthalten Empfehlungen unter anderem zur einheitlichen Verwendung des individuellen EVSE-Identifikationscodes, mit dem jede Station versehen ist, bzw. eines Teiles davon (EVSE steht für Electric Vehicle Supply Equipment).

„Laden muss nutzerfreundlich und einfach sein!“

Nur durch eine breite Akzeptanz der Elektromobilität innerhalb der Bevölkerung kann das 15-Millionen-Pkw-Ziel der Bundesregierung erreicht werden. Das Projekt ‚Wirkkette Laden‘ setzt an einer Schlüsselstelle der Elektromobilität an: dem Laden. Denn nur mit verlässlich funktionierenden und reibungslosen Ladevorgängen schaffen wir es, Hemmnisse in Bezug auf Elektromobilität abzubauen“, sagt Oliver Hoch, Bereichsleiter Batterie-Elektrische Mobilität und Ladeinfrastruktur der NOW GmbH. F&E-Projekte wie „Wirkkette Laden“ seien elementar wichtig, um systematisch Prozesse zu analysieren und Lösungen zu entwickeln, die zu marktfähigen Produkten werden.

Laden muss nutzerfreundlich und einfach sein!“, ergänzt Johannes Pallasch, Sprecher des Leitungsteams der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur. Eine entscheidende Stellschraube für mehr Nutzungsfreundlichkeit sei die Digitalisierung – so werden das Finden freier Ladestationen, der Ladevorgang selbst und das Bezahlen transparenter. „Ich freue mich daher über den erfolgreichen Abschluss unseres Gemeinschafts-Projekts ‚Wirkkette Laden‘ und die ‚12 Gestaltungsprämissen für öffentlich zugängliche Ladestationen‘“, so Pallasch weiter. Die Erkenntnisse der ‚Wirkkette Laden‘ bieten Unternehmen, die Ladeinfrastruktur betreiben, konkrete Lösungsansätze, um das Ladeerlebnis weiter zu verbessern. Sie sollen auch bei der Umsetzung des Masterplans Ladeinfrastruktur II berücksichtigt werden.

Claas Bracklo, Vorsitzender CharIN e.V., sagt, dass durch die sektorübergreifende gute Zusammenarbeit der Projektpartner die Schnittstellen des Ökosystems Laden definiert werden könnten. Mit der Weiterentwicklung der Lade-Use-Cases und den Anforderungen an eine ideale Ladestation seien die Grundlagen für eine kontinuierliche Verbesserung des Ladeerlebnisses geschaffen worden. „Jetzt gilt es, die spezifizierten Umfänge in den geeigneten Gremien zu vereinbaren und die identifizierten Handlungsfelder über Folgeprojekte adäquat zu adressieren“, so Bracklo.

Quelle: NOW – Pressemitteilung vom 20.01.2023

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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