Werkstattalltag mit E-Autos: Erfahrungen und Erkenntnisse

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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 4 min

Das Gateway to Automotive der Messe Frankfurt hat einen Blick hinter die Kulissen einer Werkstatt geworfen, die sich mit Elektroautos auseinandersetzt. Und ist hierbei mit Rui Costa einem erfahrenen Kfz-Mechanikermeister und Werkstattleiter bei Schmauder & Rau in Kirchheim nahe Stuttgart ins Gespräch gekommen. Costa teilt seine Erfahrungen und Erkenntnisse des Werkstattalltags mit E-Autos, die wir nachfolgend aufgreifen möchten.

In der freien Werkstatt mit Ford-Servicebetrieb betreut Costa speziell Elektroautos und sorgt dafür, dass sie sicher und effizient gewartet werden. „Man muss mit der Zeit gehen, auch wenn es mit viel Lernen und Schulungen verbunden ist“, erklärt der optimistische Schwabe. Er ist eine von zwei „Hochvoltkräften“ in der Werkstatt. Diese Mitarbeiter haben den „großen Hochvoltschein“ erworben, die umfassendste Schulung im Bereich der Hochvolttechnik. Sie tragen die Verantwortung, wenn an einem Elektroauto gearbeitet wird. „Man darf keine Angst vor der E-Mobilität haben, aber Respekt ist wichtig“, betont der Werkstattleiter. Der größte Unterschied zur Arbeit mit Verbrennern sei die Sensibilisierung der Mitarbeiter für die Lebensgefahr durch Hochvolttechnik.

Hochvolttechnik: Sicherheit geht vor

Die Arbeitsverordnung schreibt vor, dass Art, Zeitpunkt und Dauer der Tätigkeit genau dokumentiert werden. Wichtig ist auch, wie lange das Auto spannungsfrei gestellt wurde. Costa betont: „Man kann nicht einfach drauflosarbeiten. Es reicht nicht, den Stecker zu ziehen. Man muss selbst messen und sicherstellen, dass keine Spannung mehr vorhanden ist.“

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal von E-Autos ist ihr Gewicht. Große Modelle können durch ihre Batterien deutlich über zwei Tonnen wiegen. Werkstätten müssen daher ihre Ausstattung anpassen. „Wir haben neue Scherenhebebühnen angeschafft“, erzählt Costa. Die Bühne werde zudem abgesperrt und beschildert, um unbefugten Zugang zu verhindern.

Costa hat jahrelange Erfahrung mit E-Mobilität, insbesondere durch die Wartung der StreetScooter von Post und DHL. Diese Kleintransporter, entwickelt von Professoren in Aachen, sind für ihre Effizienz bekannt. „Die E-Scooter sind einfach gebaut, aber sie sind extremen Belastungen ausgesetzt“, erklärt Costa. Trotz häufiger Werkstattbesuche unterscheiden sie sich kaum von anderen Elektroautos. „Alle E-Autos sind vom Aufbau her ähnlich. Sie haben einen Elektromotor, ein Getriebe, Batterien und ein Kühlsystem.“

Die Kühl- und Wärmekreisläufe der Batterien sind besonders wichtig. Neben kostspieligen Schulungen erfordern sie viel Einarbeitung der Mitarbeiter. „Am Anfang sind wir ins kalte Wasser gesprungen, heute ist es besser“, sagt Costa. Ohne die Software und Werkstatthandbücher der Hersteller ist man aufgeschmissen. Verbände haben eine bessere Information und Einbindung der Werkstätten durchgesetzt. 

Wirtschaftliche Aspekte der E-Mobilität

In Deutschland waren Anfang 2024 etwa 1,4 Millionen E-Autos zugelassen. Diese schienen weniger Beschäftigung für Werkstätten zu bedeuten, da Elektroantriebe weniger reparaturanfällig sind. Ein Elektroantrieb besteht aus etwa 210 Teilen, während ein Verbrenner aus rund 1400 Teilen besteht, so der Gateway to Automotive in seinem Artikel.

Trotzdem gab es Bedenken in der Branche. Hohe Einstiegskosten und unsichere Refinanzierung waren große Themen. Christian Sahr vom AZT Allianz Zentrum für Technik betont, dass E-Autos ein wichtiger Bestandteil der Mobilitätswende sind. Um diese zu verbreiten, müssen die Unterhaltskosten sinken. Sahr fordert verbesserte Tauschkriterien und Diagnosemöglichkeiten für Hochvolt-Batterien sowie Aufklärung im Umgang mit beschädigten Elektroautos.

Die Reparaturkosten von E-Autos sind schwer zu prognostizieren. Laut einer Studie des Gesamtverbands der Versicherer (GDV) liegt die durchschnittliche Schadenhöhe im Vollkaskobereich bei Elektroautos bis zu 35 Prozent über der vergleichbarer Verbrenner. Die Schadenhäufigkeit ist jedoch um bis zu 15 Prozent geringer. GDV-Geschäftsführer Jörg Asmussen erklärt, dass ein Teil der höheren Reparaturkosten durch die niedrigere Schadenhäufigkeit ausgeglichen wird.

Technische Herausforderungen und Lösungen

Ein häufig genanntes Problem bei E-Autos sind Mängel an der Vorderachsaufhängung und den Bremsen. Der TÜV bestätigt diese Mängel, betont jedoch, dass die Ergebnisse je nach Modell unterschiedlich sind. Technische Innovationen der Hersteller wirken diesen Mängeln entgegen. Costa berichtet begeistert von One-Pedal-Systemen, die den Verschleiß der Bremsen quasi auf null Prozent reduzieren. Markus Thoben, E-Auto-Experte an der Fachhochschule Dortmund, hebt die Zuverlässigkeit des Elektroantriebs hervor. Allerdings bringen häufigere Fahrassistenzsysteme neue Fehlerquellen ins Auto. Halter müssen sich an Updates und Rückrufaktionen gewöhnen.

Costa bestätigt dies aus der Praxis: „Rückrufaktionen spielen eine große Rolle. Oft ist es nur ein Softwareupdate. Aber ich hätte nie gedacht, dass Elektrofahrzeuge so wenige Probleme machen würden.“ Chancen erkannt, wie der Gateway to Automotive passend zusammenfasst.

Quelle: messe frankfurt / Gateway to Automotive – „Ich bin dann mal in der Werkstatt“, sagt das E-Auto

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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