Regierung macht den Weg frei für E-Fuels

Regierung macht den Weg frei für E-Fuels
Copyright ©

Shutterstock/ 1704390262

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Synthetisch hergestellte Kraftstoffe, sogenannte E-Fuels, werden in Deutschland zugelassen. Das hat die in Deutschland regierende Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP am Dienstag bekanntgegeben. Vor allem den Liberalen sind die Treibstoffe, die analog zu Diesel oder Benzin in Verbrennermotoren eingesetzt werden können, ein wichtiges Anliegen. Die FDP droht sogar mit einem Veto, sollte die EU bei ihrem Verbrenner-Verbot in der aktuellen Form bleiben. Auch auf Drängen der FDP hin wurde der jüngste Beschluss des EU-Parlaments mit einem Prüfauftrag verknüpft, ob nicht zukünftig auch aus regenerativen Energien hergestellte E-Fuels in Fahrzeugen eingesetzt werden können – möglichst auch in neu zugelassenen.

„Wir brauchen jede technische Lösung, auch synthetische Kraftstoffe zur Erreichung der Klimaziele, zitiert Welt online Verkehrsminister Volker Wissing (FDP). FDP-Fraktionschef Christian Dürr sprach sich abermals für die vielzitierte „Technologieoffenheit“ aus und sprach von einer „Zeitenwende in der deutschen Verkehrspolitik“.

Wissing droht mit Veto

Bei Bild untermauerte Wissing indes die Forderung der FDP, dass trotz des „Verbrenner-Verbotes“ in der EU über 2035 hinaus Fahrzeuge mit konventionellen Motoren mit E-Fuels weiterbetrieben werden dürfen. „Vor dem Hintergrund der enormen Bestandsflotte an Pkw, die wir alleine in Deutschland haben, kann es für die FDP nur einen Kompromiss bei den Flottengrenzwerten geben, wenn auch der Einsatz von E-Fuels möglich wird“, wird Wissing zitiert. Anderenfalls droht der Bundesverkehrsminister mit einem Veto, die Bundesregierung könne bei anstehenden Abstimmungen den EU-Vorgaben dann nicht zustimmen.

Bislang war es in Deutschland nicht möglich, E-Fuels öffentlich zum Verkauf anzubieten. Dies ändert sich jetzt. Für die FDP-Abgeordneten Judith Skudelny und Michael Theurer ist dies laut Welt online ein „Großer Durchbruch“, der „hunderttausende Arbeitsplätze langfristig“ sichern könne. Der Verband der Automobilindustrie sieht dies ganz ähnlich.

Allerdings sind E-Fuels alles andere als unumstritten. Grünen-Umweltpolitiker Jan-Niclas Gesenhues bezeichnet E-Fueles als „Scheinlösung„, bei t-online.de sagte er, sie seien ineffizient und nicht in ausreichender Menge verfügbar. „E-Fuels sind Stromverschwender, E-Autos fahren mit der gleichen Menge Strom fünfmal so weit wie mit E-Fuels„, rechnet Greenpeace vor. Um E-Fuels herzustellen, werden große Mengen erneuerbare Energien benötigt. Befürworter setzen auf Lösungen in Nordafrika oder auf der arabischen Halbinsel, um aus Sonnen- und Windenergie ausreichende Mengen der synthetischen Treibstoffe herstellen zu können.

Dass die EU allerdings auf die Wünsche der FDP eingeht, gilt alles andere als abgemacht. „Bis heute kennen wir keine Vorschläge, sondern nur ablehnende Äußerungen von Kommissar Frans Timmermans“, gibt Wissing laut Tagesschau zu. Scheinen E-Fuels als Überbrückungslösung für den bestehenden Fuhrpark noch denkbar, ist eine Erlaubnis für Neuwagen mit Verbrennermotoren nach 2035, die mit E-Fuels fahren könnten, angesichts der bisherigen europäischen Linie wohl eher unwahrscheinlich.

Quellen: Welt online – Ampel einigt sich auf Zulassung synthetischer Kraftstoffe für Verbrenner / Tagesschau.de – Debatte über E-Fuels: Wissing droht mit Veto bei Verbrenner-Aus

worthy pixel img
Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in e Fuels: News & Informationen

Warum Biokraftstoffe kein Schlupfloch für Verbrenner sein dürfen

Warum Biokraftstoffe kein Schlupfloch für Verbrenner sein dürfen

Michael Neißendorfer  —  

Die Automobil- und Kraftstoffindustrie wollen mit Biokraftstoffen Verbrenner am Leben erhalten. Allerdings gibt es nicht genügend des Treibstoffs.

BMV fördert E-Fuel-Anlage in Leuna mit 157 Millionen Euro

BMV fördert E-Fuel-Anlage in Leuna mit 157 Millionen Euro

Michael Neißendorfer  —  

Die PtL-Forschungsanlage in Leuna soll ein Schlüsselstandort für den E-Fuel-Hochlauf werden und den Weg vom Labor in die Praxis ebnen.

Rheinmetall plant E-Fuel-Netzwerk mit Hunderten Anlagen

Rheinmetall plant E-Fuel-Netzwerk mit Hunderten Anlagen

Sebastian Henßler  —  

Europas Industrie bündelt Kräfte: Rheinmetall führt ein Konsortium an, das E-Fuels im industriellen Maßstab direkt in Europa produzieren will.

BMW füllt Verbrenner-Neuwagen ab 2028 mit E-Fuels

BMW füllt Verbrenner-Neuwagen ab 2028 mit E-Fuels

Daniel Krenzer  —  

BMW freut sich über E-Fuels in neuen Verbrennern als Erstbefüllung, der Lufthansa-Chef ist davon jedoch entsetzt.

E-Fuels erhöhen volkswirtschaftliche Belastung und Abhängigkeiten

E-Fuels erhöhen volkswirtschaftliche Belastung und Abhängigkeiten

Michael Neißendorfer  —  

Würden Autos E-Fuels tanken, würde ein Drittel der Pkw Deutschlands Volkswirtschaft so viel kosten, wie heute die gesamte Pkw-Flotte, so eine aktuelle Studie.

Studie zeigt: Klimaschutz mit HVO nicht möglich

Studie zeigt: Klimaschutz mit HVO nicht möglich

Daniel Krenzer  —  

Von wegen Alternative: Das Ifeu kommt zu dem Ergebnis, dass Bio-Kraftstoffe wie HVO teils sogar noch klimaschädlicher sind als Diesel und Benzin.

E-Fuels: Hoffnungsträger mit begrenztem Markt

E-Fuels: Hoffnungsträger mit begrenztem Markt

Sebastian Henßler  —  

Porsche testet in Patagonien E-Fuels aus Wind, Wasser und CO₂. Doch statt Millionen Litern fließen nur geringe Mengen – das Projekt steckt fest.