Wasserstoff: So stellt sich die Energiewirtschaft den Hochlauf vor

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Daniel Krenzer
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Der Hochlauf einer Wasserstoffwirtschaft und die Nutzung von erneuerbaren und dekarbonisierten Gasen als Transformations- und Wachstumstreiber nimmt weltweit Fahrt auf. „Auch in Deutschland müssen die Weichen für einen entschlossenen Wasserstoffhochlauf gestellt werden“, schreibt der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft in einer Pressemitteilung. Der BDEW hat hierzu nun ein „Diskussionspapier für ein Marktdesign für Wasserstoff“ vorgelegt. Es soll wesentliche Bausteine für die Entwicklung eines Marktes aufzeigen und umreißt vier Phasen des Wasserstoffhochlaufs, wie sie der Verband sich vorstellt.

„Für die Energiewende und aber auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland bietet der Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft enorme Chancen“, sagt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung. „Die kommenden Jahre werden in Deutschland und Europa entscheidend für die Frage sein, ob der Wasserstoffhochlauf im großen Stil gelingen und ob ein Umfeld für Innovationen und Investitionen geschaffen wird. Wir sollten deshalb eine europäischen Marktdesigndebatte führen – ähnlich wie bei Strom und Erdgas.“

Markthochlauf noch am Anfang

Das Zielbild für die Wasserstoffwirtschaft sollte aus Sicht des BDEW auf lange Sicht ein funktionierender Wettbewerbsmarkt sein. Langfristig würden so Investitionsentscheidungen aufgrund von transparenten Preissignalen und Absicherung gegenüber marktlichen Risiken für die Nachfrage- und Angebotsseite ermöglicht. Die Nachfrage nach Wasserstoff erfolge dann auf Basis wirtschaftlicher Entscheidungen und werde das Angebot weiter befördern.

„Aktuell befindet sich der Markthochlauf noch am Anfang: Die Technologien rund um Wasserstofferzeugung, -transport, -speicherung und -nutzung sind in großen Teilen verfügbar und technisch reif. Es fehlt bisher allerdings die Erprobung im Zusammenspiel der verschiedenen Wertschöpfungsstufen“, erklärt Kirsten Westphal, Mitglied der BDEW-Hauptgeschäftsführung. Dies liege auch daran, dass die langfristigen Marktaussichten bisher noch zu ungewiss und die finanziellen Risiken daher zu groß sind. „Privatwirtschaftliche Investitionen erfolgen noch nicht in ausreichendem Umfang. Für einen erfolgreichen Wasserstoffhochlauf brauchen wir Mut und Pragmatismus. Regulatorische Hürden sollten deshalb gering gehalten, Angebot und Nachfrage durch konsistente Förderinstrumente angereizt und ein verlässlicher Regulierungsrahmen, zum Beispiel für die zukünftige Wasserstoffinfrastruktur gesetzt werden.“

BDEW sieht vier Phasen

Zudem brauche es klare Regeln, Standards und Zertifizierungen für den Handel mit Wasserstoff und seinen Derivaten. Dazu gehöre auch ein EU-weites, transparentes und international anschlussfähigen Herkunftsnachweis- und Zertifizierungssystems. Der BDEW sieht demnach vier Phasen für die Entwicklung des Wasserstoffmarkts:

Während der Initialphase müssten wichtige Grundvoraussetzungen bis 2023/2024 geschaffen werden, um den Markthochlauf zeitnah zu initiieren. Zu diesem frühen Zeitpunkt einer Hochlaufkurve seien staatliche Unterstützung, regulatorische Flexibilität und ein glaubwürdiges Zielbild essenziell, um Anreize zu setzen, die Finanzierung zu ermöglichen, Risiken zu minimieren und Transparenz zu schaffen.

Dies sollte den Weg für die anschließende Aufbauphase ebnen. Die Aufbauphase dauere laut Definition des Papiers bis Anfang der 2030er Jahre, wenn das H2-Kernnetz und weitere Leitungen auf Fernleitungs- und Verteilnetzebene in Deutschland aufgebaut seien und die Übergangsregelungen aus dem europäischen Wasserstoff- und Gasmarkt-Dekarbonisierungspaket endeten. In der Aufbauphase würden erste internationale Lieferbeziehungen etabliert, Projekte ausgedehnt, die Wasserstoffnutzung in der Industrie angereizt und bedarfsgerecht Gasverteilnetze auf Wasserstoff umgestellt.

Immer günstigere Preise erwartet

Im Anschluss vollziehe sich in der Ausprägungsphase von circa 2032 bis 2035 immer mehr die Entwicklung hin zu einer durch überwiegend marktliche Mechanismen gesteuerten Wasserstoffwirtschaft. Bis etwa 2040 würden auch langfristig angelegte staatliche Fördermechanismen nach und nach auslaufen. Die Wasserstoff-Erzeugung werde nun durch die Nachfrageseite angereizt und durch Skalierung und Preissenkungen bei Erneuerbarem Strom immer kostengünstiger, der internationale Handel mit Wasserstoff wachse und der industrielle Mittelstand werde großflächig mit Wasserstoff versorgt. Das Wasserstoff-Kernnetz werde zum H2-Backbone weiterentwickelt und die europäische Einbindung des Netzes verstärkt.

Rund um das Jahr 2040 soll laut BDEW dann die Zielphase eines funktionierenden Wasserstoffmarkts erreicht sein. Dann würden Wasserstoff und seine Derivate in Deutschland, der EU und global in ausreichenden Mengen erzeugt und gehandelt, ein Markt für Wasserstoff (und seine Derivate) sei etabliert und ein virtueller Handelsplatz existiere. Zudem sei eine voll funktionsfähige Infrastruktur vorhanden und ein europaweites Wasserstoffnetz habe sich herausgebildet, das die notwendigen Transport- und Verteilungsaufgaben übernimmt.

Quelle: Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft – Pressemitteilung vom 04.07.2023

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Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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