Was Investor Frank Thelen zur deutschen Elektroauto-Strategie zu sagen hat

Was Investor Frank Thelen zur deutschen Elektroauto-Strategie zu sagen hat
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Frank Thelen

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

Frank Thelen ist einer der bekanntesten Tech-Investoren Deutschlands. Vor kurzem machte er mit kritischen Aussagen zur Zukunft der Autobranche auf sich aufmerksam. These: Die deutschen Hersteller haben keine Zukunft. In einem auf dem Unternehmensblog von Volkswagen veröffentlichten Interview spricht Thelen über den Wettbewerb mit Tesla, die Vorteile von Elektroautos und wie sich die deutschen Autohersteller besser für die Zukunft rüsten können. Das Gespräch ist Auftakt zu einer neuen Serie, in der der Hersteller mit weiteren unabhängigen Köpfen über die Zukunft der Mobilität diskutieren will.

Seine Kritik an der deutschen Autoindustrie komme „aus einer gewissen Frustration“, so Thelen. Er wünsche sich „ein starkes Europa mit starken Konzernen und erfolgreichen Hidden Champions.“ Allerdings sehe er „gerade in der Autobranche aber große Parallelen zum Niedergang der Fotoindustrie. Unternehmen wie Agfa, Kodak und Fujifilm hatten ihr stabiles Geschäft und haben dann die Digitalisierung verschlafen. Am Ende hatten sie das digitale Foto zu 100 Prozent verloren.“ Einen ähnlichen Niedergang befürchtet Thelen für die deutschen Autohersteller, sollten sie Zukunftstechnologien wie E-Mobilität oder Digitalisierung verschlafen.

Thelen gehe es dabei gar nicht um Milliarden-Beträge für Forschung und Entwicklung sowie Personal und die Werke, „sondern um First-Principle-Thinking, wie wir es von Elon Musk kennen“. Die Fragen hierbei müssten lauten: „Wer hat die beste und günstigste Batterie, den besten E-Antrieb, die meisten Daten, die leistungsfähigsten Chips, und wer hat eine Ladeinfrastruktur?“ Thelen vermisst beispielsweise „ein Batterieforschungsprojekt, in dem die deutsche Autoindustrie führend ist“.

Volkswagen entgegnet, dass es auch positive Beispiele gebe: Mit der US-Firma QuantumScape arbeite der Hersteller an der Großserienproduktion von Festkörperbatterien. Im vergangenen Jahr wurde in Salzgitter das Center of Excellence eröffnet, wo 300 Experten verbesserte Fertigungsverfahren für Lithium-Ionen-Akkus entwickeln. Und in wenigen Jahren soll ebenfalls in Salzgitter eine Gigafabrik mit der Produktion von Batteriezellen starten. „Das wäre ein super Schritt“, sagt Thelen. „Vorausgesetzt, dieses Excellence-Cluster zieht herausragende Talente an und ist mit dem nötigen Budget ausgestattet.

„Die Elektromobilität kommt“

Dass die Batteriefertigung ein Zulieferthema ist, wie Thelen es von einem deutschen Autohersteller gehört habe, sei „eine völlig falsche Denke“, da die Batterie bei einem Elektroauto „den größten Teil der Wertschöpfung“ ausmache. Tesla ist auch hier weiter, „die bauen ihre dritte Batteriefabrik“, so der Investor. Ähnlich sehe es bei den Chips für autonome Fahrfunktionen aus. „Auch da hat Tesla einen riesigen Vorsprung – selbst vor tollen Unternehmen wie Nvidia. Oder reden wir über Ladeinfrastruktur: Wann will die deutsche Autoindustrie etwas anbieten, das dem Super-Charger-Netzwerk von Tesla ebenbürtig ist?

Mit dem Gemeinschaftsunternehmen IONITY, mit dem mehrere deutsche Hersteller gerade ein Schnellladenetz mit 400 Ladeparks an den europäischen Autobahnen aufbauen, setze Volkswagen zwar „richtige Impulse“, findet Thelen. Fakt sei aber auch: „Ein amerikanisches Unternehmen ist zu uns gekommen und hat ein Ladenetz aufgebaut, mit dem ich problemlos durch Deutschland fahren kann. Wir dagegen hatten immer neue Gesprächsrunden, sogar im Kanzleramt. Passiert ist viel zu wenig. Ich hoffe, man kann nachvollziehen, dass mich das frustriert.“

Denn fest stehe: „Die Elektromobilität kommt.“ Man müsse sich fragen, was die entscheidenden Eigenschaften eines Elektroautos sein sollten: Für Thelen sind es „die Energiedichte, der Preis der Batterien, die Zahl der Ladezyklen, der E-Antrieb. Dabei schneiden viele deutsche Autos schlecht ab“, so sein Urteil.

„Mit Hyperloop können wir mehr Städte anbinden als mit dem Zug“

Thelens Vision von künftiger Mobilität hat aber nicht nur Automobile im Blick. Der Investor ist unter anderem am Hyperloop-Start-up Hardt beteiligt, das eine Art Reisekapsel mit bis zu 1000 km/h durch eine luftleere Röhre schießen will. Technisch machbar, aber bei Hyperloop sei „der Aufbau eines Streckennetzes die größte Herausforderung.“ Thelen wünscht sich deshalb 20 bis 30 Milliarden Euro an Bundesmitteln für ein Hyperloop-Netzwerk: „Damit können wir mehr Städte anbinden als mit dem Zug. Wir haben hier als Europa die Chance, die Hyperloop-Nation zu werden und die Technik weltweit zu exportieren.“

Bei allen Überlegungen zur Mobilität der Zukunft sei eine Sache entscheidend: „Wir müssen aufhören, fossile Brennstoffe zu verbrennen. Mit dem Öl-Zeitalter haben wir einen riesigen Fehler gemacht – den muss die Menschheit schnell korrigieren.

Quelle: Volkswagen — „Mit dem Öl-Zeitalter haben wir einen riesigen Fehler gemacht“

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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