Was bringen Wärmepumpen im Elektroauto?

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BMW

Wolfgang Gomoll
Wolfgang Gomoll
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Wärmepumpen entlasten die Batterien und vergrößern so die Reichweite eines Elektroautos um rund zehn Prozent. Allerdings hat auch diese Technik ihre Grenzen.

Wärmepumpen sind aktuell in aller Munde. Geht es nach dem Willen der Bundesregierung, sollen in Zukunft diese Geräte viel dazu beitragen, dass das Heizen von Gebäuden unabhängig von fossilen Energieträgern wie Erdgas oder Öl vonstattengeht. „Wärmepumpen können Umweltwärme sehr effizient für die Wärmeversorgung nutzbar machen. Wärmepumpen entziehen der Luft oder dem Erdreich Energie und setzen diese dann wieder für die Beheizung von Gebäuden ein“, heißt es in einer Verlautbarung der Exekutive. Was das Ganze mit Autos zu tun hat? Einiges. Denn auch bei Elektroautos helfen Wärmepumpen bei der Heizung und der Kühlung des Innenraums, entlasten die Akkus und vergrößern so die Reichweite.

Hyundai

Stromsparen ist gerade bei einem Elektroauto oberstes Gebot. Denn jeder Verbraucher, also Radio, beheizbare Heckscheibe, die Massagesitze oder auch der USB-Anschluss zum Laden des Smartphones saugen Energie aus den Akkus. Aktiviert man etwa den Zigarettenanzünder, sind es rund 0,18 Kilowattstunden pro 100 Kilometer extra und bei der Front- und Heckscheibenheizung sogar etwa 0,8 kWh/100 km.

Im Grunde funktioniert eine Wärmepumpe umgekehrt wie eine Klimaanlage oder ein Kühlschrank. Der entzieht dem Innenraum die Wärme und gibt sie an die Umgebung ab und bei der Wärmepumpe ist es eben entgegengesetzt. Bei Stromern wie dem VW ID.3 verdichtet der Kompressor das flüssige Kältemittel. So entsteht Wärme, die die entlangströmende kalte Luft erhitzt. Das Prinzip funktioniert bei geringen Temperaturen, aber auch im Sommer, um den Innenraum zu kühlen. Eine weitere Wärmequelle sind die Akkus selbst, die sich bei Betrieb erwärmen (kennt man vom Smartphone). Also hilft die Wärmepumpe auch beim Kühlen der Batterie, da deren Wärme ebenso zum Heizen des Innenraums genutzt wird. Abgesehen davon ist der Energieaufwandaufwand einer Wärmepumpe im Vergleich einer konventionellen elektrischen Heizung deutlich geringer, da oft nur der Kompressor der Wärmepumpe betrieben werden muss.

Volkswagen

In etwa bekommt man das Zwei- bis Dreifache an Wärmeleistung, was man an elektrischer investiert. Auf das Elektroauto umgerechnet sind das rund zehn Prozent an Stromersparnis; bei einer Reichweite von 400 Kilometern wären das rund 40 Kilometer extra. Allerdings beeinflussen einige Parameter diesen Wert, darunter die Außentemperatur, die Effizienz des Antriebsstrangs und die Anzahl der aktivierten Verbraucher. Die Vorteile der Wärmepumpe hat auch bei Mercedes zu einem Umdenken geführt. Nachdem man beim EQS bislang auf diese Technik mit dem Verweis auf den effizienten Antriebsstrang verzichtet hat, bekommen der Luxus-Stromer und der technisch eng verwandte EQE demnächst auch eine Wärmepumpe.

Diese Technik ist nicht ganz umsonst. Volkswagen lässt sich die Wärmepumpe auch nach der Modellpflege des ID.3 mit 990 Euro bezahlen. Ähnlich sieht es beim neuen ID Buzz aus. Beim Kia EV6 sind es ebenfalls rund 1000 Euro. Bei Fahrzeugen wie dem Tesla Model Y oder BMW i4 ist sie serienmäßig, aber schlussendlich auch nicht umsonst. Die Frage lautet nun, ob sich die Extrakosten lohnen oder ob man sein Geld eher beim Lieblingsitaliener in kulinarische Genüsse anlegen sollte. Der gesunde Menschenverstand wird beim Funktionsprinzip der Wärmepumpe sofort einen Haken finden. Woher soll denn bei deftigen Minusgraden die Wärme kommen? Also ist bei Minusgraden der Nutzen der Wärmepumpe gering.

Dieser Umstand veranlasste VW sogar dazu, den Aufpreis für die Wärmepumpe um knapp 300 Euro zu reduzieren und etwa 60.000 Kunden die Differenz zurückzuerstatten. Der ADAC stellt nüchtern fest: „Eine teure Wärmepumpe allein ist noch kein Garant für Effizienz, wie aktuelle Tests zeigen. Vielmehr muss das Heizungs-Gesamtpaket gut aufeinander abgestimmt sein.“

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Wolfgang Gomoll

Wolfgang Gomoll

Wolfgang Gomoll beschäftigt sich mit dem Thema Elektromobilität und Elektroautos und verfasst für press:inform spannende Einblicke aus der E-Szene. Auf Elektroauto-News.net teilt er diese mit uns. Teils exklusiv!

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Roland:

Natürlich hat die Lufttemperatur einen entscheidenden Einfluss auf den Wirkungsgrad einer Luft / Luft oder Luft / Wasser WP. Die Energie wird zuder Umgebungsluft entzogen. Zusätzlich gewinnt man noch einen Anteil wie richtig bemerkt aus den Verbrauchern des Fahrzeugs. Das hebt zwar den gesamten Wirkungsgrad um ein paar Prozent, trotzdem ist die Lufttemperatur das entscheidende für den Wirkungsgrad.

Roland:

Das ist nicht korrekt. Eine Wärmepumpe ist selbst bei -20 Grad immer noch effizienter als eine Wiederstandsheizung. 1:1 wäre auch da noch besser. Der Wirkungsgrad einer Wiederstandsheizung ist immer unter eins.

adson:

Im eGolf funktioniert die Wärmepumpe hingegen sehr gut – also hätte VW doch ausreichend Erfahrung haben müssen.

Marc:

Das ist Unsinn. Die Außentemperatur hat mit der Wärmepumpe in einem Elektroauto nichts zu tun. IdR nutzen diese Anlagen primär die Abwärme des Kühlwasserkreislaufs von Motor/Inverter/Ladegerät, um den Innenraum zu heizen. Bei einem Taxi mit und ohne Wärmepumpe wäre gerade bei Minustemperaturen der Unterschied immens, weil ohne Wärmepumpe permanent ein PTC-Element laufen müsste.

Marc:

Doch, das ist richtig. Die Softwaresteuerung mag anfangs nicht optimal gewesen sein. Aber im Grunde genommen war das eine außergewöhnlich kundenfreundliche und nette Lösung. Bei Tesla hätte man den Kunden so lange für dumm verkauft und gemauert bis man eine Softwarelösung hätte und wenn die dann nicht richtig funktioniert oder was anderes abschaltet, dann ist das eben so.

Robert:

„Dieser Umstand veranlasste VW sogar dazu, den Aufpreis für die Wärmepumpe um knapp 300 Euro zu reduzieren und etwa 60.000 Kunden die Differenz zurückzuerstatten.“
das ist so nicht richtig es ein bekannter You tuber der in einem test aufgezeigt hat das die Wärmepumpe im ID3 nicht richtig funktioniert der andere ID3 der keine wärmepumpe hatte während den nahezu gleichen Stromverbrauch hatte. die wärmepumpe im Kia E-niro hatte dagegen sehr gute werte erzielt daraufhin hat Volkswagen den Preis der WP geändert und den Kunden als Entschädigung diese 300 Euro zurückgegeben

Marc:

Ich fürchte, hier sind Aufbau und Funktion der Wärmepumpe nicht vollständig verstanden worden. Die Wärmepumpe kühlt keinesfalls im Sommer irgendetwas. Denn die Wärmepumpe ist kein Aggregat, sondern lediglich eine mechanische und elektrische Zusatzschaltung für den Klimaanlagenkompressor.

Wenn sie kühlt, ist sie also in ihrer Hauptfunktion als Klimaanlage tätig, frisst Strom und produziert Abwärme. Als Wärmepumpenfunktion nutzt die Anlage zuerst die Abwärme von Motor und Leistungselektronik über deren Kühlwasserkreislauf, denn dieser kleine Kreislauf kommt eher auf Temperatur. Damit heizt sie nach Bedarf erst Innenraum, dann den Akku.

Im Sommer ist die Wärmepumpenfunktion selten hilfreich. Der Kühlwasserkreislauf des Akkus wird im Sommer in jedem Fall als Wärmespeicher genutzt bevor man die Abwärme von Motor und Elektronik teuer kühlt. Daher braucht man bei der Urlaubsfahrt im Sommer praktisch nie den Akku zu konditionieren. Er hat in guten Systemen nach 200 km sowieso knapp über 30°C. Ob man will oder nicht.

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