Ein Werk – sechs Modelle: So baut Zwickau E-Autos

Ein Werk – sechs Modelle: So baut Zwickau E-Autos
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Seit wenigen Tagen läuft am Volkswagen Standort Zwickau der vollelektrische ID.5 vom Band – es ist das sechste E-Modell aus dem sächsischen Fahrzeugwerk. Eine Fabrik, sechs Autos: Das ist eine außergewöhnliche Herausforderung. Die Experten Robert Pahlow (Anlaufmanagement) und Frank Schemmel (Fahrzeugfertigung) erklären, wie das funktioniert.

1. Gleiche Montagekonzepte

Zwickau fertigt so unterschiedliche Modelle wie den kompakten ID.3 von Volkswagen oder den Q4 e-tron, ein SUV aus dem Hause Audi. Bei den inneren Werten teilen die Fahrzeuge allerdings viele Gemeinsamkeiten. Beispiel Stoßfänger: Das Design ist unterschiedlich, doch Schrauben, Werkzeuge und Handgriffe stimmen überein. Mehr als 120 Fälle von „Konzeptgleichheit“ zählt Robert Pahlow. Auch bei der Software sind die Modelle aus Zwickau eng verwandt. Möglich wird das durch die gemeinsame technische Basis – den Modularen E-Antriebsbaukasten (MEB). Die speziell für den Elektroantrieb entwickelte Fahrzeugarchitektur von Volkswagen bietet gute Reichweiten, viel Platz im Innenraum und eine hohe Performance.

2. Flexibler Wechsel

Die Produktion ist sehr variabel: Mit verschiedenen Mitteln wie beispielsweise einer speziellen Kennziffer („PR-Nummer“) werden die unterschiedlichen Modelle so zielgerichtet in die jeweilige Fertigungslinie gesteuert, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jederzeit wissen, welche Teile sie zu verbauen haben. Um die hohe Nachfrage nach Elektroautos zu bedienen, sind zwei Fertigungslinien in Betrieb – eine für ID.3 und Cupra Born, die andere für ID.5, Q4 e-tron und Q4 Sportback e-tron. Der ID.4 kann auf beiden Linien gebaut werden – je nach Bedarf. Insgesamt hat das Volkswagen Werk binnen zwei Jahren sechs Modellanläufe für drei Marken des Konzerns gestemmt.

3. Weniger Varianten

Volkswagen verzichtet auf entbehrliche Abweichungen bei weiterhin hoher Auswahl für Kundinnen und Kunden. Ein Beispiel ist der Karosseriebau. Während das Werk Zwickau für frühere Golf Modelle mehr als 100 Karosserieversionen baute, sind es bei aktuellen Elektromodellen oft nur zwei Varianten. Der Vorteil: Die Produktion wird effizienter, die Kosten sinken.

4. Frisches Wissen

Volkswagen hat 1,2 Milliarden Euro investiert, um Zwickau als erstes großes Fahrzeugwerk komplett für die Fertigung von Elektroautos umzubauen. Eine zentrale Rolle spielte die Schulung aller 9000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Zwickauer Belegschaft hat mehr als 20.000 Trainingstage für die E-Mobilität absolviert – allein 1500 Beschäftigte haben den sogenannten Hochvoltführerschein erworben.

5. Noch mehr Stolz

Schon früher kamen aus Zwickau starke Autos wie Golf und Passat – doch mit der E-Mobilität ist der Standort zum Vorreiter geworden. „Seit dem Anlauf der E-Modelle spielt Zwickau in der Champions League des Fahrzeugbaus. Das ist etwas, womit sich viele identifizieren“, sagt Frank Schemmel. Die Extraportion Stolz zeige sich in hoher Qualität und hohem Einsatz, so VW in einer aktuellen Mitteilung.

6. Starkes Team

Im Zwickauer Mehrmarkenwerk arbeitet nicht nur die Stammbelegschaft – Teams von Volkswagen, Audi und Cupra unterstützen sie. Jeweils mehr als 100 Fachleute halfen bei den Modell-Starts, darunter Experten für Produktion, Entwicklung, Beschaffung und Qualitätssicherung. Auch nach den Fahrzeuganläufen sind Volkswagen Experten aus anderen Werken sowie Audi und Cupra mit eigenen Fachleuten am Standort Zwickau vertreten. Robert Pahlow: „Das ist ein wichtiger Vorteil, weil wir viele Fragen in kurzer Zeit klären können.

Quelle: Volkswagen – Pressemitteilung vom 27.01.2022

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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