VW-Technikchef: Deutschland braucht mehr Reformtempo

VW-Technikchef: Deutschland braucht mehr Reformtempo
Copyright:

Volkswagen | Thomas Schmall, Technikvorstand bei Volkswagen

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 2 min

Thomas Schmall, Technikvorstand bei Volkswagen, drängt auf ein höheres Reformtempo in Deutschland. Technologisch sei das Land keineswegs abgehängt – doch wirtschaftlich drohe es den Anschluss zu verlieren, wenn sich die Rahmenbedingungen nicht schnell ändern. Das sagte Schmall im Vorfeld der Hannover Messe im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Die Messe, die am Montag begann und von Bundeskanzler Friedrich Merz am Sonntagabend eröffnet wurde, sah Schmall als Gelegenheit, Politiker:innen direkt anzusprechen. Neben Merz waren auch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, Forschungsministerin Dorothee Bär und Digitalminister Karsten Wildberger vor Ort. „Die Hannover Messe zeigt: Wir können Technologie“, sagt Schmall – und verweist auf die erste eigene Batteriezelle, die VW in Salzgitter innerhalb von drei Jahren entwickelt hat. Diese ist auch am Messestand des Konzerns zu sehen. „Das ist der Beweis, dass wir Spitzentechnologie in kürzester Zeit können.“

Die entscheidende Frage, die Schmall stellt, lautet jedoch: „Können wir das in Deutschland künftig noch wettbewerbsfähig herstellen bei den Kostenstrukturen und Rahmenbedingungen?“ Hohe Energiepreise und ausufernde Bürokratie hätten den Innovations- und Wachstumsmotor ins Stottern gebracht.

Zu viel Bürokratie bremst Innovationen aus

Besonders die Regulierungsdichte bereitet dem VW-Manager Sorgen. Deutschland weise im Vergleich zu anderen westeuropäischen Ländern 60 bis 70 Prozent mehr Regulierungen auf. Als konkretes Beispiel nennt Schmall den Aufbau der Batteriefertigung in Salzgitter: Dort seien Brandschutzanlagen vorgeschrieben worden, „die es weltweit gar nicht gibt“. Sein Urteil fällt deutlich aus: „Ich glaube, da überziehen wir deutlich.“

Um gegenzusteuern, brauche es eine gemeinsame Anstrengung von Politik und Wirtschaft. „Wenn wir auch künftig Spitzentechnologie in Deutschland industrialisieren wollen, dann müssen Politik und Wirtschaft jetzt gemeinsam ein ‚Made-in-Europe‘-Reformprogramm hinkriegen“, so Schmall. Ohne diesen Schritt werde es „vermutlich sehr schwer, das Land wieder auf Wachstumskurs zu bringen.“ Dabei sieht er beide Seiten in der Pflicht – die Unternehmen ebenso wie die Politik. Was fehle, sei vor allem Geschwindigkeit. „Wir müssen die Handbremse lösen und wieder Geschwindigkeit aufnehmen“, fordert er. „Die Transformationsgeschwindigkeit, wie wir sie im Moment haben, wird nicht ausreichen.“

Den eigenen Konzern sieht er auf diesem Weg inzwischen gut aufgestellt. Volkswagen habe sich bereits stark verändert, die Effizienzprogramme der vergangenen Jahre hätten das Unternehmen „robuster, handlungsfähiger und besser aufgestellt“ gemacht. Bei den Schlüsseltechnologien der Elektromobilität sei VW „gut unterwegs“. Das Bekenntnis zum Standort Deutschland bleibe dabei unverändert: „Wir stehen als Volkswagen für Wertschöpfung in Deutschland. Wir wollen hier weiter industrialisieren. Aber dafür müssen wir jetzt die Bedingungen schaffen, um es auch wirtschaftlich darstellen zu können.“

Quelle: Vision Mobility – VW-Technikchef Schmall: Brauchen mehr Reformtempo bei Digitalisierung und E-Mobilität

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Volkswagen (VW) Elektroautos

VW: Wolfsburg bald nicht mehr Zentrum der Entwicklung?

VW: Wolfsburg bald nicht mehr Zentrum der Entwicklung?

Daniel Krenzer  —  

Volkswagen will China-Technologie weltweit einsetzen. Was bedeutet die Vega-Strategie für Europa, Wolfsburg und die künftige Fahrzeugentwicklung?

Jeder dritte Škoda in Europa fährt elektrisch

Jeder dritte Škoda in Europa fährt elektrisch

Maria Glaser  —  

Die Auslieferungen verzeichneten in den ersten neun Monaten des Jahres 2026 ein Wachstum um 6,1 Prozent mit einem signifikanten Anteil von E-Autos in Europa.

VW ID. Polo ist German Car of the Year 2027

VW ID. Polo ist German Car of the Year 2027

Sebastian Henßler  —  

Neben dem VW ID. Polo gewinnen Kia PV5, Mercedes-Benz GLC, Xpeng X9 und Hyundai Ioniq 6 N ihre Klassen. Den Gesamttitel holt jedoch der elektrische Kleinwagen.

So holt der Audi A2 e-tron mehr Effizienz aus dem Antrieb

So holt der Audi A2 e-tron mehr Effizienz aus dem Antrieb

Sebastian Henßler  —  

Der Audi A2 e-tron kommt im WLTP auf 12,8 kWh je 100 Kilometer. Möglich machen das Siliziumkarbid-Halbleiter, dünnere Rotorbleche und ein optimiertes Getriebe.

VW könnte China-Modelle künftig in der Türkei montieren

VW könnte China-Modelle künftig in der Türkei montieren

Daniel Krenzer  —  

Volkswagen prüft die Montage chinesischer Modelle in der Türkei. Fahrzeugbausätze aus China könnten dort künftig zusammengesetzt werden.

Kostenziele verfehlt: VW stoppt Vorarbeiten am ID. Golf

Kostenziele verfehlt: VW stoppt Vorarbeiten am ID. Golf

Sebastian Henßler  —  

Volkswagen setzt die Entwicklungsvorleistungen für den ID. Golf in Wolfsburg vorerst aus. Das Stammwerk hat Kostenziele von 300 Millionen Euro verfehlt.

Volkswagen testet fahrerlose Fahrzeuglogistik im Hafen Emden

Volkswagen testet fahrerlose Fahrzeuglogistik im Hafen Emden

Daniel Krenzer  —  

VW erprobt mit Telekom und Partnern automatisierte Fahrzeugtransporte im Hafen Emden. Auch das fahrerlose Verladen auf Züge wurde getestet.