Thomas Schmall, Technikvorstand bei Volkswagen, drängt auf ein höheres Reformtempo in Deutschland. Technologisch sei das Land keineswegs abgehängt – doch wirtschaftlich drohe es den Anschluss zu verlieren, wenn sich die Rahmenbedingungen nicht schnell ändern. Das sagte Schmall im Vorfeld der Hannover Messe im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.
Die Messe, die am Montag begann und von Bundeskanzler Friedrich Merz am Sonntagabend eröffnet wurde, sah Schmall als Gelegenheit, Politiker:innen direkt anzusprechen. Neben Merz waren auch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, Forschungsministerin Dorothee Bär und Digitalminister Karsten Wildberger vor Ort. „Die Hannover Messe zeigt: Wir können Technologie“, sagt Schmall – und verweist auf die erste eigene Batteriezelle, die VW in Salzgitter innerhalb von drei Jahren entwickelt hat. Diese ist auch am Messestand des Konzerns zu sehen. „Das ist der Beweis, dass wir Spitzentechnologie in kürzester Zeit können.“
Die entscheidende Frage, die Schmall stellt, lautet jedoch: „Können wir das in Deutschland künftig noch wettbewerbsfähig herstellen bei den Kostenstrukturen und Rahmenbedingungen?“ Hohe Energiepreise und ausufernde Bürokratie hätten den Innovations- und Wachstumsmotor ins Stottern gebracht.
Zu viel Bürokratie bremst Innovationen aus
Besonders die Regulierungsdichte bereitet dem VW-Manager Sorgen. Deutschland weise im Vergleich zu anderen westeuropäischen Ländern 60 bis 70 Prozent mehr Regulierungen auf. Als konkretes Beispiel nennt Schmall den Aufbau der Batteriefertigung in Salzgitter: Dort seien Brandschutzanlagen vorgeschrieben worden, „die es weltweit gar nicht gibt“. Sein Urteil fällt deutlich aus: „Ich glaube, da überziehen wir deutlich.“
Um gegenzusteuern, brauche es eine gemeinsame Anstrengung von Politik und Wirtschaft. „Wenn wir auch künftig Spitzentechnologie in Deutschland industrialisieren wollen, dann müssen Politik und Wirtschaft jetzt gemeinsam ein ‚Made-in-Europe‘-Reformprogramm hinkriegen“, so Schmall. Ohne diesen Schritt werde es „vermutlich sehr schwer, das Land wieder auf Wachstumskurs zu bringen.“ Dabei sieht er beide Seiten in der Pflicht – die Unternehmen ebenso wie die Politik. Was fehle, sei vor allem Geschwindigkeit. „Wir müssen die Handbremse lösen und wieder Geschwindigkeit aufnehmen“, fordert er. „Die Transformationsgeschwindigkeit, wie wir sie im Moment haben, wird nicht ausreichen.“
Den eigenen Konzern sieht er auf diesem Weg inzwischen gut aufgestellt. Volkswagen habe sich bereits stark verändert, die Effizienzprogramme der vergangenen Jahre hätten das Unternehmen „robuster, handlungsfähiger und besser aufgestellt“ gemacht. Bei den Schlüsseltechnologien der Elektromobilität sei VW „gut unterwegs“. Das Bekenntnis zum Standort Deutschland bleibe dabei unverändert: „Wir stehen als Volkswagen für Wertschöpfung in Deutschland. Wir wollen hier weiter industrialisieren. Aber dafür müssen wir jetzt die Bedingungen schaffen, um es auch wirtschaftlich darstellen zu können.“
Quelle: Vision Mobility – VW-Technikchef Schmall: Brauchen mehr Reformtempo bei Digitalisierung und E-Mobilität








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