Der Einkauf bei Automobilherstellern war lange eine Domäne harter Verhandlungsführung: Preisdruck, Kostenziele, Volumenbündelung. Doch der technologische Wandel verändert die Rolle der Beschaffung fundamental. Karsten Schnake, Vorstand Beschaffung bei VW-Pkw und Mitglied der erweiterten Konzernleitung, hat diesen Wandel beim Volkswagen-Konzern in den vergangenen Jahren aktiv vorangetrieben – und auf der Automobilwoche Konferenz beschrieben, wie sich das Selbstverständnis einer ganzen Funktion neu definiert.
Chipkrise, unterbrochene Lieferketten, Zollturbulenzen: Die Herausforderungen, mit denen Einkäufer:innen in der Automobilbranche konfrontiert sind, haben in den vergangenen Jahren an Komplexität zugenommen. Gleichzeitig beschleunigt sich der technologische Wandel; und damit die Abhängigkeit der Hersteller von externen Partnern. „Beschaffung ist ein Bindeglied“, so Schnake. „Es geht darum, die richtigen Partner zum richtigen Zeitpunkt zusammenzuführen und sie durch alle organisatorischen Hürden einer traditionellen Organisation durchzuführen.“ Klassische Preisverhandlungen greifen dabei nicht mehr.
Die Zahlen verdeutlichen den Umfang dieser Partnerschaftsstrategie. VW arbeitet mit mehr als 550 relevanten Partnern im Halbleiterbereich, über 450 globalen Partnern im Softwareumfeld, mehr als 350 relevanten Partnern bei Batterietechnologie und Antriebsstrang sowie mehr als 30 Partnern im Bereich Konnektivität. Wo früher Material und Ingenieurwesen im Mittelpunkt der Wertschöpfung standen, ist es heute in weiten Teilen die Technologie.
Kulturwandel statt Kostenfokus
Schnake beschreibt die Transformation der Beschaffung mit einem klaren Begriff: vom kostenorientierten Optimierer zum multifunktionalen Konnektierer. Das erfordere nicht nur neue Strukturen, sondern auch einen anderen Umgang mit Partnern und ein anderes Selbstverständnis nach innen. Statt über Kosten zu verhandeln, gehe es darum, gemeinsam Business Cases zu entwickeln. „Einer muss die Hand ausstrecken und sagen, wir machen das zusammen“, so der VW-Vorstand. Preisverhandlungen seien deshalb nicht obsolet, die Verantwortung gegenüber den Endkund:innen bleibe bestehen – doch der Rahmen, in dem sie stattfinden, habe sich verschoben.
Dieser Wandel ist auch intern kein reibungsloser Prozess. „Wir haben in der Vergangenheit nicht immer die Hand ausgestreckt“, räumte Schnake ein. Vor etwa vier Jahren habe er begonnen, das Thema systematisch anzugehen – ein Vorhaben, das nicht überall auf Zustimmung gestoßen sei. „Alle müssen da durch, man darf nicht nachlassen“, betonte er. Rund 7000 Mitarbeiter:innen in der VW-Beschaffung werden demnach darauf ausgerichtet, die Zusammenarbeit mit externen Partnern aktiv zu gestalten und diese in die eigene Organisation zu integrieren.
Der Schritt hin zu einem stärker partnerschaftlich ausgerichteten Einkauf sei nach schwierigen Phasen nun in „die richtigen Richtungen“ unterwegs, so Schnake. Gefragt seien dabei weniger klassische Verhandlungsführer als vielmehr, wie er es formulierte, „Brückenbauer und Diplomaten“ – Menschen, die Geschäftspartner an die eigene Organisation heranführen und mit internen Stellen verknüpfen können. Schnake zeigte sich zuversichtlich: „Wir werden mit diesen Partnern in der Zukunft Großes sehen.“
Quelle: Automobilwoche – VW-Beschaffungsvorstand Schnake: „Es braucht Brückenbauer und Diplomaten“








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