Volvo gründet Geschäftsbereich für Energiedienstleistungen und V2G

Volvo gründet Geschäftsbereich für Energiedienstleistungen und V2G
Copyright:

Volvo

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Gesellschaft verfolgt der Autohersteller Volvo einen ganzheitlichen Ansatz: Unter dem Dach des neu gegründeten Geschäftsbereiches „Volvo Cars Energy Solutions“ bieten die Schweden verschiedene Technik-Lösungen und Dienstleistungen, die nicht nur das Aufladen von Elektroautos, sondern auch die Energiespeicherung vereinfachen sollen. Damit will das Unternehmen den Übergang zu einem intelligenteren, nachhaltigeren und effizienteren Energienetz unterstützen.

Durch bidirektionales Laden beispielsweise lässt sich die in den Batterien von Elektroautos gespeicherte Energie zurück ins heimische bzw. öffentliche Stromnetz speisen. Dadurch können Spitzenlasten ausgeglichen und der Strombedarf aus fossilen Quellen verringert werden, auch Kosteneinsparungen sind möglich. Der neue Volvo EX90 ist das erste Modell der schwedisch-chinesischen Automarke, das über die erforderliche Hard- und Software verfügt, die sukzessive ergänzt und aktualisiert wird. Dadurch kann das große Elektro-SUV nicht nur bidirektional laden, sondern auch direkt Sonnenenergie speichern.

Gemeinsam mit Göteborg Energi, dem lokalen Energienetzbetreiber in der Heimatstadt von Volvo, starten die beiden Unternehmen nun eines der ersten Vehicle-to-Grid (V2G) Pilotprogramme Schwedens. Im Zuge dessen werde die V2G-Technik in das lokale Energienetz und in die häusliche Umgebung eingebunden und von realen Kunden getestet. Hierbei werde eine Wallbox mit Wechselstrom (AC) verwendet, um die Alltagstauglichkeit zu unterstreichen und die technische Einführung zu beschleunigen.

Das Pilotprojekt ziele nicht nur darauf ab, die Akzeptanz von Netzbetreibern zu fördern und ihnen die Vorteile von V2G aufzuzeigen, sondern fungiere auch als ein Testlabor außerhalb der unternehmenseigenen Forschungs- und Entwicklungszentren, um neue Zukunftstechnik zu erproben.

„Mit bidirektionalem Laden lässt sich die Hochvoltbatterie im E-Auto als zusätzliche Energiequelle nutzen, um den eigenen Haushalt, andere elektrische Geräte oder ein weiteres Elektrofahrzeug mit Strom zu versorgen“, sagt Alexander Petrofski als neuer Leiter von Volvo Cars Energy Solutions. „Der nächste Schritt wäre, diese Funktion in ganz Schweden einzuführen, um den Weg für eine noch breitere Akzeptanz ähnlicher Lade- und Energiespeicherdienste in ganz Europa zu ebnen.“

Ausreichend ungenutzte Batteriekapazität

Auf dem Weg zum Automobilhersteller von rein elektrischen Fahrzeugen bis zum Jahr 2030 will Volvo in den kommenden Jahren Millionen Elektroautos auf die Straße bringen. Eine solche Flotte verfügt internen Berechnungen zufolge bis Mitte des Jahrzehnts über eine kumulierte Batteriekapazität von rund 50 Gigawattstunden (GWh). Obwohl die Fahrzeuge auch jährlich mehrere Terrawattstunden (TWh) Strom verbrauchen, lässt sich dieser Energiebedarf durch intelligentes Laden flexibel steuern.

An einem durchschnittlichen Einsatztag in Europa verbraucht ein Elektroauto weniger als 10 kWh Strom. 90 Prozent aller täglichen Fahrten sind kürzer als 100 Kilometer kommen mit nicht mehr als 20 kWh aus. Dadurch bleibt genügend Batteriekapazität übrig, die sich für andere Zwecke nutzen lässt. Bei Verwendung regenerativer Energiequellen wird nicht nur das Klima entlastet. Durch V2G ergeben sich auch finanzielle Vorteile für Kunden, wenn sie die im E-Auto gespeicherte Energie bei hoher Nachfrage (und entsprechender Vergütung) zurück ins Netz speisen.

„Mit Hilfe von Smart Charging lässt sich der vollelektrische Volvo mit Blick auf Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit zum jeweils günstigsten Zeitpunkt aufladen“, sagt Petrofski. „Die Energie lässt sich zu einem späteren Zeitpunkt nutzen, wenn die Preise höher sind und der Energiemix weniger nachhaltig ist. Durch den Aufbau eines intelligenten Energie-Ökosystems rund um das Fahrzeug und dessen Batterie können Kunden Geld sparen und ihre CO2-Emissionen reduzieren. Und Energieunternehmen profitieren von geringeren Netzinvestitionen und einer geringeren Umweltbelastung.“

V2G ist nur eine der Technologien, die Volvo Cars Energy Solutions als Teil eines ganzheitlichen Ökosystems anbieten will. Ergänzt werde das Angebot unter anderem durch Vehicle-to-Home (V2H), wodurch Energie ins Haus zurückgespeist und die eigene Stromrechnung gesenkt wird, sowie Vehicle-to-Load (V2L); die Hochvoltbatterie des Elektroautos versorgt dabei andere externe Verbraucher wie ein E-Bike, Werkzeuge oder die Kühlbox mit Energie.

Das Unternehmen rechnet damit, dass Volvo Cars Energy Solutions im Laufe der Zeit beträchtliche neue Umsätze mit energiebezogenen Produkten und Dienstleistungen sowie mit neuen, bisher von Volvo Cars nicht angebotenen Produkten generieren wird. So stärke der neue Unternehmenszweig das Kerngeschäft des Autoherstellers und biete Kunden einen zusätzlichen Mehrwert.

Quelle: Volvo – Pressemitteilung vom 02.11.2023

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektroauto laden

Depotcharge: Wie Speditionen ihr eigenes Ladenetz aufbauen

Depotcharge: Wie Speditionen ihr eigenes Ladenetz aufbauen

Sebastian Henßler  —  

Depotcharge macht freie Ladepunkte in Lkw-Depots für andere nutzbar. Gründer Julius Wilhelm erklärt, wie das Netzwerk aus rund 250 Standorten funktioniert.

BYD und Eon starten smartes Laden mit Bonus

BYD und Eon starten smartes Laden mit Bonus

Daniel Krenzer  —  

BYD und Eon starten in Deutschland ein gemeinsames Angebot für intelligentes Laden. E-Auto-Fahrer sollen damit Geld sparen können.

Bundesnetzagentur korrigiert Smart-Meter-Zahlen von 2025

Bundesnetzagentur korrigiert Smart-Meter-Zahlen von 2025

Sebastian Henßler  —  

Die Zahlen zum 31. Dezember 2025 waren wegen Mehrfachzählungen fehlerhaft und wurden korrigiert. Die Quoten der laufenden Aufsichtsverfahren bleiben unberührt.

Autoindustrie warnt: Neue Regeln könnten Bidi-Laden ausbremsen

Autoindustrie warnt: Neue Regeln könnten Bidi-Laden ausbremsen

Daniel Krenzer  —  

Auto- und Energiewirtschaft kritisieren die geplanten MiSpeL-Regeln der Bundesnetzagentur. Zusätzliche Zähler und Vorgaben könnten demnach V2G ausbremsen.

Ladepark Zusmarshausen: Warum das E-Auto überzeugt

Ladepark Zusmarshausen: Warum das E-Auto überzeugt

Daniel Krenzer  —  

Der Ladepark Zusmarshausen bietet 76 Ladepunkte, Gastronomie und weitere Angebote. Nutzer berichten von Vorteilen, aber auch Verbesserungsbedarf.

Cubos übernimmt Scapo: Ladenetz wächst auf 16.000 Punkte

Cubos übernimmt Scapo: Ladenetz wächst auf 16.000 Punkte

Sebastian Henßler  —  

Cubos übernimmt den Mainzer Ladeinfrastruktur-Anbieter Scapo und baut sein Ladepunkt-Portfolio auf über 16.000 Standorte deutschlandweit aus.

Porsche startet induktives Laden mit dem Cayenne Electric

Porsche startet induktives Laden mit dem Cayenne Electric

Sebastian Henßler  —  

Porsche stattet den Cayenne Electric erstmals mit induktivem Laden aus: Bis zu 11 kW werden kabellos übertragen, der Wirkungsgrad liegt bei rund 90 Prozent.