Softwaredefinierte Fahrzeuge: Volkswagen und Qualcomm vertiefen Partnerschaft

Softwaredefinierte Fahrzeuge: Volkswagen und Qualcomm vertiefen Partnerschaft
Copyright:

shutterstock / 2587307223

Tobias Stahl
Tobias Stahl
  —  Lesedauer 3 min

Volkswagen und der US-amerikanische Halbleiterhersteller Qualcomm haben eine Absichtserklärung über ein langfristiges Lieferabkommen unterzeichnet. Das gaben die beiden Unternehmen anlässlich der Elektronikmesse CES in Las Vegas bekannt. Gegenstand der Erklärung sind System-on-Chips (SoCs) von Qualcomm. Gemeinsam mit der „Snapdragon Digital Chassis-Technologie“ des US-Unternehmens sollen die Chips zentrale Funktionen in den Fahrzeugen des Konzerns bedienen.

Qualcomm will die System-on-Chips ab 2027 an Volkswagen liefern. Damit würde der Halbleiterhersteller die technologische Basis für die Fahrzeuge stellen und ein zentraler Partner für die Einführung von Volkswagens „Software-defined Vehicle“-Architektur (SDV) sein. Der Wolfsburger Konzern will die Chips neben dem Infotainment auch für Konnektivitäts-Funktionen und automatisiertes Fahren einsetzen.

Volkswagen entwickelt seine SDV-Architektur gemeinsam mit dem E-Autobauer Rivian. Ziel ist es, sämtliche Fahrzeugfunktionen über modulare Zentralrechner zu steuern – die Wolfsburger wollen so neue Fahrzeugfunktionen implementieren, die im Rahmen kurzer Updatezyklen erweitert werden können. Volkswagen verspricht sich zudem erhöhte Sicherheit und verbesserten Komfort dank fortschrittlicher Assistenzsysteme und mehr Personalisierungsmöglichkeiten.

Die angestrebte Lieferkooperation werde derzeit vorrangig von Audi und Volkswagen Pkw vorangetrieben, heißt es in einer Pressemitteilung. Ziel sei jedoch eine konzernweite Wirkung der Partnerschaft.

Volkswagen-Vorstand: Softwarefunktionen werden immer wichtiger

Dass Volkswagen künftig auf leistungsfähige zentrale Rechner statt auf zahlreiche Einzellösungen zur Steuerung der Fahrzeugfunktionen setzen möchte, dürfte auch ein Zeichen dafür sein, dass der Autobauer wieder mehr Kontrolle über die Technologie in seinen Fahrzeugen erlangen will – die Versorgung mit leistungsfähigen Chips ist Grundvoraussetzung dafür: „Hochleistungsfähige Halbleiter sind die Grundlage für die nächste Generation vernetzter Fahrzeuge“, so Werner Tietz, Entwicklungschef der Volkswagen Group.

Infotainment und Fahrerassistenzsysteme werden immer wichtiger für die Differenzierung unserer Produkte und haben einen deutlich gesteigerten Wertanteil am Fahrzeug“, erklärt Karsten Schnake, Beschaffungsvorstand der Marke Volkswagen Pkw. „Mit Qualcomm als Partner für die Zukunft sichern wir langfristig unseren Zugang zu den dafür wichtigen Halbleitern.“ Qualcomm zähle zu den führenden Anbietern von Automotive-Halbleitern weltweit, so Schnake weiter. Gemeinsam setze man nun eine „verlässliche Zusammenarbeit“ fort. 

Qualcomm arbeitet wiederum seit geraumer Zeit daran, seine Aktivitäten im Automotive-Bereich auszuweiten. Moderne Fahrzeugarchitekturen stellen hohe Anforderungen an Rechenleistung, Konnektivität und KI-Fähigkeiten, argumentiert Enrico Salvator, Präsident von Qualcomm Europe. „Gemeinsam treiben wir eine moderne Fahrzeugarchitektur voran, die softwaredefiniert, KI-fähig und global skalierbar ist – sie unterstützt aktualisierbare Infotainment Systeme und beschleunigt die Entwicklung hochautomatisierter Fahrsysteme.“

SDV-Architektur soll im VW ID.Every1 ihre Premiere feiern

Volkswagen will die SDV-Architektur in der westlichen Hemisphäre erstmals ab 2027 im ID.Every1 und in künftigen Elektroautos auf Basis der Scalable Systems Platform (SSP) integrieren. Ziel sei es, „technologisch führende Produkte in unterschiedlichen Segmenten, Preisklassen und internationalen Märkten“ anzubieten.

Darüber hinaus beabsichtigt die Automated Driving Alliance (ADA), eine gemeinsame Initiative von Volkswagens Software-Tochter Cariad und dem Zulieferer Bosch, die „Snapdragon Ride Elite Plattform“ einzusetzen, um das automatisierte Fahren voranzutreiben. Ziel sei ein KI-basiertes Gesamtsystem für hochautomatisiertes Fahren, das marken- und modellübergreifend skalierbar und vollständig kompatibel mit der SDV-Architektur ist. Dank einer End-to-End-KI-Architektur soll Snapdragon Ride Elite extrem niedrige Latenzzeiten für die Sensorverarbeitung und Echtzeit-Entscheidungen ermöglichen.

Quelle: Volkswagen Group – Pressemitteilung vom 08.01.2026

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Tobias Stahl

Tobias Stahl

Tobias Stahl kann sich für alle Formen der Fortbewegung begeistern, aber nachhaltige Mobilität begeistert ihn besonders. Da ist es kein Wunder, dass er schon seit 2019 über E-Autos, erneuerbare Energien und die Verkehrswende berichtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Volkswagen (VW) Elektroautos

Oliver Blume: VW hat die Zukunft selbst in der Hand

Oliver Blume: VW hat die Zukunft selbst in der Hand

Sebastian Henßler  —  

Volkswagen reagiert auf wachsenden Wettbewerbsdruck mit einem Zukunftsplan, der acht Hebel zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit bis 2030 umfasst.

VW kappt Schnittstellen: Energiewende unter Druck?

VW kappt Schnittstellen: Energiewende unter Druck?

Sebastian Henßler  —  

Wer entscheidet über die Daten des eigenen E-Autos? VW hat darauf eine klare Antwort gegeben – und dabei offenbar EU-Vorgaben übergangen.

VW lässt sich mit extremen Ladeleistungen noch Zeit

VW lässt sich mit extremen Ladeleistungen noch Zeit

Daniel Krenzer  —  

Die Konkurrenz aus China übertrifft sich mit Ladeleistungen, doch VW will erst in ein paar Jahren technisch mithalten können.

Samsung SDI könnte bald Batterien für VW produzieren

Samsung SDI könnte bald Batterien für VW produzieren

Laura Horst  —  

Samsung SDI soll laut einem Bericht in seinem ungarischen Werk Göd die Massenproduktion von Batteriezellen für Volkswagen vorbereiten.

VW-Führung sieht Konzern als existenzgefährdet

VW-Führung sieht Konzern als existenzgefährdet

Sebastian Henßler  —  

Sechs von neun VW-Vorständen sehen den Konzern als existenzgefährdet. Das zeigt eine interne Befragung, die CEO Blume dem Aufsichtsrat präsentierte.

Gabardi, VW: „Erfolge der Vergangenheit garantieren nichts“

Gabardi, VW: „Erfolge der Vergangenheit garantieren nichts“

Sebastian Henßler  —  

Dr. Erwin Gabardi hat VW Anhui aufgebaut und leitet jetzt die Produktstrategie der Brand Group Core. Ein Gespräch über China, Tempo und den neuen ID. Polo.

„Made in Europe“: VW, Stellantis und Renault fordern simple EU-Regeln

„Made in Europe“: VW, Stellantis und Renault fordern simple EU-Regeln

Tobias Stahl  —  

Volkswagen, Stellantis und Renault wenden sich in einem gemeinsamen Schreiben an die EU – und fordern möglichst simple Regeln zum Schutz der hiesigen Automobilindustrie.