Volkswagen und der US-amerikanische Halbleiterhersteller Qualcomm haben eine Absichtserklärung über ein langfristiges Lieferabkommen unterzeichnet. Das gaben die beiden Unternehmen anlässlich der Elektronikmesse CES in Las Vegas bekannt. Gegenstand der Erklärung sind System-on-Chips (SoCs) von Qualcomm. Gemeinsam mit der „Snapdragon Digital Chassis-Technologie“ des US-Unternehmens sollen die Chips zentrale Funktionen in den Fahrzeugen des Konzerns bedienen.
Qualcomm will die System-on-Chips ab 2027 an Volkswagen liefern. Damit würde der Halbleiterhersteller die technologische Basis für die Fahrzeuge stellen und ein zentraler Partner für die Einführung von Volkswagens „Software-defined Vehicle“-Architektur (SDV) sein. Der Wolfsburger Konzern will die Chips neben dem Infotainment auch für Konnektivitäts-Funktionen und automatisiertes Fahren einsetzen.
Volkswagen entwickelt seine SDV-Architektur gemeinsam mit dem E-Autobauer Rivian. Ziel ist es, sämtliche Fahrzeugfunktionen über modulare Zentralrechner zu steuern – die Wolfsburger wollen so neue Fahrzeugfunktionen implementieren, die im Rahmen kurzer Updatezyklen erweitert werden können. Volkswagen verspricht sich zudem erhöhte Sicherheit und verbesserten Komfort dank fortschrittlicher Assistenzsysteme und mehr Personalisierungsmöglichkeiten.
Die angestrebte Lieferkooperation werde derzeit vorrangig von Audi und Volkswagen Pkw vorangetrieben, heißt es in einer Pressemitteilung. Ziel sei jedoch eine konzernweite Wirkung der Partnerschaft.
Volkswagen-Vorstand: Softwarefunktionen werden immer wichtiger
Dass Volkswagen künftig auf leistungsfähige zentrale Rechner statt auf zahlreiche Einzellösungen zur Steuerung der Fahrzeugfunktionen setzen möchte, dürfte auch ein Zeichen dafür sein, dass der Autobauer wieder mehr Kontrolle über die Technologie in seinen Fahrzeugen erlangen will – die Versorgung mit leistungsfähigen Chips ist Grundvoraussetzung dafür: „Hochleistungsfähige Halbleiter sind die Grundlage für die nächste Generation vernetzter Fahrzeuge“, so Werner Tietz, Entwicklungschef der Volkswagen Group.
„Infotainment und Fahrerassistenzsysteme werden immer wichtiger für die Differenzierung unserer Produkte und haben einen deutlich gesteigerten Wertanteil am Fahrzeug“, erklärt Karsten Schnake, Beschaffungsvorstand der Marke Volkswagen Pkw. „Mit Qualcomm als Partner für die Zukunft sichern wir langfristig unseren Zugang zu den dafür wichtigen Halbleitern.“ Qualcomm zähle zu den führenden Anbietern von Automotive-Halbleitern weltweit, so Schnake weiter. Gemeinsam setze man nun eine „verlässliche Zusammenarbeit“ fort.
Qualcomm arbeitet wiederum seit geraumer Zeit daran, seine Aktivitäten im Automotive-Bereich auszuweiten. Moderne Fahrzeugarchitekturen stellen hohe Anforderungen an Rechenleistung, Konnektivität und KI-Fähigkeiten, argumentiert Enrico Salvator, Präsident von Qualcomm Europe. „Gemeinsam treiben wir eine moderne Fahrzeugarchitektur voran, die softwaredefiniert, KI-fähig und global skalierbar ist – sie unterstützt aktualisierbare Infotainment Systeme und beschleunigt die Entwicklung hochautomatisierter Fahrsysteme.“
SDV-Architektur soll im VW ID.Every1 ihre Premiere feiern
Volkswagen will die SDV-Architektur in der westlichen Hemisphäre erstmals ab 2027 im ID.Every1 und in künftigen Elektroautos auf Basis der Scalable Systems Platform (SSP) integrieren. Ziel sei es, „technologisch führende Produkte in unterschiedlichen Segmenten, Preisklassen und internationalen Märkten“ anzubieten.
Darüber hinaus beabsichtigt die Automated Driving Alliance (ADA), eine gemeinsame Initiative von Volkswagens Software-Tochter Cariad und dem Zulieferer Bosch, die „Snapdragon Ride Elite Plattform“ einzusetzen, um das automatisierte Fahren voranzutreiben. Ziel sei ein KI-basiertes Gesamtsystem für hochautomatisiertes Fahren, das marken- und modellübergreifend skalierbar und vollständig kompatibel mit der SDV-Architektur ist. Dank einer End-to-End-KI-Architektur soll Snapdragon Ride Elite extrem niedrige Latenzzeiten für die Sensorverarbeitung und Echtzeit-Entscheidungen ermöglichen.
Quelle: Volkswagen Group – Pressemitteilung vom 08.01.2026







Wird geladen...