Volkswagen macht mit Blockchain die Lieferkette transparent

Volkswagen macht mit Blockchain die Lieferkette transparent
Copyright:

Volkswagen AG

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Lieferketten optimieren, Fehlerquellen eliminieren, soziale und ökologische Standards garantieren – das sind die Ziele der Zusammenarbeit des Volkswagen Konzerns mit Minespider. Gemeinsam mit dem auf Blockchain spezialisierten Unternehmen soll im Rahmen eines Pilotprojekts die globale Blei-Lieferkette transparent gemacht werden. Durch digitale Zertifikate ermöglicht die Blockchain-Technologie die Rückverfolgung des Rohstoffs bis zum Ursprung. Der Volkswagen Konzern plant, die Technologie bei weiteren Rohstoffen und deren Lieferketten anzuwenden.

Die Transparenz von Lieferketten ist ein branchenübergreifendes Brennpunktthema, auch und gerade für die stark im Wandel begriffene Automobilindustrie. Um nachhaltige Mobilität zu ermöglichen, ist verantwortungsvolle Rohstoffbeschaffung elementar. Für mehr Transparenz und Sicherheit in der Lieferkette soll bei Volkswagen künftig die Technologie sorgen, die hinter verschiedenen Kryptowährungen steht: Blockchain. Gemeinsam mit Minespider wird sie ab April genutzt, um die Lieferkette von Blei vom Ursprung bis in die Fabrik zu verfolgen. Ursprung bedeutet hierbei: Abbau oder Recycling. Pilotiert wird mit Lieferanten und Sub-Lieferanten, die mehr als zwei Drittel des gesamten Konzernbedarfs an bleihaltigen Starterbatterien abdecken.

Die von Minespider entwickelte Lösung basiert auf einer öffentlichen Blockchain. Dass trotz des Open-Source-Ansatzes die sensiblen Daten der Lieferkette geschützt werden, garantiert eine Multi-Layer-Architektur, einem aus mehreren Schichten bestehenden System. Auf der einen Ebene befinden sich die Informationen, die jeder sehen kann, auf der anderen die privaten Datenblöcke, die nachträglich nicht geändert werden können, eine dritte Ebene dient der Verschlüsselung. Der Vorteil gegenüber einer privaten Blockchain: Von Lieferanten über Sub-Lieferanten bis hin zu jenen, die unmittelbar für den Abbau oder das Recycling des Rohstoffs verantwortlich sind, können alle auf einem System arbeiten, auch über verschiedene Lieferketten hinweg. Gemeinsam soll so eine digitale Infrastruktur aufgebaut werden, die transparenten Informationsaustausch ermöglicht.

„Die Digitalisierung liefert wichtige technologische Instrumente, die uns dazu befähigen, den Weg von Mineralien und Rohstoffen entlang grenzüberschreitender Lieferketten immer detaillierter nachvollziehen zu können. Zusammen mit Minespider werden wir die Blockchain-Technologie nutzen, um unsere Prozesse transparenter und sicherer machen.“ Marco Philippi, Leiter Strategie Konzernbeschaffung bei Volkswagen

Das Pilotprojekt bei der Blei-Lieferkette dient auch dazu, den Rahmen für eine breitere Zusammenarbeit abzustecken. Nach erfolgreicher Pilotierung ist geplant, die Technologie bei weiteren Rohstoffen und den dazugehörigen Lieferketten anzuwenden. „Globale Lieferketten befinden sich in einem Transformationsprozess“, sagt Nathan Williams, CEO von Minespider. „Unternehmen haben das Recht darauf, sicherstellen zu können, dass ihre Lieferanten verantwortungsbewusst agieren. Durch die Blockchain wird ihnen genau das garantiert.“

Seit Jahrzehnten verfolgt der Volkswagen Konzern den Grundsatz, dass Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung nicht erst in der Produktion anfangen, so VW in einer Mitteilung. In einem Unternehmen mit internationalen Produktionsstätten und Vertriebsaktivitäten in mehr als 150 Ländern sei die Wahrung der Sorgfaltspflicht eine enorme Herausforderung und eine große Verantwortung. Das erklärte Ziel lautet, Industrierohstoffe zu verwenden, die nachhaltig gewonnen werden und bei denen eine möglichst sozial- und umweltverträgliche Gewinnung gewährleistet ist.

Die jetzt zustande gekommene Zusammenarbeit geht auf den im vergangenen Jahr ausgetragenen „Hackathon for Supply Chain Transparency“ zurück, bei dem Minespider den ersten Platz erreichen konnte. Rund 100 Experten aus unterschiedlichen Disziplinen arbeiteten im Zuge der Veranstaltung, die Teil des Corporate Citizenships des Volkswagen Konzerns ist, gemeinsam daran, innovative, digitale Lösungen für mehr Transparenz in der Lieferkette weiterzuentwickeln. Die „Hackathon”-Serie wird 2019 fortgesetzt.

Quelle: Volkswagen – Pressemitteilung vom 23.04.2019

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektroauto Hersteller

Bidirektionales Laden (V2G): Polestar arbeitet an virtuellem Kraftwerk

Bidirektionales Laden (V2G): Polestar arbeitet an virtuellem Kraftwerk

Felix Katz  —  

Polestar entwickelt für das bidirektionale Laden ein virtuelles Kraftwerk. So sehen die Potenziale und Herausforderungen der Vehicle-to-Grid-Technologie aus.

Caterham Project V: bildschön und leicht, aber teuer

Caterham Project V: bildschön und leicht, aber teuer

Felix Katz  —  

Caterhams Project V soll 2026 auf die Straßen kommen – für mindestens 90.000 Euro. Das Konzeptmodell kommt von einem bekannten Designer.

VW setzt auf lokale Kooperationen in China

VW setzt auf lokale Kooperationen in China

Maria Glaser  —  

Um sich weiterhin erfolgreich auf dem chinesischen Markt für Elektroautos zu behaupten, arbeitet VW eng mit Unternehmen vor Ort zusammen.

EnBW feiert 1000 Schnellladestandorte für E-Autos

EnBW feiert 1000 Schnellladestandorte für E-Autos

Michael Neißendorfer  —  

1000 Standorte in ganz Deutschland: EnBW betreibt eines der größten Schnellladenetze für Elektroautos bundesweit.

Zeekr 001 und X: Bestellstart in Schweden und den Niederlanden

Zeekr 001 und X: Bestellstart in Schweden und den Niederlanden

Felix Katz  —  

Die Zeekr-Modelle 001 und X können in Schweden und den Niederlanden vorbestellt werden. Der Auslieferungsstart ist im Herbst.

„Kaum erfüllbar und realitätsfern“: Widerstand gegen Euro 7 wächst

„Kaum erfüllbar und realitätsfern“: Widerstand gegen Euro 7 wächst

Felix Katz  —  

Die geplante Euro-7-Abgasnorm scheint auf der Kippe zu stehen. Mehrere EU-Staaten und Autohersteller wollen eine weitere Senkung der Grenzwerte verhindern.

Batterieproduktion in Europa in Gefahr?

Batterieproduktion in Europa in Gefahr?

Hannes Dollinger  —  

Eine neue Studie besagt, dass bis zu 68 Prozent der bis 2030 in der EU geplanten Lithium-Ionen-Batterie-Produktionen gefährdet sind.