Verkehrswende: Paris stimmt für 500 weitere autofreie Straßen

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Michael Neißendorfer
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Schon so mancher neidische Blick deutscher Großstadtbewohner ist in den vergangenen Jahren nach Paris gefallen: Frankreichs Hauptstadt treibt die Verkehrswende wie kaum eine andere Metropole voran, mehr und mehr soll der Verkehr weg vom Pkw hin zum ÖPNV und dem Fahrrad verlagert werden. Schon in den vergangenen Jahren hat sich viel getan, so wurden etwa viele Auto-Straßen in ÖPNV- und Fahrrad-Straßen umgewandelt und die Parkkosten für Pkw erhöht, in fast ganz Paris gilt Tempo 30.

Aktuell sind bereits etwa 220 der mehr als 6000 Pariser Straßen autofrei, viele davon sind vor allem kleinere Straßen in der Nähe von Schulen. Seit 2002 ist der Autoverkehr in Paris um fast 50 Prozent gesunken. Dennoch nehmen Autos laut dem Stadtplanungsamt noch immer mehr als die Hälfte des öffentlichen Raums ein. Nun haben die Bürger von Paris in einer Abstimmung entschieden, dass insgesamt 500 weitere Straßen autofrei und in begrünte Fußgängerzonen umgewandelt werden sollen.

Bei der Abstimmung am vergangenen Woche sprachen sich 66 Prozent der Pariser für mehr Platz für Fußgänger und weniger Platz für Autos aus. Allerdings war die Wahlbeteiligung nicht sehr hoch, von den knapp 1,4 Millionen Wahlberechtigten intra muros, also dem Pariser Innenstadtbereich, nahmen nur 56.000 Teil, etwas mehr als 4 Prozent. In einem nächsten Schritt sollen nun passende Straßen – jeweils um die 25 pro Aronnedissement – identifiziert und Machbarkeitsstudien durchgeführt werden. Schätzungsweise werden drei Jahre benötigt, um alle Arbeiten durchzuführen, um die 10.000 öffentliche Parkplätze könnten wegfallen.

Das Rathaus von Paris unter der sozialdemokratischen Bürgermeisterin Anne Hidalgo hatte das Votum auch als eine Wahl für oder gegen Lärmbelästigung und Verschmutzung kommuniziert. Hidalgo betonte, man könne mit der Straßenbegrünung auch gegen die Folgen des Klimawandels vorgehen, da begrünte und bepflanzte Straßen deutlich weniger erhitzen als versiegelte.

Der Pariser Verkehrsbeauftragte Christophe Najdovski zeigte sich erfreut über das Ergebnis. „Das bestärkt uns in unserem Willen, Fußgängern im öffentlichen Raum mehr Platz zu verschaffen und Paris immer weiter zu begrünen“, sagte er.

Trotz der zahlreichen Vorteile sind nicht alle für die Schaffung neuer Fußgängerzonen. In drei Stadtvierteln, den eher teuren und wohlhabenden Arronedissements im Südosten, stimmten die Bewohner mehrheitlich gegen begrünte Straßen ohne Autos. Die konservative Opposition warnte zudem, dass die Straßensperrungen Geschäfte, Händler und den Rettungsdienst einschränken könnten.

Quelle: Mairie de Paris – Pressemitteilung vom 24.03.2025 / Tagesschau – Pariser stimmen für 500 Straßen ohne Autos / NTV – Paris soll grüner werden – Einwohner stimmen für 500 autofreie Straßen / FAZ – Paris stimmt für 500 autofreie Straßen

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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