Verkehrsminister Scheuer fordert mehr E-Auto-Engagement deutscher Hersteller

Verkehrsminister Scheuer fordert mehr E-Auto-Engagement deutscher Hersteller
Copyright:

shutterstock / Lizenzfreie Stockfotonummer: 787963891

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 2 min

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ging beim Mobilitätsgipfel der FAZ in der vergangenen Woche mit der deutschen Automobilindustrie hart ins Gericht: „Wir haben seit dem Jahr 2009 rund 5,2 Milliarden Euro für die technologieoffene Förderung der Antriebstechnologien ausgegeben. Ich bin verärgert, dass daraus keine Produkte entstehen“, sagte er. In einer aktuellen Auflistung, die der Zeitung vorliegt, geht das Verkehrsministerium nun ins Detail, um diesen Missstand anhand konkreter Zahlen zu veranschaulichen.

Demnach gingen seit 2009 allein 2,85 Milliarden Euro aus dem Energie- und Klimafonds in „batterieelektrische Mobilität“, so das Ministerium. Weitere 300 Millionen Euro flossen in die Ladeinfrastruktur, 600 Millionen Euro in die Umweltbonus genannte Kaufpreisprämie.

Scheuer sah sich zu dieser Klarstellung genötigt, da VW-Chef Herbert Diess wenige Tage zuvor behauptet hatte, dass die Autoindustrie „nie gefördert“ wurde. Zudem forderte Diess von Seiten der Politik eine „positivere Haltung zum Auto“. Der Bundesverkehrsminister allerdings zeigte anhand der Förderbeträge, dass die Branche – die Jahr für Jahr Milliardengewinne einfährt – sich nicht über mangelnde Unterstützung beklagen darf. Zudem die Gelder weiter munter fließen: In diverse Förderprogramme für Infrastruktur, Elektromobilität und saubere Luft in den Städten geht in den kommenden Jahren nochmals ein stattlicher Milliardenbetrag. „Allein das Bundesverkehrsministerium wird in den kommenden Jahren über eine Milliarde Euro für den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe und deren Fahrzeugbeschaffungen bereitstellen“, zitiert die FAZ das Ministerium.

Rückendeckung erhielt Scheuer unter anderem von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), der die Autohersteller ebenfalls für ihre allzu zögerliche Haltung in Sachen Elektromobilität kritisierte, so die Zeitung. Er frage sich demnach, wann Daimler, Volkswagen oder BMW auch endlich „in der Lage sein werden, ein Elektroauto zu bauen, das nur halb so sexy ist wie ein Tesla“.

Diese Vorwürfe wollen die Hersteller nicht auf sich sitzen lassen und verweisen auf aktuelle Verkaufszahlen und künftige neue Elektroautomodelle. Jedes zweite in der EU verkaufte Elektroauto komme momentan aus Deutschland, so die Branche. In Deutschland liege der Marktanteil sogar bei 66 Prozent. Zudem verweisen die deutschen Hersteller darauf, dass auch sie sehr Geld für die Elektromobilität und andere alternative Antriebstechniken in die Hand nehmen. Dem Verband der Automobilindustrie VDA zufolge sind es in den kommenden Jahren gut 40 Milliarden Euro.

Quelle: FAZ – Viele Fördermilliarden – aber kaum Elektroautos

worthy pixel img
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Automobilindustrie

Trumps Zolldrohungen verschärfen die Krise der Autoindustrie

Trumps Zolldrohungen verschärfen die Krise der Autoindustrie

Daniel Krenzer  —  

US-Präsident Donald Trump will Grönland und zieht die Zoll-Daumenschrauben für Europa an. Darunter könnte wieder einmal die Automobilindustrie besonders leiden.

Open-Source-Initiative für gemeinsame Software

Open-Source-Initiative für gemeinsame Software

Maria Glaser  —  

Der VDA gab bekannt, dass inzwischen mehr als 30 Unternehmen aus der gesamten Automobilzulieferkette die kollaborative Vereinbarung unterschrieben haben.

Diskussion: Batterien für Europa entstehen nicht über Nacht

Diskussion: Batterien für Europa entstehen nicht über Nacht

Sebastian Henßler  —  

Batterien einfach importieren? Das greift zu kurz. Experten offenbaren, warum Europas Industrie eigene Wertschöpfung, Partnerschaften und Skalierung braucht.

Warum Europas Batterie-Zukunft im Recycling beginnt

Warum Europas Batterie-Zukunft im Recycling beginnt

Sebastian Henßler  —  

Asien dominiert den Batteriesektor, Europa hinkt hinterher. Warum Recycling und geschlossene Stoffkreisläufe ein wichtiger strategischer Hebel sind.

Warum Rohstoffzugang allein Europas Batterien nicht rettet

Warum Rohstoffzugang allein Europas Batterien nicht rettet

Sebastian Henßler  —  

Rohstoffe sind da, Technologien auch. Warum Europas Batterielieferkette dennoch stockt und weshalb Umsetzung, Kapital und Skalierung entscheidend sind.

EU gegen China: Mindestpreise statt Strafzölle

EU gegen China: Mindestpreise statt Strafzölle

Sebastian Henßler  —  

Die EU prüft einen Kurswechsel im Handel mit China. Mindestpreise für E-Autos könnten Sonderzölle ersetzen, doch für Käufer bleiben sinkende Preise vorerst aus.

Mercedes-Benz CLA ist Europas „Car of the Year 2026“

Mercedes-Benz CLA ist Europas „Car of the Year 2026“

Michael Neißendorfer  —  

Der Mercedes-Benz CLA hat auf dem Autosalon in Brüssel die finale Abstimmung gewonnen und löst damit den Renault 5 E-Tech als „Car of the Year“ ab.