Verbraucherschützer: Neues Förderprogramm ist unsozial

Verbraucherschützer: Neues Förderprogramm ist unsozial
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Daniel Krenzer
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In dieser Woche startet das neue Förderprogramm der Bundesregierung, mit dem die gemeinsame Installation von Photovoltaik, Speicher und Wallbox mit bis zu 10.200 Euro gefördert wird. Die Verbraucherzentrale hat dieses mit 500 Millionen Euro dotierte Förderprojekt als unsozial kritisiert, berichtet die Zeit. „Von dem neuen Förderprogramm profitieren nur Eigentümer von selbst genutzten Wohngebäuden – also genau diejenigen, die eher mehr verdienen und bereits von anderen Förderungen profitiert haben, zum Beispiel von der E-Autokaufprämie. Die Förderung ist somit alles andere als sozial“, sagte demnach Verbraucherschützer Gregor Kolbe im Gespräch mit der Deutschen Nachrichtenagentur (dpa).

Wer von den Fördergeldern profitieren will, muss zudem vorweisen, über ein E-Auto zu verfügen. Stand jetzt muss dies bereits bei der Antragsstellung geschehen, die wiederum vor Beginn der Installationen erfolgen muss. Dies wiederum kritisiert der Bundesverbands Solarwirtschaft. „Der Verband empfiehlt, dass der geforderte Nachweis über ein E-Fahrzeug nicht bereits bei Antragsstellung erbracht werden müsse“, heißt es bei der Zeit. Insgesamt käme mit Solarstromanlage, einer Solartankstelle und Solarstromspeicher ein „Dreamteam“ in dieser Förderung zusammen.

Höchstsumme nur mit bidirektionalem Laden

Die Bundesregierung hatte über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und das Bundesverkehrsministerium das neue Förderprogramm „Solarstrom für Elektroautos“ angestoßen, von dem die Elektromobilität profitieren soll. Der Höchstbetrag von 10.200 Euro ist laut Homepage zum Förderprogramm nur dann möglich, wenn auch bidirektionales Laden genutzt wird – das Elektroauto also als Speicher für das Haus und/oder das Stromnetz dient und auch Strom abgibt, wenn dies erforderlich ist. Soll ausschließlich Strom in das E-Auto fließen, sind 9600 Euro der maximale Förderbetrag. Somit könnte etwa ein Viertel der Gesamtkosten durch Fördermittel abgedeckt werden, rechnen Experten vor.

Es gibt aber ein paar Haken am Förderprogramm. Profitieren kann nur derjenige, der Photovoltaik, Stromspeicher und Wallbox zusammen installiert, ein E-Auto besitzt und den Großteil des Stroms für selbiges verwendet. Wer zum Beispiel schon eine Photovoltaikanlage besitzt, nun aber auch einen Speicher und eine Wallbox installieren will, der bekommt aus dem Fördertopf kein Geld. Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) sagte dazu kürzlich der Tagesschau: „Die kombinierte Förderung ist neu. Sie setzt einen Anreiz zur Nutzung der E-Mobilität und gleichzeitig auch zur Beteiligung an der dezentralen Energieerzeugung.“

Schon jetzt sei das Interesse groß

Im Verkehrsministerium rechnet man mit einer „hohen fünfstelligen Zahl“ an Förderanträgen. Die Gelder dafür kommen aus dem 35 Milliarden Euro schweren Klima- und Transformationsfonds. „Hunderte Anfragen erreichen uns dazu schon jeden Tag. Wir liegen also genau richtig mit dem Ansatz, ein Paket aus Photovoltaikanlage, Batteriespeicher und Ladestation zu fördern“, sagte Volker Wissing nun. Am ersten Tag der Antragsannahme (Dienstag, 26. September) war der Server stark überlastet, viele versuchten offenbar stundenlang erfolglos, das Formular auszufüllen und zu verschicken. Bei diesem Ansturm ist damit zu rechnen, dass die 500 Millionen Euro schnell aufgebraucht werden könnten. Auch für Schnelllader an gewerblichen Standorten gibt es ein neues Förderprogramm.

Update 27. September, 7.10 Uhr: Wie die Tagesschau berichtet, ist der Fördertopf bereits nach dem ersten Tag erschöpft. Die KfW stoppte daraufhin das Förderprogramm. Für dieses Jahr stehen 300 Millionen Euro zur Verfügung, für nächstes noch einmal 200 Millionen. Diese 300 Millionen waren innerhalb weniger Stunden bewilligt. „Insgesamt wurden rund 33.000 Anträge bewilligt – trotz zwischenzeitlicher technischer Verzögerungen“, hieß es seitens der KfW.

Quelle: Zeit – „Bund startet Förderprogramm zu Solarstrom für Elektroautos“

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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