US-Zollpolitik: Neue Abgaben auf Autos vorerst verschoben

US-Zollpolitik: Neue Abgaben auf Autos vorerst verschoben
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Sebastian Henßler
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  —  Lesedauer 3 min

Die US-Regierung wird voraussichtlich keine neuen Einfuhrzölle auf Autos zum 2. April einführen. Medienberichte, unter anderem von Automotive News, deuten darauf hin, dass diese Abgaben nicht Teil der geplanten Handelsmaßnahmen sein werden. Hersteller und Zulieferer hatten vor möglichen Auswirkungen gewarnt, da höhere Abgaben Lieferketten belasten könnten.

Ursprünglich hatte Präsident Donald Trump angekündigt, Einfuhrsteuern auf verschiedene Produktgruppen, darunter Autos, Medikamente und Halbleiter, zu erheben. Nun scheint die Regierung von dieser Absicht abzurücken. Bloomberg und das Wall Street Journal bestätigen übereinstimmend, dass diese speziellen Zölle vorerst nicht umgesetzt werden. Dennoch bleibt die Einführung von Autozöllen zu einem späteren Zeitpunkt weiterhin eine Option, wie Quellen aus dem Weißen Haus berichten.

Flavio Volpe, Vorsitzender der kanadischen Vereinigung der Automobilzulieferer, sieht keinen Anlass zur Entwarnung. Die wiederkehrenden Zollandrohungen sorgen seiner Meinung nach für Unsicherheit in der Branche. Für Unternehmen, die stark vom Export in die USA abhängig sind, könnten solche Maßnahmen problematisch sein. Kunden in den Vereinigten Staaten könnten sich nach alternativen Bezugsquellen umsehen oder vermehrt auf lokale Anbieter setzen. Die Sorge betrifft nicht nur kanadische Zulieferer, sondern auch große US-Autobauer wie General Motors und Ford. Volpe warnt davor, dass Trumps Zollpolitik diese Unternehmen gefährden und gleichzeitig die wirtschaftliche Lage der kanadischen Industrie beeinträchtigen könnte.

Trotz der jüngsten Signale bleibt der 2. April ein wichtiges Datum für die Automobilbranche. Die US-Regierung plant weiterhin, an diesem Tag sogenannte „Reziprozitätszölle“ gegen verschiedene Handelspartner einzuführen. Hier die kurze Erläuterung: Reziproke Zölle sind Gegenzölle, die ein Land als direkte Antwort auf bestehende Importzölle eines anderen Landes erhebt. Wenn beispielsweise die Europäische Union einen bestimmten Zollsatz auf US-Produkte erhebt, könnten die USA einen entsprechenden Zollsatz auf vergleichbare EU-Produkte anwenden. Gleichzeitig laufen bestehende Ausnahmen für kanadische und mexikanische Auto- und Teileimporte aus. Aktuell sind diese von einem 25-prozentigen Zoll befreit.

Laut Bloomberg sind die genauen Maßnahmen der Regierung bisher nicht endgültig festgelegt. Die neuen Zölle könnten sich zwar auf mehrere Länder erstrecken, aber für einige Staaten Ausnahmen vorsehen. Zudem ist unklar, ob bestehende Abgaben, etwa auf Stahl und Aluminium, mit den neuen Zöllen kombiniert werden oder separat bestehen bleiben. Sollte letzteres der Fall sein, könnten die Kosten für die Autoindustrie und andere Wirtschaftszweige geringer ausfallen.

Welche Länder von den neuen Maßnahmen betroffen sein werden, bleibt offen. Präsident Trump bezeichnete unter anderem die Europäische Union, Kanada, Mexiko, Japan, Südkorea, Indien und China als Handelspartner, die aus seiner Sicht unfair agieren. Ob alle diese Staaten von zusätzlichen Abgaben betroffen sein werden, ist nicht geklärt. Zusätzlich erwägt die US-Regierung, bestehende Zölle auf Kanada und Mexiko zu überarbeiten. Konkrete Entscheidungen in diesem Bereich stehen jedoch noch aus, sodass weiterhin Unsicherheit besteht. Für die Automobilbranche bringen die aktuellen Entwicklungen eine gewisse Erleichterung. Neue Zölle oder eine unklare Handelspolitik haben sich bereits negativ auf Investitionsentscheidungen ausgewirkt.

Quelle: Automotive News – Auto tariffs unlikely on April 2 as Trump weighs more targeted reciprocal levies, reports say

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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