Unternehmen sind in Deutschland die Treiber der E-Mobilität

Unternehmen sind in Deutschland die Treiber der E-Mobilität
Copyright:

shutterstock / 2235884439

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat neue Zahlen bekanntgegeben, nach denen im vergangenen Jahr 15 Prozent aller Fahrzeuge in Firmenfuhrparks elektrisch aufladbar waren, jedoch nur 2,5 Prozent aller Fahrzeuge von privaten Haltern. „Bei der Dekarbonisierung des Verkehrs spielen die Unternehmen mit ihren Fuhrparks eine Schlüsselrolle“, sagte KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib der Deutschen Presseagentur (dpa), worüber unter anderem das Handelsblatt berichtet. Bei den Neuzulassungen machen gewerblich genutzte Fahrzeuge in Deutschland etwa zwei Drittel aus.

Demnach waren in Firmenfuhrparks 2022 sieben Prozent der Fahrzeuge vollelektrisch, acht Prozent waren zudem Plug-in-Hybride. Bei den privaten Haltern machten vollelektrische Fahrzeuge laut KfW nur 0,9 Prozent aus, 1,4 Prozent fuhren einen Plug-in-Hybrid. Da Privatpersonen sich oft gebrauchte Fahrzeuge anschaffen und diese häufig zuvor als Firmenwagen eingesetzt wurden, erhofft sich nicht zuletzt Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP), dass ein hoher Anteil elektrischer Fahrzeuge als Dienstwagen nachgelagert auch zu einem höheren Anteil bei Privatpersonen führen wird.

Viel Luft nach oben in der Logistik

Allerdings begrenze sich die Elektrifizierung des Fuhrparks bei Unternehmen vorwiegend auf normale Pkw, Nutzfahrzeuge seien noch sehr selten elektrisch unterwegs. Da der motorisierte Verkehr in Deutschland aber gut ein Fünftel aller Treibhausgase verursacht, sei es für das Erreichen der Klimaziele erforderlich, dass auch dort der Anteil an elektrischen Fahrzeugen deutlich steige. Ursachen für den noch geringen Anteil sieht die KfW darin, dass elektrische Nutzfahrzeuge noch nicht so lange zur Verfügung stehen wie Elektroautos, dass die Anschaffungskosten noch recht hoch seien und es noch nicht viel Infrastruktur gebe, um auch große Nutzfahrzeuge an ausreichend vielen Stellen ausreichend schnell zu laden.

Dazu passt, dass vor allem Unternehmen im Dienstleistungsbereich auf elektrische Fahrzeuge setzen, bei Bauunternehmen und Logistikern der Anteil aber noch vergleichsweise niedrig sei. Dabei könnten laut KfW gerade diese Unternehmen mit in der Regel großen Fuhrparks einen wertvollen Beitrag zur Dekarbonisierung des Straßenverkehrs leisten. Was dafür passieren sollte, benennt Köhler-Geib: „Unternehmen ziehen die Anschaffung eines energieeffizienten und klimafreundlichen Fahrzeuges in Betracht, wenn dessen Wirtschaftlichkeit gegenüber anderen Antriebsarten langfristig gegeben ist.“ Hier sei auch die Politik gefragt, geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

KfW kritisiert Trend zu SUVs

Zum Erreichen von Klimaneutralität im Jahr 2045 seien laut KfW im Verkehr Klimaschutzinvestitionen von 82 Milliarden Euro pro Jahr notwendig. Der allergrößte Teil von 77 Milliarden Euro pro Jahr entfalle dabei auf Fahrzeuge des Straßenverkehrs. „Diese Investitionen betreffen im Wesentlichen Pkw (64 Milliarden Euro pro Jahr). Die restlichen 13 Milliarden Euro entfallen auf Nutzfahrzeuge, davon 9 Milliarden Euro für leichte und 4 Milliarden Euro für schwere Nutzfahrzeuge inklusive Omnibusse“, schreibt die KfW.

In der Analyse wird jedoch kritisiert, dass der Trend zu immer größeren Fahrzeugen die Bemühungen hinsichtlich des Klimaschutzes konterkarieren. Große Teile der durch elektrische Fahrzeuge eingesparten Emissionen würden an anderer Stelle durch größere Verbrennerfahrzeuge mehr verursacht. „Und auch im Fall von Elektrofahrzeugen stellt er (der Trend) für die Klimabilanz eine Herausforderung dar, da größere Fahrzeuge sowohl mehr Strom verbrauchen als auch mit größeren Batterien ausgestattet sind, die in der Herstellung mehr Energie und Rohstoffe verbrauchen“, stellt die KfW fest.

Quelle: Handelsblatt – „Unternehmen liegen laut Studie beim Elektroauto-Einsatz vor privaten Nutzern“

worthy pixel img
Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in News

Diese 7 E-Autos bis 35.000 Euro kommen auf Strecke gut voran

Diese 7 E-Autos bis 35.000 Euro kommen auf Strecke gut voran

Daniel Krenzer  —  

Elektrisch ohne Ladeweile weit fahren, aber trotzdem keine Unsummen bezahlen – das geht inzwischen mit einigen Modellen auf dem Markt.

Technikvergleich BMW i3 – Mercedes C-Klasse EQ: Der Bayern-Trumpf sticht

Technikvergleich BMW i3 – Mercedes C-Klasse EQ: Der Bayern-Trumpf sticht

Stefan Grundhoff  —  

BMW i3 und Mercedes C-Klasse treten mit ähnlicher Technik gegeneinander an. Was bieten beide E-Autos in Sachen Plattform, Ladetechnik und Fahrerassistenz?

Chery-Akku schnuppert an 1500 Kilometern Reichweite

Chery-Akku schnuppert an 1500 Kilometern Reichweite

Daniel Krenzer  —  

Die ersten Festkörperbatterien sollen noch in diesem Jahr in einem Elektroauto getestet werden, halbfeste Batterien gehen zeitnah in Serie.

Benzinpreiskrise: Grüne in Bayern fordern Fokus auf E-Mobilität

Benzinpreiskrise: Grüne in Bayern fordern Fokus auf E-Mobilität

Michael Neißendorfer  —  

Bayern fördert Wasserstoff mit hohen Millionenbeträgen und knausert bei der E-Mobilität, so die Grünen. Sie fordern angesichts des Irankriegs ein Umdenken.

Motorsport: Opel steigt in die Formel E ein

Motorsport: Opel steigt in die Formel E ein

Sebastian Henßler  —  

Während Audi, BMW und Mercedes die Formel E verlassen haben, geht Opel den entgegengesetzten Weg und gründet ein eigenes Rennteam.

Studie: Profitieren E-Fuels von schwächelnder E-Mobilität?

Studie: Profitieren E-Fuels von schwächelnder E-Mobilität?

Daniel Krenzer  —  

E-Fuels unter der Lupe: Eine aktuelle Studie der E-Fuel Alliance wirft mehr Fragen als Antworten auf.

Warum die THG-Prämie 2026 so stark anzieht

Warum die THG-Prämie 2026 so stark anzieht

Sebastian Henßler  —  

Die THG-Prämie steigt 2026 deutlich an. Ein Fördermittelexperte erklärt, welche Faktoren den Markt treiben und was das für E-Auto-Halter:innen bedeutet.