Trump fährt Autozölle wieder deutlich zurück

Trump fährt Autozölle wieder deutlich zurück
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Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 4 min

Die US-Regierung hat ihre bisherigen Zollregelungen für importierte Autos und Teile überarbeitet. Präsident Donald Trump unterzeichnete am Dienstag zwei Verordnungen, die Automobilherstellern in den USA Entlastung verschaffen sollen. Hersteller wie Ford, General Motors und Stellantis hatten zuvor vor hohen Kosten durch Zölle gewarnt. Nun sollen Erleichterungen greifen – allerdings nur unter bestimmten Bedingungen. Die wichtigste Neuerung betrifft Autos, die in den USA zusammengebaut werden. Diese dürfen nun bis zu 15 Prozent ihrer Komponenten aus Ländern außerhalb des Handelsabkommens USMCA (USA, Mexiko, Kanada) beziehen, ohne dass zusätzliche Zölle anfallen. Diese Regelung gilt zunächst bis Mai 2026. Danach sinkt die Grenze auf zehn Prozent. Ab Ende April 2027 soll der Vorteil komplett wegfallen.

Ein weiterer Punkt: Wenn ein Auto oder Teil bereits dem 25-Prozent-Zoll unterliegt, wird es nicht zusätzlich mit Zöllen auf Stahl, Aluminium oder Importen aus Kanada und Mexiko belastet. Die sogenannte „Zollstapelung“ wird damit aufgehoben – mit Ausnahme von Teilen aus China. Diese bleiben weiterhin stark belastet. Für Hersteller bedeutet das: Wer viel in den USA produziert und dabei auf Bauteile aus Nordamerika setzt, kann erhebliche Kosten sparen. Tesla ist ein Beispiel dafür. Das Unternehmen fertigt sämtliche Modelle im Inland, mit einem hohen Anteil an USMCA-konformen Komponenten. Schätzungen zufolge erspart sich Tesla dadurch bis zu 2,5 Milliarden US-Dollar (ca. 2,2 Mrd. Euro) an Zöllen. Zwar können auch Rohstoffe wie Aluminium oder Stahl weiterhin Zusatzkosten verursachen, doch davon sind alle Hersteller gleichermaßen betroffen.

Anders sieht es für Firmen aus, die ihre Produktion auf mehrere Länder verteilt haben. Autos mit weniger als 85 Prozent USMCA-Anteil oder mit Endmontage außerhalb der USA unterliegen weiterhin dem vollen 25-Prozent-Zoll. Damit werden vor allem Hersteller getroffen, die stark auf Lieferketten aus Asien setzen. Für diese Unternehmen erhöht sich der Druck, Produktionsprozesse zu verlagern.

Die Automobilbranche hatte die Zölle im Vorfeld heftig kritisiert. Verbände warnten vor Preissteigerungen, geringeren Verkäufen und Problemen in der Lieferkette. Besonders kleinere Zulieferer könnten durch unerwartete Kosten schnell in finanzielle Schieflage geraten. Es genüge der Ausfall eines einzelnen Zulieferers, um komplette Produktionslinien zum Stillstand zu bringen, hieß es in einem offenen Brief an mehrere Regierungsvertreter.

Auch General Motors zeigte sich alarmiert. Das Unternehmen zog seine Gewinnprognose für das laufende Jahr zurück. Die wirtschaftliche Unsicherheit sei zu groß, um belastbare Aussagen zu treffen. Eine geplante Telefonkonferenz zu den Quartalszahlen wurde verschoben – ausgerechnet an dem Tag, an dem Trump seine neuen Pläne vorstellte. Nicht nur die Autobauer, auch Analysten äußerten sich skeptisch. Zwar brächten die Maßnahmen kurzfristig Entlastung, langfristig seien jedoch steigende Preise kaum zu vermeiden. Viele Autos, selbst wenn sie in den USA gebaut werden, enthalten Bauteile aus China, Südkorea oder Japan. Für diese Herkunftsländer gelten die Ausnahmen nicht. Zudem dauert es Jahre, Produktionsketten anzupassen.

Die nun eingeführte Regelung erlaubt es Herstellern, für einen Teil der Importkosten Gutschriften zu erhalten. Im ersten Jahr sind das 3,75 Prozent des empfohlenen Verkaufspreises eines in den USA produzierten Autos. Im zweiten Jahr sinkt dieser Wert auf 2,5 Prozent. Danach läuft das Modell aus. Ziel der Maßnahme ist es, die Unternehmen zu Investitionen in den US-Standort zu bewegen. Die Regierung räumt ein, dass man auf die Stimmen aus der Industrie gehört habe. Laut Handelsminister Howard Lutnick stand man in engem Austausch mit mehreren Konzernen, um die Änderungen gezielt zu gestalten. Präsident Trump sprach bei einer Veranstaltung in Michigan davon, den Herstellern „etwas Spielraum“ zu lassen. Gleichzeitig forderte er die Industrie dazu auf, ihre Bauteile künftig in den USA zu fertigen.

Für Elektroautos ergeben sich durch die neuen Regeln zusätzliche Dynamiken. In den vergangenen Jahren lagen deren Preise im Schnitt deutlich über denen von Verbrennern. Im März 2025 betrug der Preisaufschlag rund 25 Prozent. Analysten führen das auch auf Materialzölle und den möglichen Wegfall staatlicher Förderungen zurück. Erste Quartalszahlen 2025 zeigen dennoch ein Wachstum bei E-Autos: Der Absatz von vollelektrischen Autos stieg um 19 Prozent, während Plug-in-Hybride rückläufig waren.

Ob sich dieser Trend fortsetzt, bleibt offen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Erleichterungen bei den Zöllen reichen, um den Absatz stabil zu halten. Der politische Kurs bleibt jedenfalls unvorhersehbar. Neue Maßnahmen könnten kurzfristig angekündigt oder wieder zurückgenommen werden. Die Automobilhersteller in den USA stehen damit weiter unter Druck – trotz aller Versprechungen von Entlastung.

Quelle: The New York Times – Trump Grants Carmakers Some Relief From His Punishing Tariffs / Reuters – Trump set to soften auto tariffs after industry pushback / Automotive News – Trump’s autos tariff relief aimed at reshoring production to U.S., Lutnick says / IDTechEx – Per Mail

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Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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