Tesla: Kunden kehren Elon Musk den Rücken

Tesla: Kunden kehren Elon Musk den Rücken
Copyright:

Frederic Legrand – COMEO / Shutterstock.com

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 4 min

Elon Musks Einfluss auf Tesla sorgt zunehmend für Kontroversen. Der Elektroautohersteller, der lange Zeit als Vorreiter für umweltfreundliche Mobilität galt, erlebt derzeit eine Phase des Widerstands und der Abwendung – sowohl auf der Straße als auch an der Börse. Dies zeigt sich nicht nur in Medien, deren Berichten oder Reaktionen auf sozialen Netzwerken, sondern auch in alltäglichen Situationen. In mehreren Städten der USA wurden in den vergangenen Wochen Tesla-Standorte gezielt beschädigt, wie die New York Times (NYT) schreibt.

Von Oregon bis Massachusetts berichten Behörden von zerstörten Schaufenstern, angezündeten Ladesäulen und sogar Schüssen auf Firmengebäude. Strafverfolgungsbehörden sprechen inzwischen von gezielten Angriffen, Verletzte gab es glücklicherweise noch nicht. Die Generalstaatsanwältin Pam Bondi stufte die Taten als „inländischen Terrorismus“ ein, gerichtet gegen Elon Musk persönlich. Sie warnte, dass Beteiligte mit hohen Freiheitsstrafen rechnen müssten.

Neben den Sachbeschädigungen mehren sich auch öffentliche Proteste gegen Firmenchef Musk. Demonstrationen vor Tesla-Showrooms sind inzwischen keine Seltenheit mehr. In New York riefen Hunderte Demonstrierende dazu auf, Tesla-Autos zu verkaufen. Auf Plakaten war zu lesen, dass niemand Elon Musk gewählt habe.

Politik und Protest: Musk verliert Rückhalt bei Kundschaft

In Europa zeigen sich bereits ähnliche Entwicklungen. Einige Tesla-Besitzer berichten, dass sie wegen ihrer Auto-Wahl angefeindet oder ausgegrenzt wurden. Wie die NYT berichtet, habe der Bruch mit Musk bereits mit dem nicht unumstrittenen Kauf von Twitter im Jahr 2022 begonnen. Mittlerweile entfremdet Musk sich mit seiner offen rechten Positionierung deutlich von großen Teilen der Tesla-Kundschaft. Der Unternehmer unterstützte öffentlich Donald Trump bei dessen Wiederwahlkampagne und investierte hunderte Millionen US-Dollar in politische Aktivitäten. Aktuell nutzt er seinen Einfluss, um Kürzungen bei Behörden durchzusetzen und leitende Mitarbeiter in teils sehr fragwürdigen Aktionen zu entlassen. Diese Entwicklungen stoßen bei vielen Menschen auf Ablehnung, ebenso bei der Justiz, die viele von Musks Entscheidungen anfechtet.

Kritiker werfen ihm vor, zu viel Zeit in Washington zu verbringen und seine politische Macht zu missbrauchen. In sozialen Medien wird diskutiert, ob das Unternehmen sich noch von seinem Gründer trennen kann oder bereits zu stark mit seiner Person verbunden ist. Für Kunden wie Senator Mark Kelly – zuletzt in den News durch seine Aussage: „Ich will kein Auto fahren, das von einem Arschloch gebaut und designt wurde“ – ist die Antwort klar: Sie wenden sich ab – nicht vom Produkt, sondern von dem Mann dahinter.

Absatzprobleme und schrumpfende Marktanteile weltweit

Die Umsatzrendite von Tesla betrug 2022 noch 16,8 Prozent, 2023 waren es schon nur noch 9,2 Prozent, 2024 endete mit 7,2 Prozent. Die Januarzahlen lassen einen weiteren Absturz vermuten: Minus 63 Prozent in Frankreich, minus 60 Prozent in Deutschland, auch in weiteren wichtigen Elektroauto-Märkten Schweden (-44 Prozent), Norwegen (-38 Prozent) und Großbritannien (-8 Prozent) griffen Käufer lieber zu Autos anderer Marken, wie EAN-Chefredakteur Michael Neißendorfer bereits im Februar schrieb.

Auch international sieht die Lage für Tesla nicht besser aus. In China gingen die Neuzulassungen im Februar um 49 Prozent im Vergleich zum Vormonat zurück. Laut China Passenger Car Association wurden nur 30.668 Tesla-Autos neu registriert.

Hinzu komme ein überdurchschnittlich hoher Wertverlust für Tesla-Modelle: In Deutschland habe das Model 3 Autoscout24 zufolge im vergangenen Jahr rund 19 Prozent an Wert verloren, beim Model Y waren es 17 Prozent. Den durchschnittlichen Wertverlust von E-Autos beziffert das Portal indes auf nur 4 Prozent.

Fehlende Zukunftsperspektive?

Gepaart mit der Tatsache, dass sich im Produkt-Angebot der Marke schon seit mehreren Jahren nicht sonderlich viel bewegt, scheinen die Zukunftsaussichten nicht gerade hoffnungsvoll. Neben einem Facelift des Model Y, das sowohl in China als auch in der Gigafactory in Grünheide vom Band läuft, soll das autonom fahrende Tesla Cybercab künftig eine relevante Rolle für das Unternehmen spielen. Hier vermuten verschiedene Medien aber auch eher eine Nebelkerze als ein konkretes Produkt, das zeitnah auf die Straße kommt.

Konkreter scheint es an anderer Stelle zu werden. Tesla plant, im Jahr 2025 aktualisierte Versionen des Model S und Model X auf den Markt zu bringen. Dies kündigte Lars Moravy, Vizepräsident für Fahrzeugtechnik, in einem Podcast an, wie Golem berichtet. Damit reagiert das Unternehmen offenbar auf die enteilte Konkurrenz im Premiumsegment der Elektroautos und möchte seine Oberklassemodelle wieder attraktiver machen. Etwas wirklich Neues ist dies dann allerdings auch nicht. Eher wieder ein Facelift, wie man es vom Model 3 und Model Y kennt. Ob man damit 2025 noch mit der wachsenden Konkurrenz mithalten kann, erscheint fraglich.

Ob sich Tesla von diesem Imagewandel und den eher schwammigen Zukunftsaussichten erholen kann, bleibt ungewiss. Klar ist jedoch, dass der Kurswechsel von Elon Musk nicht ohne Konsequenzen bleibt – weder für das Unternehmen noch für seine einst treue Kundschaft.

Quelle: The New York Times – What to Know About the Backlash Against Tesla

worthy pixel img
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Tesla News

IG-Metall-Vorsitzende: So „krass“ wie Tesla ist sonst niemand

IG-Metall-Vorsitzende: So „krass“ wie Tesla ist sonst niemand

Daniel Krenzer  —  

IG-Metall-Chefin Benner kritisiert Tesla: Extreme Arbeitsbedingungen und fehlende Mitbestimmung herrschen in Grünheide.

Tesla: Musk rechnet mit baldiger FSD-Freigabe in Europa und China

Tesla: Musk rechnet mit baldiger FSD-Freigabe in Europa und China

Tobias Stahl  —  

Elon Musk rechnet mit einer baldigen Freigabe seines Fahrassistenzsystems FSD in Europa und China. Dem Tesla-Chef zufolge könnte es im Februar soweit sein.

Tesla und der stille Personalabbau in Grünheide

Tesla und der stille Personalabbau in Grünheide

Sebastian Henßler  —  

In Teslas Gigafabrik in Grünheide arbeiten deutlich weniger Menschen als vor zwei Jahren. Betriebsratszahlen zeigen einen Rückgang von rund 1700 Stellen.

Teslas Pläne für Batteriefabrik in Grünheide erhalten neues Leben

Teslas Pläne für Batteriefabrik in Grünheide erhalten neues Leben

Daniel Krenzer  —  

Elon Musk plant wohl ab 2027 eine Batteriefertigung in Grünheide. Zunächst soll ein 8-GWh-Werk entstehen – ein pragmatischer Schritt mit Signalwirkung.

Tesla bietet Full Self-Driving künftig nur noch im Abo an

Tesla bietet Full Self-Driving künftig nur noch im Abo an

Sebastian Henßler  —  

Tesla stellt Full Self-Driving um: Ab Februar gibt es die Assistenzsoftware nur noch im Abo. Der bisher mögliche Einmalkauf für rund 6800 Euro entfällt.

Tesla Model Y: Maximale Reichweite trifft minimalen Preis

Tesla Model Y: Maximale Reichweite trifft minimalen Preis

Sebastian Henßler  —  

657 Kilometer Reichweite, Hinterradantrieb und moderater Preis: Tesla schärft das Model Y weiter und zielt auf Vielfahrer mit Blick auf Kosten und Alltag.

BYD schnappt sich Teslas E-Auto-Krone

BYD schnappt sich Teslas E-Auto-Krone

Michael Neißendorfer  —  

Es hat sich schon länger angedeutet, nun ist es offiziell: BYD aus China hat Branchenprimus Tesla als weltweit größten Elektroauto-Hersteller überholt.