Tesla Grünheide: Rekordgewinn und Zellwerk ab 2027

Tesla Grünheide: Rekordgewinn und Zellwerk ab 2027
Copyright:

hydebrink / Shutterstock / 2681145159

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 5 min

Tesla Manufacturing Brandenburg hat das Geschäftsjahr 2025 trotz eines zeitweise schwierigen Marktumfelds mit einem gestiegenen Jahresüberschuss abgeschlossen. Wie aus dem Geschäftsbericht des Unternehmens hervorgeht, lag der Gewinn bei 77,1 Millionen Euro, ein Plus von rund 20 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr. Zuvor hatte der „Tagesspiegel“ über die Zahlen berichtet. Im Werk in Grünheide bei Berlin wird aktuell das Model Y gefertigt, das 2025 das meistverkaufte Elektroauto in Europa war.

Die Kapazitätsauslastung lag mit 54 Prozent leicht unter dem Vorjahreswert von 56 Prozent. Gleichzeitig sanken die Umsatzerlöse von 7,1 Milliarden Euro im Vergleich zu 7,7 Milliarden Euro im Jahr zuvor, was laut Tesla vor allem auf die gesunkene Produktion zurückgehe. Insgesamt rollten 202.000 Fahrzeuge von den Bändern, 9000 weniger als 2024. Ursächlich dafür war die Umstellung der Fertigung auf das Model Y Performance sowie eine neue Exportversion für den kanadischen Markt, wofür Taktstraßen umgerüstet und zeitweise stillgelegt wurden.

Das Werk in Grünheide war 2022 eröffnet worden und beschäftigte Ende 2025 rund 11.000 Menschen einschließlich Leiharbeiter:innen. Damit bleibt es Brandenburgs größter Industriebetrieb. Umweltschützer:innen äußern weiterhin Bedenken, weil sich Teile des Areals in einem Wasserschutzgebiet befinden. Ein Bericht von Tesla kam jedoch zu dem Ergebnis, dass die Fabrik das Grundwasser nicht belastet.

Ausbau auf 375.000 Fahrzeuge geplant

Für das laufende Jahr rechnet Tesla mit einer deutlich steigenden Produktionsmenge. Die Kapazitätsauslastung soll entsprechend zunehmen, mehr als 30 Märkte werden bereits aus Grünheide beliefert, weitere sollen hinzukommen. Konkret peilt der Automobilhersteller ab Oktober eine Fertigung von bis zu 7500 Fahrzeugen pro Woche an, was einer Jahresproduktion von 375.000 Autos entspräche. Dafür sollen 3500 neue Arbeitsplätze entstehen.

Begünstigt wird das Wachstum auch durch die neue staatliche Kaufprämie für Elektroautos. Bei dem Förderprogramm der Bundesregierung waren Tesla-Modelle bislang am stärksten gefragt. Die Zuschüsse für Kauf oder Leasing können je nach Fahrzeug, Einkommen und Familiengröße bis zu 6000 Euro betragen, die Mittel sollen für bis zu 800.000 Fahrzeuge reichen. Risiken sieht Tesla dennoch in einer möglichen Eskalation geopolitischer Spannungen, die Lieferketten unterbrechen könnte.

Batteriezellen aus eigener Fertigung ab 2027 in Grünheide

Neben dem Produktionsausbau verfolgt Tesla ein zweites, deutlich größeres Vorhaben: Ab 2027 sollen in Grünheide Batteriezellen entstehen. Die Investitionssumme wurde von ursprünglich 900 Millionen Euro auf gut 1,1 Milliarden Euro angehoben, zusätzlich sollen 1500 neue Stellen geschaffen werden. Damit will der Automobilhersteller die komplette Wertschöpfungskette von der Zelle bis zum fertigen Auto an einem Standort bündeln, was laut Unternehmensangaben in dieser Form bislang einzigartig in Europa wäre.

Der Zeitpunkt ist bemerkenswert, weil sich fast alle anderen Autobauer zuletzt aus der europäischen Zellfertigung zurückgezogen haben. Northvolt musste Insolvenz anmelden, Porsche wickelte seine Batterietochter Cellforce ab, und das Gemeinschaftsunternehmen ACC von Mercedes-Benz, Stellantis und TotalEnergies stoppte den Bau eines Werks in Kaiserslautern. Volkswagens Batterietochter PowerCo erhielt für ihren Standort Salzgitter immerhin eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2030.

Auch Tesla selbst war mit der eigenen Zelltechnologie bereits einmal gescheitert. Die 2020 vorgestellte 4680-Zelle erwies sich zunächst als zu teuer und technisch nicht ausgereift, weshalb die Fertigung des Model Y mit eigenen Zellen 2023 eingestellt wurde. Auch der Cybertruck, in dem die Zellen später verbaut wurden, verkaufte sich schwach. Die jetzigen Pläne für Grünheide waren bereits 2022 angekündigt, dann aber zugunsten der amerikanischen Fertigung verschoben worden, nachdem die US-Regierung mit dem Inflation Reduction Act milliardenschwere Subventionen bereitgestellt hatte.

Import bleibt trotz Werksausbau nötig

Geplant ist die Produktion von 4680-Rundzellen auf Nickel-Mangan-Kobalt-Basis mit 46 Millimetern Durchmesser und 80 Millimetern Höhe. Das Ziel liegt bei 18 Gigawattstunden pro Jahr, was für etwa 225.000 bis 300.000 Exemplare des Model Y reichen würde. Selbst wenn die Produktion in Grünheide wie geplant auf 375.000 Fahrzeuge steigt, bliebe Tesla damit auf Zellimporte angewiesen. Bislang liefert das Schwesterwerk in Austin die Zellen, zusätzlich kooperiert Tesla mit Herstellern wie BYD, CATL, LG und Panasonic.

Zum Vergleich: Northvolt hatte ursprünglich mit 60 Gigawattstunden Jahreskapazität geplant, mehr als das Dreifache dessen, was Tesla nun in Grünheide anstrebt. Zu hohe Wachstumsambitionen gelten unter Fachleuten als einer der Gründe für den späteren Niedergang des schwedischen Unternehmens. Batterieexperte Michael Krausa verweist gegenüber dem Manager Magazin auf eine Serie gescheiterter Projekte in Deutschland, angefangen bei SB LiMotive über Litarion bis zu Northvolt, ACC und Cellforce. Mit jedem Anlauf gingen demnach Investitionen und erfahrene Teams verloren.

Kostennachteil steht strategischer Überlegung gegenüber

Wirtschaftlich bleibt die Zellfertigung in Europa herausfordernd, da der Zukauf insbesondere aus China durch staatliche Subventionen weiterhin günstiger ist. Tesla begründet den Schritt dennoch mit strategischen Erwägungen. Gegenüber dem manager magazin erklärte das Unternehmen, man mache sich damit unabhängiger von Importen, baue Fertigungstiefe und Know-how am Standort aus und sichere die Batterieversorgung für die eigenen Wachstumspläne.

Als Vorteil gegenüber gescheiterten Wettbewerbern gilt neben der finanziellen Ausstattung auch die Erfahrung aus der Gigafactory in Texas, wo die 4680-Zelle bereits seit 2022 und 2023 in Serie gefertigt wird. Stefan Wolf, Geschäftsführer des Batterieverbunds KLiB, sieht darin einen entscheidenden Unterschied zu früheren europäischen Projekten: Tesla gehe fokussierter vor und verfüge über die notwendigen Mittel, um Rückschläge finanziell aufzufangen.

Auch die Rahmenbedingungen könnten sich zugunsten der europäischen Zellfertigung verschieben. Die EU-Kommission stellt im Rahmen ihres „Battery Booster“-Programms insgesamt 1,5 Milliarden Euro an zinsfreien Darlehen für Zellhersteller mit einer Mindestkapazität von 10 Gigawattstunden bereit. Tesla erklärt, diese Förderung habe bei der Entscheidung keine Rolle gespielt, da der Fördertopf für die Branche vergleichsweise klein sei. Ausschlaggebend seien vielmehr die Entwicklung der Batterietechnologie sowie Zollrisiken und neue chinesische Exportbeschränkungen für Batterietechnik gewesen.

Die baurechtlichen Voraussetzungen für die Zellfertigung sind bereits vorhanden. Das Landesumweltamt Brandenburg genehmigte im September 2025 entsprechende Änderungen am ursprünglichen Bescheid aus dem Jahr 2022, die unter anderem neue Materialanlieferungsbereiche sowie zusätzliche Qualitätsprüfungsflächen betreffen. Nach der Genehmigung hat Tesla drei Jahre Zeit, die Anlage in Betrieb zu nehmen, eine entsprechende Meldung an die Behörden ist laut Amt bislang nicht erfolgt. Für die geplanten 1500 zusätzlichen Stellen sucht Tesla derzeit vor allem Fach- und Führungspersonal, unter anderem für Instandhaltung, Maschinenbedienung und Messtechnik. Auf der eigenen Karriereseite sind aktuell rund 60 offene Positionen für die Zellfertigung ausgeschrieben.

Quelle: Tagesspiegel – Elektroautos: Tesla will in Deutschland expandieren / Manager-Magazin – Tesla macht in Grünheide 2025 mehr Gewinn, aber weniger Umsatz / Manager-Magazin – Batteriezellen aus Deutschland – Teslas nächste große Wette

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Tesla News

Tesla kombiniert 2000 Euro Bonus mit 0 Prozent Finanzierung

Tesla kombiniert 2000 Euro Bonus mit 0 Prozent Finanzierung

Sebastian Henßler  —  

Tesla bringt den Tesla Bonus zurück und senkt den Preis für das Model Y Hinterradantrieb um bis zu 2000 Euro, unabhängig von der Förderung.

Tesla liefert 480.000 Autos im zweiten Quartal 2026

Tesla liefert 480.000 Autos im zweiten Quartal 2026

Sebastian Henßler  —  

Tesla liefert im zweiten Quartal 2026 rund 480.000 Fahrzeuge aus und übertrifft damit den Analysten-Konsens sehr deutlich.

Analysten rechnen mit Teslas bestem Quartal im Jahr 2026

Analysten rechnen mit Teslas bestem Quartal im Jahr 2026

Sebastian Henßler  —  

Tesla dürfte im zweiten Quartal 2026 rund 403.000 Autos ausgeliefert haben. Das wäre ein Plus von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr und 12,5 Prozent zum Vorquartal.

Tesla erhöht die Produktionszahl in Grünheide

Tesla erhöht die Produktionszahl in Grünheide

Daniel Krenzer  —  

Tesla erhöht die Produktion in Grünheide auf 7500 Elektroautos pro Woche und schafft weitere Arbeitsplätze. Das steckt hinter dem Ausbau.

Schweden könnte EU-Zulassung für Teslas FSD-System blockieren

Schweden könnte EU-Zulassung für Teslas FSD-System blockieren

Laura Horst  —  

Teslas FSD-Assistenzsystem ist wegen der Funktion, Geschwindigkeitslimits zu überschreiten, umstritten. Die EU-Abstimmung über die Zulassung steht noch aus.

Tesla verliert Führung im deutschen Elektro-Gebrauchtmarkt

Tesla verliert Führung im deutschen Elektro-Gebrauchtmarkt

Sebastian Henßler  —  

Tesla rutscht im deutschen Gebraucht-Elektromarkt ab: Vier Marken liegen jetzt vor dem US-Hersteller, der 2023 noch fast jeden dritten Gebrauchtwagen stellte.