Technikvergleich BMW i3 – Mercedes C-Klasse EQ: Der Bayern-Trumpf sticht

Technikvergleich BMW i3 – Mercedes C-Klasse EQ: Der Bayern-Trumpf sticht
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Stefan Grundhoff
Stefan Grundhoff
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Nachdem im vergangenen Herbst erstmals BMW iX3 und Mercedes GLC EQ aufeinandertrafen, geht es ein halbes Jahr später in die nächste Runde. Mit ähnlicher Technik treten nunmehr BMW i3 und Mercedes C-Klasse gegeneinander an. Was bieten beide Elektrolimousinen in Sachen Plattform, Ladetechnik und Fahrerassistenz?

Der elektrische Mercedes GLC ist noch nicht einmal auf dem Markt, da legen die Schwaben bereits das Schwestermodell in weich gezeichneter Limousinensilhouette nach. Auch die C-Klasse wird ab Herbst elektrisch und soll dabei nicht zuletzt dem neuen BMW i3 das Leben schwer machen. Im vergangenen Jahr hatte BMW mit seinem neuen Elektro-SUV iX3 rund um die Münchner IAA den ganz großen Auftritt. Der im ungarischen Debrecen produzierte Elektro-Crossover schlug prächtig ein und stahl dabei nicht zuletzt dem direkten Wettbewerber Mercedes GLC EQ die Schau, was die Mercedes-Verantwortlichen mehr als ärgerte.

Das dürfte beim Schwestermodell, der elektrischen Mercedes C-Klasse, nicht viel anders sein, denn auch hier ist der elektrische BMW i3 bei Publikumspremiere und Marktstart ein paar Wochen früher dran als der Wettbewerber mit Stern und dem selbstbewusst im Wind stehenden Plakettenkühlergrill. Der BMW i3 feierte bereits in dieser Woche erneut in München seine offizielle Weltpremiere, während sich die Mercedes-Fans noch bis Ende April gedulden müssen, ehe der C-Klasse EQ in Asien unter Applaus die Elektro-Showbühne betreten dürfte.

In Sachen Plattform und Akkutechnik liegt der BMW i3 gegenüber der elektrischen C-Klasse ebenso weit vorne wie der iX3 gegenüber dem GLC EQ. Neben dem Basismodell des Mercedes C 300 EQ wird als zweite Motorvariante der C 400 EQ 4matic jene Kunden ansprechen, die mehr Leistung und insbesondere einen Allradantrieb wollen. Die beiden Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse dürften nach GLC-Vorbild gemeinsam 360 kW / 489 PS leisten und von einem 94 kWh großen Batteriepaket im Unterboden mit Energie versorgt werden. Damit sollten locker 700 Kilometer bis zum nächsten Ladestopp drin sein. Derweil dürfte das 800-Volt-Bordnetz ein Tanktempo von bis 330 kW garantieren.

Ein ähnliches Bordnetz bietet auch die neue Klasse aus dem Hause BMW, jedoch mit beeindruckenderen technischen Daten. Seine Premiere feiert der 4,76 Meter lange Viertürer in Spätherbst zunächst als BMW i3 50 xDrive. Für den Antrieb sorgen an beiden Achsen Elektromotoren der sechsten Generation mit einer Gesamtleistung von 345 kW / 469 PS. Während an der Hinterachse eine stromerregte Synchronmaschine arbeitet, versorgt die vordere Achse ein Asynchronmotor mit Energie, der komplett abgekoppelt werden kann und so den Verbrauch senkt. Dank des knapp 109 kWh großen Batteriepakets beträgt die maximale Reichweite 900 Kilometer, ehe der Bayer, produziert im Werk München, wieder an die Ladesäule muss, wo er mit bis zu 400 kW erstarkt. Am AC-Lader sind bis zu 22 kW drin. Bei dieser Reichweite können allenfalls die sparsamen Dieselversionen wie bisher ein BMW 320d mithalten.

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So sehr der BMW i3 die elektrische C-Klasse bei der Ladetechnik ausstechen kann, so sehr kann der Schwabe im Innern und bei der Bedienung punkten. Während BMW bei i3 / iX3 auf sein Panoramic Display, Head-Up und zentralen 17,9-Zoll-Bildschirm setzt, bieten C- und GLC-Klasse hier deutlich mehr. Edel, gut verarbeitet und mit einem imposanten Digitalcockpit, das sich mit einer Diagonale von fast einem Meter (39 Zoll) von A- zu A-Säule zieht. Keine Panorama-Spielereien wie im BMW iX3, sondern eine massive Display-Wand, die Eindruck macht, und ein Lenkrad, das besser in der Hand liegt.

Überraschend: im Unterschied zu Mercedes lässt BMW als einer der wenigen Hersteller auch im neuen i3 ein Beifahrerdisplay außen vor. Das Lenkrad bleibt auch in der Limousinenversion Geschmacksache. Der Fahrzeugschlüssel kann wie bei Mercedes zuhause bleiben, denn für die Fahrt braucht es nicht mehr als ein entsprechend vorbereitetes Smartphone. Praktisch: Wer BMW i3 oder Mercedes C-Klasse EQ einmal an Freunde oder Bekannte geben will, kann den digitalen Schlüssel entsprechend per Sendefunktion weiterleiten. Ankommen dürfte bei beiden Mittelklasse-Limousinen das Platzangebot mit bequemen Sitzgelegenheiten vorne wie hinten – angenehm beheizt, elektrisch verstellbar und auf Wunsch gekühlt. Die Komfortausstattung des Elektro-Benz bietet auch der BMW i3, der in München, Mexiko und China vom Band läuft und im Herbst einen identisch aussehenden 3er mit Verbrenner zu Seite gestellt bekommt.

Beim Thema Fahrerassistenz hätte man von beiden Modellen im Modelljahr 2027 mehr erwartet. Level-3-Fahren bieten weder Mercedes noch BMW bei ihren Mittelklassemodellen und haben dieses Extra auch bei den Topversionen S-Klasse und 7er gestrichen – zu hohe Kosten, zu wenig Kundennachfrage und eine Nutzung bis Tempo 60 bzw. 95 allein in Deutschland. Fortgeschrittene Level-2-plus-Funktionen sorgen stattdessen bei beiden Limousinen für Entspannung in Innenstadt und auf der Autobahn, doch echte Lese- oder Ruhezeiten ohne die Augen von der Straße zu nehmen, bietet keiner der beiden.

Mercedes / Dirk Weyenmeyer | Seitenansicht der neuen Mercedes C-Klasse EQ

Für die Vernetzung von Antrieb, Fahrwerk, Bordnetz und Akkupaket sind in beiden Modellen die jeweils neuesten IT-Architekturen verbaut. Während BMW im i3 auf vier Hochleistungsrechner setzt und dem eigens entwickelte Operating System X mit dem „Heart of Joy“ eine stimmungsvolle Marketingbezeichnung gegeben hat, lässt es Mercedes mit dem MB.OS-System etwas bodenständiger, aber ähnlich schnell in Sachen Prozessortechnik angehen. Beide Modelle bieten eigene Sprachassistenten mit KI-Unterstützung für einfache Bedienung von verschiedensten Funktionen – natürlich over-the-air-updatefähig.

Größer sind die Unterschiede beim Fahrwerk. Seinen gehobenen Komfortanspruch folgend ist die elektrische Mercedes C-Klasse auf Wunsch mit einer Luftfederung inklusiv Hinterachslenkung unterwegs, während der Bayer auf Zweigelenk-Federbein-Vorderachse und Fünflenker-Hinterachse setzt – auf Wunsch mit adaptiver Verstellung. Preislich dürfte es für beide Modelle zunächst bei rund 65.000 Euro losgehen. Weitere Motorvarianten mit weniger Leistung werden folgen, was den Einstiegspreise BMW i3 und Mercedes C-Klasse EQ an die 60.000-Euro-Marke drücken dürfte.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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