Studie rechnet mit 34 Millionen Elektroautos in Europa bis 2030

Studie rechnet mit 34 Millionen Elektroautos in Europa bis 2030
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Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
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Elektromotor, Hybrid oder doch Wasserstoff? Ein revolutionärer Wandel bewegt die Automobilindustrie: Um die elektrische, klimaneutrale und vollvernetzte Mobilität der Zukunft kämpfen Autohersteller, Zulieferer und neue Heraus­forderer. Etablierte Industrie­standorte mit Millionen von Arbeits­kräften müssen sich neu erfinden. Die Elektrifizierung ver­än­dert aber nicht nur die Autoindustrie rasant. Denn innovative Technologien und neue Geschäfts­modelle durchbrechen alte Branchengrenzen: Unternehmen aus dem Bereich Telekommunikation flirten mit Carsharing; Supermärkte machen mit Lade­säulen der klassischen Tank­stellen Kon­kurrenz; Elektroautos als Stromspeicher per Vehicle-to-Grid mit dem Netz verbunden fördern erneuerbare Energien; Chemie­unternehmen engagieren sich für Leicht­bau; und die großen Internet-Konzerne arbeiten am autonomen Fahren.

Das Marktforschungsunternehmen Ceresana hat den rasch wachsenden europäischen Markt für elektrisch angetriebene Personen­kraft­wagen unter­sucht, getrennt nach batterieelektrischen Autos (BEV) und Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen (PHEV).

Automobilindustrie unter Strom

Die Transformation der Fahrzeugindustrie habe enorme wirtschaftliche Aus­wirkungen: Derzeit sind in Europa mehr als 357 Millionen Pkw unterwegs, davon 37 Prozent in Osteuropa inklusive Russland und der Türkei. Noch über­wiegen Autos mit Benzin- oder Diesel­motoren (ICE). Die Elektro­mobilität wird aber in vielen Staaten massiv gefördert und prescht von einem Rekord zum nächsten.

Gegen den allgemeinen Trend erreichten elektrisch angetriebene Fahr­zeuge im vergangenen Jahr einen Durchbruch: Während die Zahl der Neuzulassungen im Gefolge der Corona-Krise europaweit im Vergleich zu 2019 insgesamt um fast 21 Prozent einbrach, legten die Verkäufe von Elektroautos massiv zu. In Westeuropa haben PHEV und BEV nun bereits einen Anteil von 12,4 Prozent an den Neuzulassungen. Die europäischen Auto­produzenten Volks­wagen, BMW, Daimler und Renault konnten dabei gegenüber dem Branchenprimus Tesla und asiati­schen Herstellern wie BYD deutlich aufholen.

Fast alle europäischen Staaten fördern mit finanziellen und rechtlichen Anreizen den Kauf von emissionsarmen Fahrzeugen. Selbst vergleichs­weise arme Länder, wie z.B. Rumänien, Griechenland oder die Slowakei, gewähren großzügige Zuschüsse und Kredite für die Anschaffung von umweltfreundlichen Elektroautos. Gleichzeitig werden CO2-Emissionen von Verbrennungs­motoren bei Kfz-Steuern, Maut- und Park-Gebühren oder Versicherungen zunehmend mit Abgaben belegt. Die Produktion von Batterie-Systemen, aber auch die Ladeinfrastruktur wird massiv ausge­baut. Wesentliche Treiber der Elektromobilität sind die Vorgaben der Europäischen Union, die im Rahmen ihres „Green Deal“ die Grenzwerte für Treibhausgas-Emissionen immer weiter verschärft.

CleanTech erobert die grüne Zukunft

Die Analysten von Ceresana erwarten für ganz Europa, dass die Neuzulassungen von elektrisch angetriebenen Fahrzeugen (PHEV & BEV) bis 2030 auf mehr als 8,7 Millionen pro Jahr wachsen werden. Für BEV bedeutet dies einen durchschnittlichen Anstieg von 25 Prozent pro Jahr; PHEV sollen voraussichtlich um 11,7 Prozent zulegen. Mit Zuwächsen von rund 33,8 Prozent bei BEV und 29,2 Prozent bei PHEV erreichen die Länder in Osteuropa die höchsten Steigerungen – allerdings von einem vergleichsweise geringen Niveau aus.

Gleichzeitig dürften sonstige Antriebstechnologien, also vor allem Autos mit konventionellen Verbrennungsmotoren, in ganz Europa einen Rück­gang von insgesamt voraussichtlich 3,4 Prozent jährlich verzeichnen. Der Prognose von Ceresana zufolge werden im Jahr 2030 auf Europas Straßen fast 34 Millionen reine Elektroautos und 13,8 Millionen Plug-in-Hybride fahren. In Westeuropa steigt damit der Anteil von Elektroautos am gesamten Fahrzeugbestand von rund 1 Prozent im Jahr 2020 auf voraussichtlich 20 Prozent im Jahr 2030.

Die aktuelle Studie von Ceresana berücksichtigt Veränderungen der Innovations- und Marktzyklen, Technologie und Effizienzsteigerung der Antriebsstränge, aber auch die spezifische Situation in den verschiedenen Ländern: Gesellschaftliche und ökonomische Trends wie Einkommensentwicklung, Fahrleistung, demografischer Wandel und Urbanisierung unterscheiden sich innerhalb Europa sehr. Von Kleinwagen über Mittelklasse- bis zu Luxus- und Sportwagen müssen Autohersteller ihr Produktportfolio und die Produktionskapazitäten für Elektroautos an die Ansprüche der jeweiligen Konsumenten anpassen. Das Bewusstsein für Umweltschutz und Nachhaltigkeit, das Interesse für Recycling und Kreislaufwirtschaft sind nicht überall gleich ausgeprägt – entsprechend auch nicht die staatlichen Subventionen und Förderprogramme. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur und die Umsetzung der politischen und rechtlichen Vorgaben zum Klimaschutz werden mit unterschiedlich großem Enthusiasmus vorangetrieben.

Quelle: Ceresana – Pressemitteilung vom 22.03.2021

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Michael Neißendorfer

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Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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