Im spanischen Werk Figueruelas bei Saragossa zeigt sich schon heute, wie Stellantis seine europäischen Fabriken künftig füllen will: Neben Modellen wie dem Peugeot 208 und dem Lancia Ypsilon läuft dort inzwischen das elektrische SUV Leapmotor B10 vom Band. Den Produktionsstart verkündete Leapmotor zum Pariser Autosalon, angekündigt war er bereits im Mai in der Stellantis-Mitteilung zur Partnerschaft. Für das neue Modell schrieb das Werk laut der Gewerkschaft UGT 450 bis 500 Stellen aus, die allerdings auf sechs Monate bis ein Jahr befristet sind.
Dahinter steht eine grundsätzliche Weichenstellung. Konzernchef Antonio Filosa will die Überkapazitäten in Europa offenbar nicht über Werksschließungen abbauen, sondern vorhandene Standorte teilweise mit Fertigung für die chinesischen Partner Leapmotor und Dongfeng auslasten. Beim Paris Automotive Summit am Rande des Autosalons sagte er laut einem Bericht von Euronews: “Wir haben überschüssige Produktionskapazitäten, besonders in Europa, aber wir wollen keine Werke schließen.” Die Partnerproduktion soll den eigenen Konzernmarken dabei keine direkte Konkurrenz machen. Wie diese Trennung konkret aussehen soll, ließ Filosa offen.
Wie groß der Druck ist, zeigt eine Analyse von AlixPartners. Bei einer Jahreskapazität von rund 6,5 Millionen Autos kommen die europäischen Stellantis-Werke demnach auf eine durchschnittliche Auslastung von 46 Prozent, 2017 waren es noch 71 Prozent. Von den 24 Standorten liegen 14 unter der Schwelle von 50 Prozent. Ein Extremfall ist das italienische Cassino, wo nach Angaben der Gewerkschaft Fiom-Cgil im Jahr 2025 nur knapp 19.500 Autos vom Band liefen, bei einer nominellen Kapazität von 285.000 Einheiten jährlich.
In Saragossa soll es nicht beim B10 bleiben. Ab 2028 könnte auf einer neuen Produktionslinie ein elektrisches Kompakt-SUV von Opel hinzukommen. Gestaltet wird das bislang namenlose Modell in Rüsselsheim, während Kernkomponenten der elektrischen Architektur sowie die Batterietechnik von Leapmotor stammen sollen, um die Kosten zu senken.
Auch Madrid ist eingeplant. Im Werk Villaverde endet absehbar die Fertigung des Citroën C4, ab dem ersten Halbjahr 2028 soll dort ein künftiges Leapmotor-Modell entstehen. Vertreiben will es Leapmotor International in Europa, im Nahen Osten und in Afrika, Modellname und Stückzahlen nennt Stellantis nicht. Im Gespräch ist sogar eine Übertragung des Werks an die spanische Tochter von Leapmotor International. An diesem Joint Venture hält Stellantis 51 und Leapmotor 49 Prozent.
Viele Pläne, kaum Verbindliches in Sicht
In Frankreich richtet sich der Blick auf Rennes-La Janais. Dort läuft derzeit nur noch der Citroën C5 Aircross auf einer einzigen Linie, künftig könnten Elektroautos und Hybride von Dongfeng hinzukommen. Grundlage ist ein im Mai unterzeichnetes, nicht bindendes Memorandum of Understanding über ein europäisches Gemeinschaftsunternehmen unter Führung von Stellantis, das Vertrieb, Fertigung, Einkauf und Engineering bündeln soll. Über diese Struktur soll zudem Dongfengs Marke Voyah in ausgewählten Märkten angeboten werden.
Ein konkretes Modell oder einen Starttermin für Rennes nennt der Konzern offiziell nicht, Medienberichte bringen den Voyah Courage ins Spiel. Klar davon zu trennen ist die bereits angekündigte Produktion neuer Peugeot- und Jeep-Modelle im chinesischen Joint Venture DPCA in Wuhan, die 2027 anlaufen soll. Unter Vorbehalt stehen auch die spanischen Projekte. Nach Angaben von Stellantis laufen Machbarkeitsstudien, endgültige Verträge und Genehmigungen fehlen noch. Der Hersteller hält ausdrücklich fest, es gebe keine Garantie, dass die Vorhaben wie beschrieben oder überhaupt umgesetzt werden.
Hinzu kommt ein Spannungsverhältnis zum eigenen Strategieplan. Dieser sieht vor, die europäische Kapazität um mehr als 800.000 Autos zu verringern und die Auslastung bis 2030 von 60 auf 80 Prozent zu steigern. Die Partnerschaften in Madrid, Saragossa und Rennes zählt Stellantis dabei zu den Hebeln für den Kapazitätsabbau. Parallel sieht Filosa Bedarf an weiteren Batteriefabriken in Europa, um die Nachfrage zu bedienen und kommende “Made in Europe”-Vorgaben zu erfüllen.
Für die deutschen Standorte Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern ist bislang keine Partnerfertigung angekündigt. Mit seinem Kurs grenzt sich Stellantis vom Volkswagen-Konzern ab, der konzernweit rund 50.000 Stellen abbauen will und vier deutschen Werken ab den 2030er-Jahren keine Folgeproduktion zusichert. Ganz allein steht Filosa mit dem Ansatz allerdings nicht: Auch Ford will sein schwach ausgelastetes Werk bei Valencia künftig gemeinsam mit Geely betreiben.
Quelle: heise.de – Stellantis-Chef: Chinesische Partner sollen europäische Werke auslasten







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