Steigende Ladekosten: Öffentliches Laden wird immer teurer

Steigende Ladekosten: Öffentliches Laden wird immer teurer
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Hannes Dollinger
Hannes Dollinger
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Erinnern Sie sich noch an die Zeiten, an denen vor Supermärkten kostenlos geladen werden konnte? Das ist an den meisten Ladesäulen schon lange Geschichte. Die Preise für Strom an öffentlichen oder halb-öffentlichen Ladestationen für Elektroautos haben in den letzten Jahren kontinuierlich und teilweise drastisch angezogen. So bleibt von den Vorteilen der Elektromobilität zumindest im Geldbeutel nicht mehr viel übrig.

In Deutschland beträgt der durchschnittliche Preis für Gleichstrom an Schnellladestationen mittlerweile 75 Cent pro Kilowattstunde (kWh), bei Wechselstrom etwa 67 Cent pro kWh. So berechnet Edison im jüngsten „Charging Radar“, dass ein VW ID.3 mit einer 77kWh fassenden Batterie für eine Fahrt mit 550 km schon einmal 57,75 Euro zahlen muss. Dabei ist sogar von Höchstpreisen bis zu 1,37 Euro pro kWh die Rede. Ein Betrag, der die Kosten für einen Tankstopp bei einem vergleichbaren Verbrenner deutlich übersteigen kann. Das sind Summen, die viele Fahrer von Elektroautos ins Grübeln bringen dürften.

Der durchschnittliche Haushaltsstrom liegt dagegen aktuell bei rund 37 Cent pro kWh. Beim Laden zuhause halbiert sich also der Preis für eine Fahrt. Oder andersrum ausgedrückt:  Es verteuert sich das Laden massiv für Fahrer, die beispielsweise in Mietwohnungen leben. Wer keine eigene Lademöglichkeit am Wohnort besitzt, ist auf das öffentliche Ladenetz angewiesen und sieht sich oft gezwungen, die teureren Ladetarife wählen zu müssen. Das Argument, dass Strom im Vergleich zu Benzin oder Diesel günstiger sei und sich Elektroautos langfristig ökonomisch lohnen, verliert sich durch diese Entwicklung. Der Preisnachteil, den Elektroautos dadurch im Vergleich zu Verbrennern haben, darf einfach nicht sein.

Ladeanbieter verschärfen die Preisgestaltung noch zusätzlich, indem sie „Fremdladen“ oder das Roaming bei anderen Netzbetreibern durch Preisaufschläge teurer machen. Während einige Anbieter, wie etwa EnBW oder Aral Pulse, günstigere Tarife für die eigenen Ladepunkte mit Grundgebühren anbieten, werden höhere Preise fällig, wenn E-Autofahrer Ladesäulen anderer Betreiber nutzen. Dies kann dazu führen, dass Elektroautofahrer, die keine monatlichen Grundgebühren zahlen oder flexibel verschiedene Anbieter nutzen möchten, regelmäßig den höchsten Preis zahlen. Für Elektroautos, deren Anschaffung und Leasing grundsätzlich ohnehin teurer als bei vergleichbaren Verbrennerfahrzeugen sind, fällt dadurch ein wichtiger Kostenvorteil weg.

Ein positives Zeichen im Bereich der Elektromobilität bleibt aber der Ausbau der Ladeinfrastruktur. Im Jahr 2024 verzeichnete Deutschland laut der Charging Radar-Erhebungen eine Zunahme öffentlicher Ladepunkte um fast 36 Prozent. Mittlerweile gibt es rund 154.500 Ladepunkte, davon mehr als 35.000 Schnellladepunkte mit wenigstens 50 Kilowatt Leistung. In urbanen Gebieten und an Verkehrsknotenpunkten wird der Trend zum Gleichstrom-Laden (DC) mit Leistungen von über 100 Kilowatt deutlich spürbar.

Die Nachfrage nach schnellen Ladepunkten zeigt, dass Elektroauto-Besitzer, die im Alltag keine Lademöglichkeit zuhause oder am Arbeitsplatz haben, auf diese schnelle Ladeoption zurückgreifen. Besonders entlang von Autobahnen und an städtischen Supermärkten, wo das Schnellladen während kurzer Stopps zum Einkaufen genutzt werden kann, steigt das Ladeangebot. In Sachen Praxistauglichkeit gibt es laut ADAC aber gerade an Raststätten noch Aufholbedarf.

Die aktuelle Preispolitik schadet dem E-Auto-Hochlauf

Um die gewünschte breite Akzeptanz der Elektromobilität zu erreichen, muss diese Frage nach gleichmäßig stabilen Preisen beim Laden aber beantwortet werden: Wenn sich E-Mobilität finanziell nur für diejenigen lohnt, die eine private Ladeoption besitzen, bleibt der Markt auf eine relativ kleine Zielgruppe begrenzt. Eine Aufgabe für die Bundesregierung, sicher zu stellen, dass das öffentliche Laden keine Barriere für Interessierte darstellt. Modelle wie die Preisregulierung bei Ladeinfrastrukturen oder spezielle Subventionen für den öffentlichen Ladestrom könnten helfen, die Vorteile des Elektroautos für alle Bürger nutzbar zu machen und so die Akzeptanz und den Nutzen der Elektromobilität zu fördern.

Die derzeitige Preispolitik bei öffentlichen Ladepunkten könnte, wenn sie so weitergeführt wird, die Elektromobilität in ihrer Entwicklung bremsen. Neben den nötigen Investitionen in die Ladeinfrastruktur braucht es eine Preistransparenz und Preisregulierung, die sicherstellen, dass das elektrische Fahren auch im Vergleich zum Verbrenner auf Dauer attraktiv bleibt. Denn ein Elektroauto, das ökologisch sinnvoll ist, muss auch ökonomisch Vorteile bieten. Andernfalls bleibt die Frage, warum E-Mobilität eine zukunftsfähige Lösung sein sollte, für viele Autofahrer unbeantwortet.

Quelle: Edison – Charging Radar

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Hannes Dollinger

Hannes Dollinger

Hannes Dollinger schreibt seit Februar 2023 für Elektroauto-News.net. Profitiert hierbei von seinen eigenen Erfahrungen aus der Welt der Elektromobilität.

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