Slate stellt Elektro-Pick-up für 25.000 Euro vor

Slate stellt Elektro-Pick-up für 25.000 Euro vor
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Slate

Stefan Grundhoff
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Eine Billig-Automarke aus den USA? Nachdem Yugo vor Jahrzehnten vom amerikanischen Kontinent verschwunden ist, gibt es mit Slate erstmals wieder einen Fahrzeughersteller, der in den USA günstige Preise mit moderner Technik kombinieren will. Gestatten: Slate.

Yugo hat es in den 1980ern vorgemacht, Dacia hat es perfektioniert und Skoda gezeigt, was als günstige Automarke alles möglich ist – selbst im so anspruchsvollen Europa. Jetzt will das US-Start-Up Slate zeigen, dass so etwas auch in den USA funktioniert. Ebenso sehenswerte wie praktische Autos mit zeitgemäßer Technik zum günstigen Preis. Zwei der reichsten Männer der Welt treten nunmehr erstmals auf dem Automarkt gegeneinander an – natürlich elektrisch. Elon Musk hat es mit Tesla vorgemacht und den Autohersteller zu einer Ikone werden lassen, der mit dem Tesla Model Y das meistverkaufte Fahrzeug der Welt produziert.

Ihm folgt nunmehr US-Milliardär Jeff Bezos, der nach Amazon mit dem US-Start-Up Slate das nächste Massenprodukt unter die Konsumenten bringen möchte – diesmal auf vier Rädern. Bezos ist zwar nicht Inhaber von Slate, jedoch einer der größten finanziellen Unterstützer. Slate ist keine neue Art der Mobilität, sondern ein einfaches Auto, das durch seine variable Plattform einen zweisitzigen Pick-up ebenso beheimaten kann wie eine fünfsitzigen SUV. Niedrige Entwicklungs- und Produktionskosten gepaart mit einer minimalen Varianz sollen für günstige Preise sorgen. Nach Abzug steuerlicher Vergünstigungen sollen die Slate-Modelle bei rund 20.000 US-Dollar beginnen, vor Förderung sind 28.000 US-Dollar angepeilt, was knapp 25.000 Euro entspricht.

„Die Definition dessen, was erschwinglich ist, ist zerbrochen“, sagt Slate-CEO Chris Barman, „Slate existiert, um die Macht zurück in die Hände der Kunden zu legen, die von der Autoindustrie ignoriert wurden. Slate ist eine radikale Nutzfahrzeug-Plattform, die so anpassbar ist, dass sie sich von einem zweisitzigen Pick-up zu einem fünfsitzigen SUV verwandeln kann.“ Das Design des 4,44 Meter langen Autos ist einfach, geradlinig, schnörkellos und irgendwie sympathisch. Ein bisschen Ford Bronco, etwas Jeep Wrangler oder Ford Maverick und ein Hauch Rivian.

Mit seinem Radstand von 2,76 Meter bietet der Slate Pick-up im Führerhaus Platz für zwei bis drei Personen, die sich über die karge Instrumentierung genauso wundern dürften wie über Fensterkurbeln und Stahlfelgen. Ein kleines Infodisplay für den Fahrer, den Rest erledigt das eingeclipste Smartphone oder Tablet der Insassen – abseits der USB-Ports keinen Schnick-Schnack, doch vielleicht auch etwas viel automobile Kargheit für die zweite Hälfte der 2020er Jahre. Doch der Slate Pick-up will in erster Linie ein praktisches Nutzfahrzeug sein. Mit zahlreichen Modulen und praktischen Details lassen sich die Slate-Modelle maximal individualisieren.

Slate SUV Pick-up Cockpit
Slate

Für den Antrieb sorgt zumindest im ersten Schritt nur ein Elektromotor an der Hinterachse mit 150 kW (204 PS) und 264 Nm maximalem Drehmoment. Das reicht für 150 km/h Spitze und dank eines Akkupakets von knapp 53 kWh für 150 Meilen, gut 240 Kilometer. Optional ist ein 84 kWh großes Batteriepaket zu bekommen, mit dem fast 400 Kilometer bis zum nächsten Ladestopp drin sein sollen. Nachgeladen wird entweder an der Wallbox mit elf Kilowatt oder 120 Kilowatt an einem Schnelllader – nicht viel, aber ausreichend für viele der Kunden, die zumeist Gewerbetreibende sein dürften. Der knapp 1,7 Tonnen schwere Pick-up kann auf seiner offenen Ladefläche immerhin 650 Kilogramm zuladen und leichte Anhänger bis 450 Kilogramm an den Haken nehmen.

Der elektrische Pick-up, unterwegs auf McPherson-Achse vorn und De-Dion-Hinterachse mit 17-Zöllern, lässt sich mit Zubehörteilen zu einem SUV oder offenen Crossover umfunktionieren. Auch Außen gibt es zahlreiche Anbauteile und Folien, um den Slate zu einem echten Einzelstück werden zu lassen. Für Sicherheit sorgen entsprechende Regelsysteme und bis zu acht Airbags. Wer Lust bekommen hat – die Vorbestellungen kosten gerade einmal 50 Dollar. Kein Wunder, dass die Nachfrage riesengroß ist. Ein Start auch in Europa? Alles andere als unwahrscheinlich.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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