„Lightshow“ für Fußgänger: Wie Opel autonomes Fahren sicherer machen will

„Lightshow“ für Fußgänger: Wie Opel autonomes Fahren sicherer machen will
Copyright ©

Opel

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

Auf dem diesjährigen Internationalen Symposium für Automobilbeleuchtung (ISAL) haben Opel und Mutterkonzern Stellantis sowie die Technische Universität Darmstadt (TU Darmstadt) einen speziellen Opel Grandland präsentiert. Das Demonstrationsfahrzeug zeigt, wie autonom fahrende, SAE Level 3-fähige Autos – Fahrer dürfen dabei die Hände vom Lenkrad nehmen und den Blick von der Straße abwenden – in Zukunft über Beleuchtungssysteme mit anderen Verkehrsteilnehmern kommunizieren könnten.

Bei Opel gehen die Entwicklungsziele bei der Lichttechnik laut einer aktuellen Mitteilung weit über die Verbesserung der Sichtbarkeit hinaus: Es gehe darum, sicherere und intelligentere Interaktionen im Straßenverkehr zu schaffen. Auf dem Internationalen Symposium stellten Philipp Röckl, Global Lead Lighting bei Stellantis, und Julisa Le, Lead Innovation Engineer, ein zukunftsweisendes Konzept vor, bei dem es darum geht, wie autonome Fahrzeuge ihre Beleuchtung und zusätzliche Lichter nutzen können, um mit Fußgängern und anderen Verkehrsteilnehmern zu kommunizieren. Um ihre Ideen zu verwirklichen, arbeiteten sie eng mit den Experten der Konzeptentwicklung bei Opel, Studenten der TU Darmstadt und den KI-Experten des Unternehmens JAAI zusammen. Das Ergebnis ist ein ganz besonderer Opel Grandland.

„Scheinwerfer spielen natürlich eine zentrale Rolle bei der Verbesserung der Verkehrssicherheit, aber moderne Lichtsysteme können noch viel mehr. Beispielsweise lassen sich Lichtsignaturen leicht animieren und für Animationen verwenden“, erklärt Röckl. So könne etwa der beleuchtete Blitz auf dem Opel Grandland durch ein Display ersetzt werden, das sowohl das Markenlogo anzeigt als auch zur Kommunikation mit anderen Verkehrsteilnehmern und Fußgängern genutzt werden kann. „Bereits bestehende Beleuchtungselemente geben uns die Möglichkeit, Kommunikationsfunktionen leicht hinzuzufügen, sobald wir autonome Fahrfunktionen in unseren Autos einführen“, sagt Röckl.

Um zu demonstrieren, wozu Autos in der Zukunft in der Lage sind, definierte das Team zunächst die Anwendungsfälle, nämlich „mögliche Gefahr für Fußgänger oder eine andere Situation“ und „die Situation ist sicher und die Gefahr für Fußgänger besteht nicht mehr“. In der Praxis kennen die meisten Autofahrer diese Situationen etwa dann, wenn beispielsweise ein Kind einem Ball hinterher auf die Straße läuft oder ein Fußgänger zwischen zwei geparkten Autos hervortritt. Vor diesem Hintergrund statteten das Entwicklungs-Team den Opel Grandland mit einem Kamerasystem zur Objekt- und Gestenerkennung sowie einem System zur Vorhersage möglicher Folgehandlungen mittels künstlicher Intelligenz aus. Im Anschluss wurden die Lichtsysteme auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse verfeinert.

Auf SAE Level 3 oder einem höheren Modus leuchten die vorderen und hinteren Blinker des Opel Grandland permanent cyanfarben – ein klares Signal für andere Verkehrsteilnehmer. Gleichzeitig bleibt die übrige Signaturbeleuchtung im gewohnten Weiß. Wenn die Kamerasysteme einen Fußgänger auf dem Weg des Fahrzeugs erkennen, wechselt die Signaturbeleuchtung zu Magenta und das Display zeigt ein Warnsignal in derselben Farbe an, um den Fußgänger visuell auf das herannahende Auto aufmerksam zu machen. Gleichzeitig bremst das Fahrzeug.

Sobald der Grandland zum Stillstand gekommen ist, wechselt die Signaturbeleuchtung zu Grün und das Display zeigt eine grüne Fußgängerfigur, wie sie von Ampeln bekannt ist. So wird angezeigt, dass das Auto die Gefahr erkannt hat, zum Stillstand gekommen ist und der Fußgänger nun die Straße sicher überqueren kann. Für den Fall, dass der KI-Algorithmus die Situation nicht bewältigen kann, wird der Fahrer in Übereinstimmung mit den Industriestandards für ADAS-Protokolle aufgefordert, wieder die Kontrolle über das Fahrzeug zu übernehmen.

„Wir haben bewusst Farben gewählt, die nicht bereits mit anderen Fahrzeugfunktionen assoziiert werden, um Missverständnisse zu vermeiden. Rot ist beispielsweise intuitiv verständlich, wird aber bereits für Ampeln oder die Rückleuchten von Autos verwendet. Cyan und Magenta wurden hinsichtlich ihrer Wahrnehmung gründlich untersucht und kommen derzeit in Verkehrssituationen nicht zum Einsatz. Beide gewährleisten eine klare, eindeutige Kommunikation mit anderen Verkehrsteilnehmern“, erklärt Le.

Opel, Stellantis und die TU Darmstadt arbeiten seit 2022 gemeinsam an der Forschung zu neuen Lichttechnologien. Die Kooperation ist Teil des globalen Stellantis-Forschungsnetzwerks mit renommierten Universitäten. In den sogenannten „OpenLabs“ werden wissenschaftliche Erkenntnisse für den Einsatz in Technologiesystemen zukünftiger Fahrzeuggenerationen gewonnen. Ziel der strategischen Partnerschaft mit der TU Darmstadt ist es, eine neue Ära der Beleuchtungstechnologien einzuläuten. Darüber hinaus finanziert Stellantis derzeit vier Doktorandenstellen im Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik der Universität.

Quelle: Opel – Pressemitteilung vom 23.09.2025

worthy pixel img
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Opel News

Opel Frontera Electric ER bis zu 100 km mehr Reichweite

Opel Frontera Electric ER bis zu 100 km mehr Reichweite

Fabian Mechtel  —  

Die Extended Range Variante des Opel Frontera Electric kombiniert effiziente LFP-Technik, bessere Aerodynamik und bis zu 406 km Reichweite.

Opel Astra: Rüsselsheimer schärfen Design und Technik nach

Opel Astra: Rüsselsheimer schärfen Design und Technik nach

Fabian Mechtel  —  

Mit 58 kWh Akku, mehr Reichweite und neuen Features wie Vorkonditionierung und V2L steigert der Astra Electric 2026 seine Alltagstauglichkeit deutlich.

Wie Opel den GSE Elektro-Rally-Cup noch attraktiver machen will

Wie Opel den GSE Elektro-Rally-Cup noch attraktiver machen will

Michael Neißendorfer  —  

Mit vielen Neuerungen, einem stärkeren Auto und einem internationaleren Terminkalender geht der ADAC Opel GSE Rally Cup in der Saison 2026 an den Start.

Opel Astra Facelift: Und endlich leuchtet der Blitz

Opel Astra Facelift: Und endlich leuchtet der Blitz

Michael Neißendorfer  —  

Opel illuminiert im Astra-Facelift seinen ikonischen Blitz. Und die Elektro-Version könnte einen größeren Akku und somit mehr Reichweite erhalten.

Opel Mokka GSE Rally: Der nächste Schritt im E-Rallyesport

Opel Mokka GSE Rally: Der nächste Schritt im E-Rallyesport

Vanessa Lisa Oelmann  —  

Auf dem Circuito de Jamara erleben wir den Mokka GSE Rally im Grenzbereich: Regen, Drifts und Sound aus der Büchse machen dies zum echten Adrenalinerlebnis.

Fahrbericht Opel Mokka GSE: Kompakt-SUV mit Rallye-DNA

Fahrbericht Opel Mokka GSE: Kompakt-SUV mit Rallye-DNA

Vanessa Lisa Oelmann  —  

Der Mokka GSE setzt auf Rallye-Gene, sportliches Handling und starke Bremstechnik, verliert aber durch langsames Laden und wenig Reichweite an Alltagspunkten.

Opel-Chef: „Nur Elektro bis 2028 wird nicht funktionieren“

Opel-Chef: „Nur Elektro bis 2028 wird nicht funktionieren“

Sebastian Henßler  —  

Einen Elektro-Corsa für 25.000 Euro in Deutschland zu bauen, sei laut Opel-Chef Huettl unmöglich – zu hoch seien Arbeits- und Energiekosten.