Der europäische Automarkt steht unter Druck, und für viele Automobilhersteller rücken deshalb Regionen außerhalb des Kontinents stärker in den Fokus. Brasilien gehört dazu: Mehrere Marken, gerade aus China, haben dort in den vergangenen Jahren umfangreich investiert, um neue und vor allem elektrische Modelle auf den Markt zu bringen. Für die Renault Group stellt sich damit die Frage, wie sich Wachstum und Elektrifizierung jenseits des Heimatmarkts Frankreich verbinden lassen.
Antworten darauf gibt François Provost, CEO der Renault Group, im Interview mit Press-Inform. Der Konzern arbeitet seit vergangenem Jahr mit dem chinesischen Automobilhersteller Geely zusammen und betreibt in Curitiba ein gemeinsames Werk. Dort entstehen neben eigenen Produkten unter anderem die Modelle Geely EX2 und EX5. Renault ist nach Provosts Angaben seit den späten 1950er Jahren in Südamerika aktiv und betreibt den Standort in Curitiba seit 1998, nach eigener Darstellung erfolgreich.
Um auf internationalen Märkten wettbewerbsfähig zu sein, müssten Autos aus Sicht des CEO möglichst lokal entwickelt und produziert werden. Deshalb baut Renault die Zusammenarbeit mit Geely aus: Bis 2027 sollen weitere 319 Millionen Euro investiert werden, womit sich das Gesamtinvestment von Renault Geely do Brasil auf 899 Millionen Euro erhöht. Dass die Expansion im Vergleich zu anderen Herstellern spät kommt, räumt Provost offen ein: „Wir sind etwas spät dran, das stimmt.“ Zunächst habe der Konzern die Lage in Europa in Ordnung bringen müssen, bevor andere Märkte wie Brasilien an der Reihe seien.
Auf die Bedeutung Brasiliens im Vergleich zu Europa angesprochen, verweist Provost auf den erheblichen Druck, unter dem der europäische Automarkt stehe. Das betreffe nicht nur Frankreich und Renault, sondern nahezu alle Länder und Marken. Die europäischen Regelungen der vergangenen Jahre machten das Auto schlicht zu teuer. Aus diesem Grund solle man die Regularien für zehn Jahre einfrieren, andernfalls würden die Autos für Kunden noch teurer. Die Kosten müssten insgesamt sinken.
Renault: Hybrid ja, Mildhybride ausdrücklich nein
Bislang konzentriert Renault seine Elektromodelle wie Renault 4, Renault 5 oder Megane E-Tech auf den europäischen Markt. Auch in Südamerika sieht Provost einen klaren Trend zur Elektrifizierung, der elektrische Antrieb sei dabei aber nur eine Möglichkeit. In einem Land wie Brasilien mit seinen Ethanolantrieben gehe es zudem um Hybridtechnik, die Renault anbieten werde. Bei einer Variante zieht er eine klare Grenze: „Reine Mildhybriden sind jedoch ein Fake“, diese werde es nicht geben.
Der lokale Automarkt passe sich rasch an, das zeige sich vor allem bei den elektrischen Modellen. Dabei hilft laut Provost die Kooperation mit Geely, weil Renault dadurch deutlich schneller mit Elektroautos in den Markt kommt. Für 2030 hat sich der Konzern zum Ziel gesetzt, die Hälfte des Absatzes außerhalb Europas zu erzielen und den Anteil elektrischer und hybrider Antriebe auf diesen Märkten auf 50 Prozent zu steigern. Die Bedeutung von Märkten wie Brasilien solle man nicht unterschätzen, so der CEO. Nach seinen Worten entfallen 40 Prozent der Steigerungen außerhalb der Kernregionen China, USA und Europa auf Indien.
Auf die Frage nach weiteren Kooperationen, auch mit Blick auf die Verbindungen zu Nissan und Mitsubishi, zeigt sich Provost grundsätzlich offen. Außerhalb Europas sei Renault bei der Ausgestaltung solcher Partnerschaften flexibler, in Europa wolle der Konzern die Technik selbst in Händen halten. Auch außerhalb des Kontinents werde man nicht viele Partnerschaften eingehen, sondern nur dort, wo sie „wirklich etwas bringen“.
Rückenwind sieht der CEO im Strategieplan futuREady. Die soliden Ergebnisse des ersten Halbjahres zeigten, dass dieser „mehr als ein Strategieplan“ sei, er entwickle sich zu einer völlig neuen Arbeitsweise der Renault Group. Als wachstumsorientierter Plan liefere futuREady bereits erste spürbare Ergebnisse, etwa beim Umsatzwachstum von 10 Prozent, das Provost auf die starke produktbezogene Dynamik durch den Plan zurückführt.
Quelle: press:inform – per Mail









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