Renault-Chef: Ja zur Elektrifizierung, aber langsamer

Renault-Chef: Ja zur Elektrifizierung, aber langsamer
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Laura Horst
Laura Horst
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Der Renault-Chef François Provost will an der Elektrifizierung der Marke festhalten und Elektroautos weiterentwickeln. Gleichzeitig fordert er von der Europäischen Union schnellere Entscheidungen und mehr Flexibilität in Hinblick auf die Emissionsregeln, da es laut dem Renault-CEO andernfalls zum „Niedergang“ der europäischen Autoindustrie kommen könnte.

„Einerseits bin ich erfreut darüber, dass es ein Gefühl der Dringlichkeit dafür gibt, dass etwas getan werden muss, bei der EU-Kommission und bei den meisten Regierungen, mit dem Bewusstsein, dass wir ohne Änderungen den Niedergang von Europas Autoindustrie verursachen“, erklärte Provost gegenüber internationalen Medien, darunter die FAZ. Zugleich kritisierte er, dass es bisher keine konkreten Lösungsansätze gibt.

Der Renault-CEO, der seine neue Rolle Ende Juli 2025 übernommen hat, will zwar weiter an der Elektrifizierung festhalten, sagt aber auch: „Eine schnelle Elektrifizierung ist unrealistisch“. Er unterstützt daher die Forderung nach mehr Flexibilität in Hinblick auf die Regeln ab 2035, etwa in Form von technischer Neutralität und mit Einbeziehung von Plug-in-Hybriden.

Schnelle Lösungen seitens der EU nötig

„100 Prozent elektrisch bis 2035 ist nicht möglich“, ist Provost überzeugt. Ebenso müsse eine Lösung für die ab 2030 geltenden Vorschriften erreicht werden, die bereits eine drastische Verringerung der Flottenemissionen vorschreiben und bei den batterieelektrischen Autos einen Zulassungsanteil von 50 Prozent vorsehen. Nach Ansicht des CEOs reiche es nicht aus, die Frist um zwei Jahre auszudehnen.

Die EU sei zudem ihrem Versprechen nicht nachgekommen, das Ladeangebot im großen Stil weiterzuentwickeln. Zwar gebe es etwa an deutschen Autobahnen immer mehr Ladepunkte, jedoch sei dies nicht der europäische Standard, weshalb sich ein Umstieg auf 100 Prozent Elektromobilität in die Zukunft verschiebe. Für die nahe Zukunft bieten nach Ansicht von Provost Plug-in-Hybride eine Chance, da sie mit elektrischen Reichweiten von oftmals mehr als 100 Kilometern im Alltag nahezu emissionsfrei gefahren werden können, vor allem auf täglichen Pendlerstrecken. „Plug-ins sind ein guter Weg, die Kunden Schritt für Schritt in Richtung Elektroantrieb zu führen“, findet er.

Kosten für Elektroantriebe reduzieren

Für Kaufinteressenten sei es „schmerzlich“, dass Elektroautos grundsätzlich immer noch teurer sind als Verbrennervarianten. Mit Kleinwagen könnte man dieses Problem jedoch abmildern, weshalb der Renault-Chef sie als Möglichkeit sieht, den Umstieg auf Elektroautos in Europa zu beschleunigen. Die Schaffung einer neuen Kleinwagen-Kategorie, die von der Europäischen Kommission in Aussicht gestellt wurde, begrüßt er daher.

Renault habe sich selbst das Ziel gesetzt, die Kosten für den Elektroantrieb um 40 Prozent zu senken, wovon bereits die Hälfte geschafft sei. In den kommenden zwölf Monaten wolle man die Batteriechemie ändern, damit die Batterien günstiger und die Reichweiten größer würden.

Beobachter bleiben skeptisch

Details zu den künftigen Vorhaben des Unternehmens wird Provost voraussichtlich am 10. März bekanntgeben, wenn er seinen neuen Strategieplan vorlegen will. Nachdem Renault während der Corona-Pandemie fast insolvent war, konnte der damalige CEO Luca de Meo den Börsenwert immerhin wieder auf bis zu 15,6 Milliarden Euro steigern. Derzeit beträgt der Wert nur noch 9,4 Milliarden Euro, weshalb Beobachter skeptisch sind, ob es dem Hersteller angesichts der dramatischen Umwälzungen auf dem Automarkt nicht an Größe und Finanzkraft mangelt.

Der gegenwärtige Unternehmenschef weist die Vorwürfe jedoch zurück und argumentiert, Größe sei in der aktuellen Marktlage nicht unbedingt der beste Wettbewerbsvorteil. Unter Berücksichtigung der großen Unterschiede bei Regulierung und Kundenanforderungen auf den globalen Märkten sei Agilität statt klassischer Skalierung gefragt.

Kooperationen bei E-Auto-Entwicklung

Wie bereits sein Vorgänger de Meo setzt Provost auf Partnerschaften, etwa mit dem chinesischen Geely-Konzern. Mit Unterstützung der Chinesen habe man den Elektro-Kleinwagen Twingo in weniger als zwei Jahren entwickelt. Nach der erfolgreichen Zusammenarbeit in Südkorea erklärte Renault im November vergangenen Jahres zudem, auch in Brasilien zusammenzuarbeiten, wo Geely Anteilseigner der brasilianischen Renault-Tochtergesellschaft wurde.

Wachstumsmärkte wie Südamerika gewinnen für den französischen Autobauer an Bedeutung, der rund zwei Drittel seines Umsatzes in Europa erzielt, während er in China und den USA gar keine Autos verkauft. Man suche sich die Märkte gezielt aus und sei dank der Kooperationen alles andere als klein. Jüngst etwa schloss sich Renault für die Entwicklung von zwei kleinen Elektromodellen mit Ford zusammen.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung – „Eine schnelle Elektrifizierung ist unrealistisch“

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