Reifen-Hersteller: unterschiedliche Nachhaltigkeitsansätze

Reifen-Hersteller: unterschiedliche Nachhaltigkeitsansätze
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Michelin

Iris Martinz
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  —  Lesedauer 3 min

Die Nachhaltigkeit von Elektroautos wird kontrovers diskutiert. Meist geht es dabei um die Herkunft des geladenen Stroms oder den ökologischen Fußabdruck der Batterie. Hersteller bemühen sich zudem, mit Leichtbaumaterialien den Verbrauch von Elektroautos weiter zu senken. Aber wie sieht es mit der Nachhaltigkeit der Reifen aus?

Autoreifen bestehen zu 40 Prozent aus Kautschuk, einem Rohstoff aus dem Saft des Gummibaums, der zwar erneuerbar ist, aber zunehmend knapp wird. Die Hersteller forschen daher sowohl an alternativen Rohstoffquellen, als auch an der Möglichkeit zur Verwendung von recycelten Sekundärrohstoffen. Auch der Energiebedarf der Reifenproduktion steht im Fokus.

Der deutsche Reifenhersteller Continental widmet sich gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie dem Ersatz des Kautschuks durch eine alternative Quelle aus der Natur: Die Wurzel des kaukasischen Löwenzahns enthält Naturkautschuk, der sich ebenfalls für die Reifenproduktion eignen könnte, wie in einem Forschungsprojekt bestätigt wurde. Die Vorteile des vermeintlichen Unkrauts liegen auf der Hand: Löwenzahn ist nicht sonderlich anspruchsvoll, kann auf Kargböden angebaut werden und verdrängt somit selbst bei industriellem Anbau keine Lebensmittelproduktion. Da die Pflanze bei moderatem Klima gedeiht, ist auch ein Anbau in Mitteleuropa möglich. Das reduziert wiederum die Gummibaum-Plantagen in Regenwaldgebieten. Der CO2-Ausstoss würde sich aufgrund der kürzeren Transportwege ebenso verringern. Die ersten Löwenzahn-Reifen sollen laut den Forschern in einigen Jahren produziert werden.

Michelin wiederum setzt neben den alternativen Rohstoffen auch auf Recycling. Reifen des französischen Herstellers sollen ab 2030 zu 40 und ab 2050 zu 100 Prozent aus vollständig biologisch erzeugten oder recycelten Materialien stammen. Zudem soll die Reifenproduktion ab 2050 komplett CO2-neutral sein. Michelin hat sich zum Ziel gesetzt, den ökologischen Fußabdruck aller Produktionsstätten zu verringern, auch beim Verbrauch von Lösungsmitteln und Energie, bei entstehenden Abfällen und beim Wasserverbrauch. Im Bereich Logistik setzt man auf alternative Transportmöglichkeiten wie Elektro- oder wasserstoffbetriebene Fahrzeuge sowie Segelfrachter. Damit sollen in der Logistik anfallende CO2-Emissionen bis 2030 im Vergleich zu 2018 um 15 Prozent gesenkt werden. Der zu 100 Prozent nachhaltige Reifen sei „eine große Herausforderung für die Michelin Gruppe„. Man würde neue Technologien entwickeln und die Arbeitsweise ändern müssen, wie Anish K. Taneja von Michelin betont.

Spannende Zukunftspläne wälzt auch Goodyear: Der visionäre „Oxygene“ soll die Luft reinigen – und zwar, indem seine Seitenwand mit Moos bestückt wird. Die Pflanze wandelt dann CO2 aus der Luft in Sauerstoff um. Was kurios klingt, soll laut Goodyear tatsächlich einen wesentlichen Effekt haben: im Großraum Paris mit ungefähr 2,5 Millionen Autos könnten so jährlich fast 3.000 Tonnen Sauerstoff produziert werden – vorausgesetzt, alle Autos sind mit dem „Oxygene“ ausgestattet. Noch nachhaltiger wird der begrünte Reifen durch die Verwendung von recycelten Altreifen. 3D-Druck kommt zum Einsatz, um aus dem erhaltenen Gummimehl von alten Reifen den neuen „Oxygene“ herzustellen. Außerdem wird der Reifen „smart“: da er sich selbst über die Photosynthese mit Energie versorgt, kann eine in den Reifen eingebettete Elektronik Lichtsignale geben, etwa beim Wechsel der Fahrspur. Ob und wann der intelligente, nachhaltige Reifen auf den Markt kommen soll, ist noch offen. Seit der Vorstellung des Konzeptes 2018 ist es jedenfalls sehr ruhig darum geworden.

Quellen: nachhaltigleben.ch – Neue Kautschuk-Quelle: Autoreifen aus Löwenzahn//news.michelin.de – Der Weg und die Herausforderungen zum 100 Prozent nachhaltigen Reifen//nachhaltigleben.ch – Begrünter Autoreifen der Zukunft soll Stadtluft säubern

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Iris Martinz

Iris Martinz

Iris Martinz ist Unternehmens- und E-Mobilitätsberaterin in Österreich, mit langjähriger Erfahrung im Recycling und Second Life von E-Mobilitätsbatterien. Fährt sowohl rein elektrisch, als auch V8, und möchte die beiden Welten etwas näher zusammenbringen. Nachzulesen unter www.mustangsontour.com.

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