Projekt „Urcharge“ simuliert E-Auto-Anteil von 50 Prozent im Alltag

Projekt „Urcharge“ simuliert E-Auto-Anteil von 50 Prozent im Alltag
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Keba (Symbolbild)

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Von Juni ab werden die kommenden fünf Monate für die Bewohner von 51 der 106 Wohneinheiten einer Siedlung in Kleinmünchen sowohl Herausforderungen, als auch ganz neue Gegebenheiten im Alltag mit sich bringen. Denn in diesem Zeitraum werden Verbrenner gegen reine E-Autos getauscht. Möglich macht dies das Forschungsprojekt „Urcharge“, also „Urbanes Laden“, das von der Technischen Universität Wien geleitet wird. Am Ende der Projektphase soll eine Aussage über die Alltagstauglichkeit der E-Mobilität getroffen werden.

Urcharge wird gemeinsame von der LINZ AG als Projektinitiatorin mit dem Hersteller für E-Mobilitäts-Ladelösungen KEBA AG und ETA (Beratung zum Thema Umweltmanagement) sowie der Linzer Wohnungsgenossenschaft NEUE HEIMAT OÖ durchgeführt. Eigener Aussage nach handelt es sich hierbei um einen der größten und längsten Elektromobilitätsfeldtests in Österreich. Damit werden grundlegende Fragen zu benötigter Infrastruktur und Ladeverhalten geklärt, um die E-Mobilität als entscheidenden Umweltschutz-Faktor im städtischen Bereich auch für dicht besiedelte Gebiete alltagsfit zu machen.

„Eine Demonstrationsphase von fast einem halben Jahr mit 51 Teilnehmern ist außerordentlich wertvoll bezüglich des realen Ladeverhaltens und für die Verifizierung unserer Forschungsergebnisse im Modell. Diese Erkenntnisse fließen in ein Konzept zum privaten, urbanen Laden, um Komfort, Leistbarkeit und dadurch Akzeptanz der E-Mobilität voranzutreiben und Zero Emission Mobility im Individualverkehr zu erreichen.“ – Jasmine Ramsebner MSc, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Projektmanagerin der Technischen Universität Wien

Ähnliche Projekte gab es bereits in Deutschland. Wir erinnern uns: Anfang Mai 2018 hat die EnBW erstmalig die Diskussionen um die Netzstabilität beim vermehrten Einsatz von E-Autos aus der Theorie in die Praxis geholt. In der Belchenstraße in Ostfildern südlich von Stuttgart, standen von Mai an, neben den bisherigen Verbrenner, auch E-Autos. Doch damit war Anfang November Schluss. Das nächste, einjährige Projekt steht bereits in den Startlöcher. Tamm soll  „Elektropionier am Steuer“ beobachten.

Zurück nach Österreich. Das Demonstrationsprojekt geht einen Schritt weiter, als es die Klimaziele bis 2030 vorgeben: In einer Siedlung der NEUEN HEIMAT OÖ am Theresia-Brandl-Weg steigen fast 50 Prozent der Bewohner (26 Reihen- und 5 Wohnhäuser) auf E-Autos um. Ihre Parkplätze – aufgeteilt auf zwei Tiefgaragen – wurden mit der LINZ AG Ladelösung „WallBOX CitySolution“ ausgerüstet, die mit den in Linz produzierten KEBA Stromladestationen realisiert werden. Dank einer Ladeleistung von bis zu 11 kW können die E-Autos auf den Tiefgaragenplätzen während der Stehzeiten voll aufgeladen werden. Dadurch werden wichtige Erkenntnisse zum Ladeverhalten der Nutzer gewonnen. Eine der zentralen Fragen ist, zu welchen Uhrzeiten die Bewohner das E-Auto laden und welche Gleichzeitigkeiten hier auftreten.

„Geht es um große Wohnanlagen, wo typischerweise mehrere E-Autos gleichzeitig geladen werden, kommt eine intelligente Lastmanagementlösung zum Einsatz. Sie verteilt die Ladeleistung optimal, sodass die Elektroautos bei gleichzeitig geringer Netz- und Kostenbelastung entsprechend verfügbar sind. Unsere Stromladestation lädt also nicht nur, sondern sie ist eine hochintelligente Kommunikations- und Steuerungszentrale zwischen den Elektroautos und dem dahinterliegenden Stromnetz.“ – Ing. Mag. Gerhard Luftensteiner, Vorstandsvorsitzender der KEBA AG

Bei der VOrstellung des Projektes wurde ebenfalls mitgeteilt, dass während der fünfmonatigen Projektphase die Netzbelastung getestet und optimiert wird, um den Nutzern selbst bei vielen gleichzeitigen Ladevorgängen möglichst netzschonend und kostengünstig die notwendige Energie zur richtigen Zeit zur Verfügung stellen zu können. Der Strom an der eigenen Ladestation in der Tiefgarage ist für die Laufzeit des Projektes kostenlos. Sind die E-Auto-Neulinge nach der Demophase auf den Geschmack gekommen, so können sie nach diesem einzigartigen Projekt ihre E-Fahrzeuge zum Restwert übernehmen.

„Das Projekt ‚Urcharge‘ gibt uns die Gelegenheit, einen wesentlichen Beitrag zur Klimawende zu leisten und aktiv daran mitzuarbeiten, die gemeinnützigen Wohnbauträger hinsichtlich dem Bereich E-Mobilität zukunftsfit zu machen. Im Zuge des Projekts werden wir Erfahrung sammeln, die uns dabei hilft, die Anforderungen unserer Kundinnen und Kunden in der Zukunft zu erfüllen und eine gewohnt hohe Wohnqualität bieten zu können.“ – Dir. Mag. Robert Oberleitner, Geschäftsführer der NEUEN HEIMAT OÖ

Quelle: KEBA AG – Pressemitteilung vom 28. Mai 2020

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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