Die Chinesen kommen: Profite und Margen der größten Autohersteller im Vergleich

Die Chinesen kommen: Profite und Margen der größten Autohersteller im Vergleich
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BYD

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 5 min

Die globale Automobilindustrie steht vor einer breiten Konsolidierungswelle, die auch etablierte Unternehmen unter erheblichen Transformationsdruck setzt. Wichtige Indikatoren sind die insgesamt rückläufigen Gewinne und Profitmargen der wichtigsten 14 globalen Automobilhersteller im Gesamtjahr 2024. Die branchenweite EBIT-Marge sank auf nur noch 6,3 Prozent im Vergleich zu 8,0 Prozent des Vorjahres. Die kumulierten operativen Gewinne brachen um 20,7 Prozent ein. Die globalen Absatzzahlen und Umsätze der betrachteten Autohersteller stagnieren im Mittel der Konzerne, so das Center of Automotive Management (CAM) in einer aktuellen Auswertung.

Allerdings gibt es neben vielen Verlierern auch einige Gewinner. So rücken die chinesischen Automobilkonzerne BYD und Geely in die Top-10 der absatzstärksten Hersteller auf. Sie erzielen Gewinne, wenngleich ihre Profitmargen (noch) unterdurchschnittlich sind. Viele etablierte Automobilhersteller indes haben mit sinkenden Profiten zu kämpfen, während sich bei einigen Unternehmen wie Nissan die finanzielle Lage zuspitzt.

Mit deutlichem Abstand bleibt Toyota der absatzstärkste globale Autohersteller mit 10,7 Millionen Pkw vor Volkswagen (8,7 Millionen) und der Hyundai-Kia Group (7,2 Millionen) sowie Stellantis und General Motors. Dabei weisen zehn der 14 wichtigsten Automobilhersteller rückläufige Pkw-Verkäufe auf. Den deutlichsten Schwund verzeichnen 2024 Stellantis (-8,7 Prozent), Honda (-6,1 Prozent) sowie BMW (-4,1 Prozent) und Toyota (-3,6 Prozent). Auch die weiteren deutschen Hersteller VW Group und Mercedes verbuchen Absatzrückgänge von 2,3 bzw. 2,1 Prozent.

Herausragende Absatzgewinner sind die chinesischen Herstellergruppen BYD und Geely: BYD verkauft mit einem Plus von 42 Prozent nunmehr 4,3 Millionen Fahrzeuge und steigt zum siebtgrößten Automobilkonzern der Welt auf. Geely kann seiner Verkäufe um 20 Prozent steigern und kommt erstmals auf Rang 10 der absatzstärksten Hersteller. Leichte Zugewinne erzielen ferner Ford und Renault, mit jeweils 1,3 Prozent.

Absatz-Autohersteller-2024
CAM

EBIT-Trends und Profitmargen von globalen Automobilherstellern

Der operative Gewinn der ausgewählten Automobilhersteller geht insgesamt im Jahr 2024 massiv um 20,9 Prozent zurück. Besonders signifikante Rückgänge sind bei Stellantis (-82 Prozent), Nissan (-75 Prozent), BMW (-38 Prozent), Mercedes (-31 Prozent) und Tesla (-20 Prozent) festzustellen. Die stark rückläufigen Profite haben bei den Herstellern bereits zu erheblichen Kosteneinsparprogrammen geführt.

Entgegen dem allgemeinen Abwärtstrend können die Geely Gruppe (+48 Prozent), General Motors (+37,5 Prozent) sowie Honda (+19 Prozent) ihr operatives Ergebnis deutlich bzw. Renault (3,5 Prozent) und BYD (1,1 Prozent) leicht verbessern. Geely kommt auf einen EBIT von umgerechnet rund 3,75 Milliarden Euro (inkl. des geschätzten Ergebnisses von Polestar auf Basis von drei Quartalen).

Den höchsten Gewinn erzielt trotz Rückgängen Toyota mit einem EBIT von umgerechnet 29,3 Milliarden Euro. Mit deutlichem Abstand folgen Volkswagen und Hyundai mit 19,1 bzw. 18,3 Milliarden Euro.

Im Jahr 2024 sinkt das durchschnittliche EBIT (in Prozent vom Umsatz) der global führenden Automobilhersteller auf 6,3 Prozent und liegt damit deutlich unter den Vorjahreswerten (8,0 Prozent in 2023), was einem Rückgang von 20,5 Prozent entspricht. Starke Rückgänge verbuchen die Premiumhersteller Mercedes und BMW, deren Marge um 27 bzw. 32 Prozent sinkt. Aber auch bei Tesla sinkt die Profitmarge um 21 Prozent auf jetzt 7,2 Prozent. Besonders massiv ist der Margenverfall von Stellantis von 11,8 Prozent im Vorjahr auf nur noch 2,6 Prozent im Jahr 2024 (-78 Prozent) bzw. bei Nissan (-74 Prozent).

Dagegen können General Motors und Honda ihre EBIT-Margen entgegen dem Trend leicht auf 6,8 bzw. 6,6 Prozent steigern. Besonders stark ist der Zuwachs bei Geely (+31 Prozent), die auf eine Profitmarge von 5,5 Prozent kommen. Die höchste EBIT-Marge der absatzstärksten Hersteller erzielt Toyota mit 10,3 Prozent vor Hyundai (9,5 Prozent) sowie den deutschen Premiumherstellern Mercedes (9,3 Prozent) und BMW (8,1 Prozent). Eine überdurchschnittliche EBIT-Marge können auch Renault (7,6 Prozent) und Tesla (7,2 Prozent) erzielen. Bei allen genannten Herstellern sind die Profitmargen jedoch rückläufig.

Ebit-Marge-Autohersteller-2024
CAM

Dagegen liegen die Profitmargen des Volkswagen-Konzerns mit 5,9 Prozent sowie von Geely (5,5 Prozent) und BYD mit 5,0 Prozent (Schätzung) unter dem Durchschnitt der ausgewählten Automobilhersteller. Sehr geringe EBIT-Margen von unter 3 Prozent erzielen Ford, Stellantis und Nissan. Bei Nissan brach die Marge von 4,6 auf nur noch 1,2 Prozent ein.

„Das Gesicht der Automobilindustrie wird sich massiv verändern“

„Die Automobilindustrie steht am Vorabend einer großen Konsolidierungswelle. Ein Amalgam aus ökonomischen Wachstumsschwächen und unsicheren Rahmenbedingungen in Kernmärkten sowie die großen technologischen Transformationsherausforderungen mit einer hohen Wettbewerbsintensivität von neuen Akteuren wird in den nächsten Jahren das Gesicht der Automobilindustrie massiv verändern“, kommentiert Studienleiter Stefan Bratzel.

Abzulesen sei diese Entwicklung in sinkenden Gewinnen und Profitmargen der Automobilhersteller im Jahr 2024, die bei vielen Unternehmen bereits zu breiten Effizienzprogrammen geführt haben. „In den nächsten Jahren wird ein darwinistischer Ausleseprozess in Gang kommen, in dem einige Unternehmen ausscheiden bzw. ihre Unabhängigkeit verlieren“, ist sich Bratzel sicher. Dies gelte sowohl für Newcomer im Bereich der Elektromobilität als auch für einige etablierte Automobilhersteller und Automobilzulieferer.

„Es gilt Ausschau zu halten nach strategischen Allianzen, da nicht wenige Unternehmen die weiterhin notwendigen hohen Investitionsausgaben für technologischen Wandel rund um Elektromobilität, Software-definierte Fahrzeuge sowie automatisiertes Fahren nicht mehr allein werden stemmen können. Innovation, Geschwindigkeit sowie Kosteneffizienz und Flexibilität sind dabei wichtige Attribute einer erfolgreichen Zukunft“, so Bratzel abschließend.

Quelle: CAM – Pressemitteilung vom 24.03.2025

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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