Premium-Krise trifft BMW und Mercedes besonders hart

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Arun Niemann
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Der deutsche Aktienmarkt erreicht zwar immer neue Höchststände, doch deutsche Automobilkonzerne haben daran keinen Anteil. Schließlich gehören BMW, Mercedes und VW bislang sogar zu den größten Börsenverlierern des Jahres. Einer Analyse des Handelsblatts zufolge sind die Gewinnmargen der Premiumhersteller im Pkw-Kerngeschäft in den letzten Quartalen so weit zusammengeschrumpft, dass sie inzwischen teils geringer ausfallen als bei den klassischen Volumenherstellern.

Ein Blick auf die Ebit-Margen aus dem letzten Halbjahr verdeutlicht die Dramatik der Situation: Mercedes kommt im Autogeschäft gerade mal auf 1,9 Prozent Marge, während selbige vor drei Jahren mit 14,3 Prozent noch mehr als siebenmal so hoch lag. Bei BMW ist seit 2023 indes ein Rückgang von damaligen 10,6 Prozent auf heute nur noch 3,6 Prozent zu beobachten. Damit sind die Margen dieser beiden deutschen Automobilhersteller schlechter als die vom VW-Konzern mit 4,1 Prozent und ausländischen Volumenherstellern. GM kommt beispielsweise auf 3,8 Prozent und Hyundai-Kia sogar auf 5,4 Prozent.

Der Analyst Matthias Schmidt spricht davon, dass das „Haus plötzlich auf dem Kopf steht“ und es ein schockierendes Bild für die Branche zeichne, dass Volumenanbieter inzwischen mehr verdienen als deutsche Premiumhersteller. Zur Einordnung sollte jedoch angefügt werden, dass BMW und Mercedes mit jährlich rund zwei Millionen Fahrzeugen in einer ganz anderen Größenordnung produzieren als alle anderen ausländischen Premiummarken und die Produktion nur wegen der bisher so hohen Margen in Deutschland stattfinden kann.

Deutsche Hersteller werden besonders hart von chinesischem Nachfragerückgang getroffen

Die Konzernchefs von VW, BMW und Mercedes sprechen allesamt von einer „Industriekrise“, welche vor allem auch durch den allgemeinen Rückgang der Nachfrage auf dem chinesischen Markt begründet sei. Eine Analyse des Handelsblatts hat jedoch gezeigt, dass sich die Nachfrage nach Autos deutscher Hersteller dort noch schlechter entwickelt als der Gesamtmarkt. So gingen die Neuzulassungen von Mercedes in China im ersten Halbjahr 2026 um knapp 27 Prozent zurück, bei VW waren es 26 Prozent und bei BMW 20 Prozent, während Neuzulassungen insgesamt nur 19 Prozent nachgaben.

Dabei ist es für die deutschen Unternehmen besonders prekär, dass sie auf der einen Seite mit Marktanteilen von jeweils deutlich unter einem Prozent kaum etwas an Chinas E-Auto-Boom verdienen und andererseits die Nachfrage im bisher hochprofitablen Verbrennermarkt kollabiert, da die Spritpreise immer weiter steigen. Zudem ist es bisher nicht gelungen andere asiatische Wachstumsmärkte zu erschließen, die diese Verluste kompensieren könnten.

Die Bilanzen zeigen das Ausmaß des Markteinbruchs klar auf: Während auch ausländische Unternehmen wie GM und Hyundai-Kia seit 2023 einen Rückgang des Ebit um 40 Prozent verzeichneten waren es bei VW in diesem Zeitraum 56 Prozent, bei BMW ganze 70 Prozent und bei Mercedes sogar 90 Prozent.

Restrukturierung als Weg aus der Krise

Die deutschen Premiumhersteller antworten mit Stellenabbau und Restrukturierung auf die Krise. BMW baut weltweit rund 8.000 Stellen ab, bei Mercedes sind es über ein Freiwilligenprogramm mit Abfindungen bereits 5.500 Stellen und VW könnte weltweit sogar bis zu 100.000 Jobs streichen. Gleichzeitig verschärfen steigende Produktionskosten und Krisen wie der Iran-Konflikt die Situation, wodurch Mercedes und VW bereits ihre Halbjahreszahlen und Umsatzprognosen kappen mussten.

Gegenmaßnahmen wie Lokalisierungsstrategien sind für Premiumhersteller besonders schwer umzusetzen. Die geringeren Stückzahlen führen laut Bankhaus-Metzler-Analyst Daniel Schwarz dazu, dass Mercedes und BMW sich nicht einfach eine vollständig an China angepasste Modellentwicklung leisten können. Audi geht diesen Weg mit einer eigens für den chinesischen Markt entwickelten Wortmarke ohne die klassischen Audiringe, doch dies birgt langfristig die Gefahr einer Markenverwässerung. Mercedes musste wegen schwacher Verkaufszahlen bereits eine erste Konsequenz ziehen und das Angebot des neuen Einstiegs-SUVs GLA in China stoppen.

Auch außerhalb Chinas sind Mercedes, BMW und VW schwächer als der Markt

Obwohl die Neuzulassungen in Europa zuletzt wieder um 4,4 Prozent gestiegen waren, verzeichnen deutsche Hersteller auch hier schwache Ergebnisse. So stiegen die Neuzulassungen beim VW-Konzern lediglich um 1,4 Prozent, bei Mercedes um 1,1 Prozent und BMW stagniert mit einem minimalen Anstieg um 0,3 Prozent. Auch in Europa sind diese schwachen Zahlen teilweise auf die wachsende chinesische Konkurrenz zurückzuführen. Das bringt den VW-Konzernchef und früheren Zollgegner Blume sogar dazu, eine Ausweitung der bereits bestehenden EU-Sonderzölle für chinesische Elektroautos auf Plug-in-Hybride zu fordern.

Dabei rechnet eigentlich niemand mit einer schnellen Erholung in der Branche. Zwar halten alle drei Konzerne bisher noch an ihren Mittelfristzielen von 8 bis 10 Prozent Marge für die kommenden Jahre fest, doch Analyst Matthias Schmidt ist skeptisch und sagt, dass für die Erfüllung dieser Ziele eine Erholung des chinesischen Marktes nötig wäre, worauf bisher nichts hindeute.

Quelle: Handelsblatt – Deutsche Premiummarken verdienen weniger als Volumenhersteller

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Arun Niemann

Arun Niemann

Arun Niemann arbeitet nun seit 5 Jahren als Redakteur und Werbetexter und schreibt seit 2026 auch für Elektroauto-News.net. Dabei bringt ihn sein persönliches Interesse für makroökonomische Zusammenhänge und die bisherige redaktionelle Arbeit zu Finanz- und Wirtschaftsthemen, oft zu Beiträgen an der Schnittstelle zwischen Elektromobilität, Energiewende und Wirtschaft.

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