Polestar-Chef Michael Lohscheller hat sich klar gegen eine Aufweichung des europäischen Verbrennerverbots ausgesprochen. Beim Automotive News Europe Congress vor wenigen Tagen in Brüssel appellierte er an die EU-Politik, den eingeschlagenen Kurs beizubehalten. Die Fahrzeuge verfügten über eine gute Reichweite und die Ladeinfrastruktur sei vorhanden, so Lohscheller: „Die Bedingungen sind gegeben, um politische Verlässlichkeit sicherzustellen.“ Europa solle die Elektrifizierung anführen, was der Branche nütze und Arbeitsplätze schaffe.
Der Hintergrund: Die Europäische Kommission hat ihre ursprünglichen Pläne für ein vollständiges Verbrennerverbot ab 2035 überarbeitet. Statt eines kompletten Zulassungsstopps für Benzin- und Dieselfahrzeuge sieht der neue Entwurf lediglich eine Reduzierung der Abgasemissionen um 90 Prozent vor, was Verbrenner und Hybride faktisch über 2035 hinaus auf dem Markt halten würde. Für Hersteller wie Polestar, die konsequent auf reine Elektromobilität setzen, bedeutet diese Kurskorrektur eine empfindliche Planungsunsicherheit.
Lohscheller machte deutlich, dass Polestar auch künftig keine Plug-in-Hybride oder Extended-Range-Elektroautos anbieten werde. „Wir planen keine Plug-in-Hybride oder Extended-Range-Elektroautos, weil wir als reine Elektromarke gut aufgestellt sind und weil Fokus und Klarheit zählen“, sagte er. Der schwedische Hersteller, der mehrheitlich zum chinesischen Geely-Konzern gehört und Fahrzeuge in China sowie in Südkorea über ein Geely-Renault-Gemeinschaftsunternehmen produziert, positioniert sich innerhalb der Geely-Gruppe auf Design und Performance.
Produktion näher an den Absatzmärkten
Europa spielt für Polestar eine zentrale Rolle: 78 Prozent des Absatzes entfallen auf den Kontinent. Umso schwerer wiegen die seit 2024 geltenden EU-Zölle auf in China gefertigte Elektroautos, denn der überwiegende Teil der in Europa verkauften Polestar-Modelle stammt aus chinesischer Produktion. Lohscheller räumte ein, dass globale Lieferketten langfristig kein tragfähiges Modell seien, und kündigte an, die Versorgungsketten zu vereinfachen. Als konkreten Schritt plant Polestar, den kompakten SUV Polestar 7 ab 2028 im Volvo-Werk in der Slowakei zu fertigen.
Das Vertriebsmodell des Unternehmens basiert vollständig auf dem Netz der Volvo-Händler, die auch den Kundendienst übernehmen. Lohscheller bezeichnete dieses „Asset-light“-Modell, bei dem Polestar weder eigene Fertigungsstätten noch eigene Verkaufsräume betreibt, als mögliche Blaupause für die gesamte Branche. In einem Umfeld wachsenden Preisdrucks in Europa helfe das Modell zugleich dabei, die Margen der Händler:innen zu schützen.
Auch den US-amerikanischen Markt sieht Lohscheller trotz politischer Unsicherheiten nicht abgeschrieben. Besonders an der Ost- und Westküste rechnet er mit einer anhaltend starken Nachfrage nach Elektroautos. Steigende Benzinpreise hätten das Interesse der Verbraucher:innen an Elektromobilität zuletzt deutlich erhöht, was sich in steigenden Preisen für gebrauchte E-Autos niederschlage. Diesen Trend, so Lohscheller, könnte auch der Neuwagenmarkt spüren.
Quelle: Automotive News europe – Polestar CEO Michael Lohscheller opposes reversing Europe’s combustion engine ban








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