Plug-in-Hybrid nur sinnvoll „wenn ich bereit bin, das Auto regelmäßig aufzuladen“

Plug-in-Hybrid nur sinnvoll „wenn ich bereit bin, das Auto regelmäßig aufzuladen“
Copyright:

shutterstock / Lizenzfreie Stockfoto- Nummer: 1520446172

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 2 min

Mit dem Plug-in-Hybrid GLE 350de bringt Mercedes-Benz einen SUV mit einer beachtlich hohen elektrischen Reichweite von mehr als 100 Kilometern auf den Markt. Baureihenleiter Andreas Zygan erklärte in einem Interview mit Electrified die Vorteile der Technologie, wie hoch er das Absatzpotenzial dieser Antriebsvariante einschätzt und warum er ein Auto mit fast 2,5 Tonnen Gewicht noch für nachhaltig hält.

Die nach Norm 106 Kilometer Elektro-Reichweite des Teilzeitstromers GLE geben „dem Kunden Sicherheit“, so Zygan, um bei einem Großteil der alltäglichen Fahrten lokal emissionsfrei zu fahren. „Mit dieser Reichweite bauen wir das Vertrauen in die Technologie aus“, meint Daimlers SUV-Chefentwickler. Das Fahrzeug sei „so konzipiert, dass der Kunde keinen Nachteil kauft.“

Ihm ist aber auch wichtig zu betonen, dass Elektromobilität mit diesem Fahrzeug „nur dann funktioniert, wenn ich bereit bin, das Auto regelmäßig wieder aufzuladen.“ Dann bestehen für die täglichen Pendlerstecken auch „kaum Einschränkungen bei der Nutzbarkeit“ der Elektro-Reichweite. Zygan erwartet innerhalb der Baureihe einen prozentualen Anteil von Plug-in-Hybriden „in der Größenordnung zwischen 15 und 20 Prozent“.

Bei Langstrecken auf der Autobahn ohne die Zusatzkilometer aus der Akku seien Kunden mit diesem Auto mit einem Verbrauch unterwegs, der einem herkömmlichen Vierzylinder-Diesel von Daimler entspricht, also etwa „sechs bis sieben Liter“, so Zygan. Daimler habe sich deshalb für eine Kombination von Diesel und Hybrid entschieden, weil es sich um die „verbrauchstechnisch günstigsten Technologien“ handle: „Mit Blick auf den CO2-Ausstoß sind es nun einmal diese beiden Technologien.“

„Das Laden muss alltäglich werden“

Zwar sind rein aus CO2-Sicht reine Elektroautos die bessere Wahl, wie etliche Studien bereits bewiesen haben. Und „es gibt bereits heute eine große Bandbreite an Elektroautos, doch der Kunde kauft sie bisher nicht in dem Maße, wie man das erhofft“, sagt Zygan. Der Kunde wolle „weiter die Freiheit haben, ohne Einschränkungen überall hin zu fahren. Mit dem Plug-in-Hybrid sind sie jederzeit mobil“. Der Daimler-Entwickler ist jedoch davon überzeugt, dass es gelingen müsse, „das Laden zu etwas Alltäglichen werden zu lassen.“

Für Menschen, die sagen, dass man ein Auto mit einem Gewicht von fast 2,5 Tonnen unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten nicht fahren dürfe, hat Zygan eine interessante Antwort parat: Er frage diese Menschen, „was sie fahren und was sie mit ihrem Auto verbrauchen. Dann höre ich häufig einen Verbrauch von sechs Litern.“ Er selbst hingegen verbrauche auf seiner „täglichen Strecke über 84 Kilometer von Karlsruhe nach Stuttgart im Hybridmodus 4,6 Liter.“

Quelle: Electrified — „Mit dieser Reichweite bauen wir das Vertrauen aus“

worthy pixel img
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Elektroauto Hersteller

Bidirektionales Laden (V2G): Polestar arbeitet an virtuellem Kraftwerk

Bidirektionales Laden (V2G): Polestar arbeitet an virtuellem Kraftwerk

Felix Katz  —  

Polestar entwickelt für das bidirektionale Laden ein virtuelles Kraftwerk. So sehen die Potenziale und Herausforderungen der Vehicle-to-Grid-Technologie aus.

Caterham Project V: bildschön und leicht, aber teuer

Caterham Project V: bildschön und leicht, aber teuer

Felix Katz  —  

Caterhams Project V soll 2026 auf die Straßen kommen – für mindestens 90.000 Euro. Das Konzeptmodell kommt von einem bekannten Designer.

VW setzt auf lokale Kooperationen in China

VW setzt auf lokale Kooperationen in China

Maria Glaser  —  

Um sich weiterhin erfolgreich auf dem chinesischen Markt für Elektroautos zu behaupten, arbeitet VW eng mit Unternehmen vor Ort zusammen.

EnBW feiert 1000 Schnellladestandorte für E-Autos

EnBW feiert 1000 Schnellladestandorte für E-Autos

Michael Neißendorfer  —  

1000 Standorte in ganz Deutschland: EnBW betreibt eines der größten Schnellladenetze für Elektroautos bundesweit.

Zeekr 001 und X: Bestellstart in Schweden und den Niederlanden

Zeekr 001 und X: Bestellstart in Schweden und den Niederlanden

Felix Katz  —  

Die Zeekr-Modelle 001 und X können in Schweden und den Niederlanden vorbestellt werden. Der Auslieferungsstart ist im Herbst.

„Kaum erfüllbar und realitätsfern“: Widerstand gegen Euro 7 wächst

„Kaum erfüllbar und realitätsfern“: Widerstand gegen Euro 7 wächst

Felix Katz  —  

Die geplante Euro-7-Abgasnorm scheint auf der Kippe zu stehen. Mehrere EU-Staaten und Autohersteller wollen eine weitere Senkung der Grenzwerte verhindern.

Batterieproduktion in Europa in Gefahr?

Batterieproduktion in Europa in Gefahr?

Hannes Dollinger  —  

Eine neue Studie besagt, dass bis zu 68 Prozent der bis 2030 in der EU geplanten Lithium-Ionen-Batterie-Produktionen gefährdet sind.