Die Elektrifizierung von Fuhrparks gilt in vielen Ländern als wichtiger Baustein der Energiewende. Gleichzeitig wächst das Interesse daran, E-Fahrzeuge stärker in das Stromsystem einzubinden. Ein aktueller Praxistest in Österreich zeigt, wie diese Verbindung künftig aussehen könnte. In Mautern an der Donau erproben die Österreichische Post, der Energieversorger EVN und Netz Niederösterreich erstmals gemeinsam das sogenannte bidirektionale Laden. Dabei können E-Fahrzeuge nicht nur Strom aufnehmen, sondern Energie auch wieder ins Netz zurückspeisen.
Im Zentrum des Pilotprojekts stehen fünf elektrisch angetriebene Fahrzeuge der Marke Maxus. Sie werden an speziellen Wallboxen geladen, die von dem Unternehmen ZAPe entwickelt wurden und am Standort der PEET GmbH installiert sind. Anders als bei klassischen Ladevorgängen fließt der Strom in diesem Versuch in beide Richtungen. Die Batterien der Autos dienen somit nicht nur als Energiespeicher für den Fahrbetrieb, sondern können zeitweise auch als Bestandteil der Stromversorgung fungieren.
Kopplung von PV-Anlage, Wallbox und E-Auto im unregulierten Umfeld
Eine wichtige Rolle spielt dabei die Photovoltaikanlage auf dem Dach der Postbasis in Mautern. Der dort erzeugte Solarstrom wird zunächst direkt genutzt oder in den Batterien der Autos gespeichert. Während der Standzeiten der Zustellfahrzeuge – etwa am Nachmittag oder am Wochenende – kann diese Energie später wieder in das öffentliche Stromnetz abgegeben werden. Auf diese Weise entsteht ein temporärer Energiespeicher, der aus mehreren Fahrzeugbatterien besteht.
Der Test findet in einem Umfeld statt, in dem viele Rahmenbedingungen noch nicht vollständig geregelt sind. In Österreich existieren bislang keine umfassenden gesetzlichen Vorgaben für das bidirektionale Laden. Die beteiligten Unternehmen bewegen sich daher sowohl technisch als auch regulatorisch in einem Feld, das erst im Aufbau ist. Netz Niederösterreich und EVN nutzen den Versuch, um praktische Erfahrungen zu sammeln und mögliche Anforderungen für künftige Standards zu definieren.
Für die Österreichische Post ergibt sich daraus eine besondere Ausgangssituation. Das Unternehmen betreibt bereits heute eine große elektrisch betriebene Zustellflotte. Mehr als 6000 E-Fahrzeuge sind im Einsatz, ergänzt durch eine Photovoltaikleistung von über 20 Megawatt peak sowie ein dichtes Netz an Ladepunkten im ganzen Land.
E-Flotte auf dem Weg zum dezentralisierten Speichersystem
Nach Einschätzung von Peter Umundum, Generaldirektor-Stellvertreter und Vorstand für Paket und Logistik bei der Österreichischen Post, könnte diese Infrastruktur künftig eine zusätzliche Funktion übernehmen. „Das bidirektionale Laden ist ein möglicher nächster Schritt: Wenn der Praxistest gelingt, könnte unsere E-Flotte zu einem dezentralisierten Speichersystem werden“, erklärte Umundum. Der Versuch solle zeigen, welches Potenzial in der vorhandenen Infrastruktur stecke – sowohl für das Unternehmen selbst als auch für das Energiesystem.
Auch aus Sicht der Energiebranche wird der Test als Schritt in Richtung eines flexibleren Stromnetzes verstanden. Stefan Stallinger, Technikvorstand des Energieversorgers EVN, betont die mögliche Rolle von Elektroautos als Bestandteil der Netzstabilität. „Wir brauchen bidirektionales Laden, um Elektroautos künftig noch intelligenter in das Energiesystem einzubinden und wertvolle Flexibilität bereitzustellen“, sagte Stallinger. Das gemeinsame Pilotprojekt mit der Post diene dazu, diese Technologie unter realen Bedingungen zu erproben.
Aus heutiger Sicht rechnen Branchenvertreter damit, dass bidirektionales Laden in Österreich frühestens ab 2027 in größerem Umfang möglich sein könnte. Bis dahin sollen Pilotprojekte wie der Test in Mautern technische Erfahrungen liefern und zeigen, welche Anforderungen an Infrastruktur und Regulierung gestellt werden müssen.
Quelle: ots.at – Pilotprojekt: Post, EVN und Netz NÖ verwandeln E-Fahrzeuge in mobile Stromspeicher








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