Nachhaltige Batterien aus Nebenprodukten der Holzindustrie

Nachhaltige Batterien aus Nebenprodukten der Holzindustrie
Copyright:

Fraunhofer IKTS

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 3 min

Angesichts des wachsenden Bedarfs an Energiespeichern für die Energiewende sind kostengünstige, sichere und ressourcenschonende Batterietechnologien dringend erforderlich. Natrium-Ionen-Batterien auf Basis lokal verfügbarer und umweltfreundlicher Materialien bieten hier einen vielversprechenden Ansatz. Fraunhofer-Forschende und ihre Projektpartner nutzen Lignin – ein Nebenprodukt der Holz- und Zellstoffindustrie – als Bestandteil eines Natrium-Ionen-Batteriesystems.

Das Biopolymer Lignin ist ein Hauptbestandteil von Holz und verleiht diesem seine Stabilität. Als Koppelprodukt der Papierindustrie wird es bisher zur Energieerzeugung verbrannt. Forschende des Fraunhofer-Instituts für Keramische Technologien und Systeme (IKTS) und der Friedrich-Schiller-Universität Jena – beide Partner des Center for Energy and Environmental Chemistry (CEEC) – haben jetzt eine bessere Idee: Im vom Freistaat Thüringen und dem Europäischen Sozialfonds geförderten Projekt ThüNaBsE (Thüringer Natrium-Ionen-Batterie für die skalierbare Energiespeicherung) entwickeln und evaluieren die Partner eine neuartige Natrium-Ionen-Batterie mit Lignin – vom Material bis hin zur 1-Ah-Vollzelle.

Damit soll ein wichtiger Beitrag zur Stärkung der Unabhängigkeit von kritischen Rohstoffen und zur Wende hin zu günstigeren, nachhaltigeren und sicheren Batterien geleistet werden. Das Vorhaben wird von einem Industriebeirat überwiegend regionaler Firmen begleitet. Dazu gehören die Thüringer Unternehmen Mercer Rosenthal, Glatt Ingenieurtechnik, IBU-tec Advanced Materials und EAS Batteries sowie Petrochemical Holding aus Wien. Ein weiteres Ziel des Projekts ist es, Nachwuchsforschende in Thüringen zu fördern. Daher sind an ThüNaBsE eine Reihe junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beteiligt, die in den Themenfeldern Energie und Batterieforschung promovieren.

Lignin: vom Nebenprodukt zum Wertstoff

Lignin besteht hauptsächlich aus Kohlenwasserstoff-Bausteinen, die sich sinnvoll in der Chemie verwenden lassen – etwa als Elektrodenmaterial für Batterien. Im Projekt soll der biobasierte Rohstoff für die negative Elektrode genutzt werden. „Wir wollen in der Wertschöpfungskette auf kritische Metalle wie Lithium, Kobalt und Nickel in Batterien verzichten. Zudem möchten wir den Fluoranteil in Elektroden und Elektrolyt möglichst niedrig halten und erproben, inwiefern er sich komplett vermeiden lässt. Kern des Vorhabens ist aber die Verarbeitung von lokal verfügbarem, hochwertigem Lignin zu leistungsfähigen Elektroden in unseren Natrium-Ionen-Batterien“, sagt Dr. Lukas Medenbach, Wissenschaftler am Fraunhofer IKTS in Arnstadt, dem Tor zum Thüringer Wald.

Das Lignin wird von Mercer Rosenthal zur Verfügung gestellt und unter Luftausschluss thermisch in Kohlenstoff umgewandelt, der dann zur Elektrode weiterverarbeitet wird. „Unsere Projektpartner vom Institut für technische Chemie und Umweltchemie der Friedrich-Schiller-Universität Jena um Prof. Martin Oschatz verarbeiten das Lignin durch thermische Prozesse zu sogenanntem Hard Carbon weiter. Die Struktur dieses harten Kohlenstoffs eignet sich sehr gut, um Natrium-Ionen reversibel, also umkehrbar, zu speichern. Hard Carbon bietet eine hohe elektrochemische Leistung, gute Zyklenstabilität und geringe Anschaffungskosten, insbesondere wenn er aus nachhaltigen Rohstoffen gewonnen wird“, erläutert Dr. Medenbachs Kollege Dr. Cornelius Dirksen.

Als Material für die positive Elektrode sollen Berliner-Blau-Analoga zum Einsatz kommen, also ungiftige Eisenverbindungen. Die Substanz, die bereits vor rund 200 Jahren als Pigment eingesetzt wurde, zeichnet sich durch gute Rohstoffverfügbarkeit, Umweltverträglichkeit und Natrium-Ionen-Speichereigenschaften aus.

Aktuell werden im Batterietestzentrum des Fraunhofer IKTS in Arnstadt, am Fraunhofer IKTS in Hermsdorf und an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena erste Kleindemonstratorzellen gebaut und getestet. Begleitet werden die Laborarbeiten von realitätsnahen, multiphysikalischen Simulationen. Die Ergebnisse sind vielversprechend: „Die Laborzelle ist nach 100 Lade- und Entladezyklen noch nicht stark degradiert. Ziel ist es, zum Projektabschluss 200 Lade- und Entladezyklen für die 1-Ah-Vollzelle nachzuweisen“, so Dr. Medenbach.

Die fertig entwickelte Batterie könnte als stationärer oder mobiler Speicher dort eingesetzt werden, wo keine schnellen Ladezeiten erforderlich sind. Die Lignin-basierten Natrium-Ionen-Batterien eignen sich beispielsweise für mobile Anwendungen mit geringerem Leistungsbedarf. In Frage kommen etwa Microcars (45-km/h-Autos) oder Flurförderfahrzeuge wie Gabelstapler. Nach Projektabschluss soll die Technologie weiter skaliert und unter Einbeziehung eines noch größeren Konsortiums der Weg zu den nächsten Technologiereifegraden eingeschlagen werden.

Die Forschenden aus Thüringen sind nicht die ersten, die sich an der „Holzbatterie“ versuchen. Unter anderem auch in Finnland – wo es ebenfalls eine starke Holzverarbeitungs-Industrie gibt – arbeitet ein Konsortium an der neuartigen, vielversprechenden Technologie.

Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft – Pressemitteilung vom 03.11.2025

Worthy not set for this post

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Batterieentwicklung

CATL sucht weitere Standorte für Gigafactories in Europa

CATL sucht weitere Standorte für Gigafactories in Europa

Arun Niemann  —  

164 GWh reichen CATL in Europa nicht: Der Batterieriese prüft weitere Gigafactory-Standorte und sieht beim Fachkräfteaufbau große Herausforderungen.

Ionity will bei Netzengpässen Batteriespeicher nutzen

Ionity will bei Netzengpässen Batteriespeicher nutzen

Daniel Krenzer  —  

Der Ladeanbieter Ionity setzt in Wertheim auf Batteriespeicher, um trotz begrenztem Netzanschluss mehr Schnellladepunkte anzubieten. 50 Standorte sollen folgen.

Alte Elektroautobatterien entwickeln sich zu wachsendem Markt

Alte Elektroautobatterien entwickeln sich zu wachsendem Markt

Laura Horst  —  

Batterien aus den Elektroautos der ersten Generation könnten in den kommenden Jahren das Wachstum des Batterie-Aftermarkets beschleunigen.

E-Auto-Akkus nach 55.000 Kilometern noch bei 95,5 Prozent

E-Auto-Akkus nach 55.000 Kilometern noch bei 95,5 Prozent

Daniel Krenzer  —  

Eine Ayvens-Auswertung zeigt: Gebrauchte E-Autos haben nach durchschnittlich 55.000 Kilometern noch 95,5 Prozent Batteriekapazität.

Saft startet Produktion von Feststoffbatterien in Frankreich

Saft startet Produktion von Feststoffbatterien in Frankreich

Daniel Krenzer  —  

Batteriehersteller Saft produziert Feststoffbatterien in Frankreich. Die neue Technologie verspricht bis zu 50 Prozent mehr Energiedichte und mehr Sicherheit.

Trotz holprigem Start: ACC fertigt fünf Millionen Zellen

Trotz holprigem Start: ACC fertigt fünf Millionen Zellen

Arun Niemann  —  

ACC erreicht in Douvrin einen wichtigen Produktionsmeilenstein. Doch Lieferengpässe und gestrichene Werke zeigen, dass der Hochlauf weiter schwierig bleibt.

So selten sind Batterieschäden bei gebrauchten E-Autos

So selten sind Batterieschäden bei gebrauchten E-Autos

Daniel Krenzer  —  

Eine Analyse der Akkus von rund 10.000 gebrauchten E-Autos zeigt: Auffällige Batterie-Zellabweichungen sind äußerst selten.