Mercedes-Benz legt V1G und V2G in die Spur

Mercedes-Benz legt V1G und V2G in die Spur
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Mercedes-Benz

Michael Neißendorfer
Michael Neißendorfer
  —  Lesedauer 4 min

Der Autohersteller Mercedes-Benz und das Technologieunternehmen The Mobility House haben eine europaweite Kooperation für die Integration von Vehicle-Grid-Lösungen bekanntgegeben. Beide Unternehmen bündeln ihre Expertise in Elektromobilität und Ladetechnologien, um Elektroautos von Mercedes-Benz intelligent mit dem Energiesystem zu vernetzen. Die Partnerschaft umfasst intelligente Ladeangebote für private Haushalte, die sowohl unidirektionale (Vehicle-1-Grid/V1G) als auch bidirektionale (Vehicle-2-Grid/V2G) Lösungen bieten. Bei V1G wird das E-Auto intelligent und möglichst kostengünstig geladen. Dahingegen können bei V2G Elektroautos auch Strom zurück ins Netz einspeisen. So werden durch Energie- und Netzdienstleistungen höhere Erlöse für Kunden erreicht, sowie mehr erneuerbare Energien in das Stromnetz integriert.

The Mobility House bringt seine Kernkompetenzen in der Integration, Aggregation und Vermarktung von Elektrofahrzeugbatterien in Energiemärkten in diese strategische Partnerschaft ein. Mercedes-Benz nutzt seine Expertise im Fahrzeugbereich, um Kundinnen und Kunden eine umfassende End-to-End-Lösung zu bieten. Diese ist nahtlos in das Ladeökosystem des Automobilherstellers integriert.

Durch die strategische Zusammenarbeit im Bereich smarter Ladeanwendungen forcieren Mercedes-Benz und The Mobility House ihre nachhaltigen Unternehmensstrategien. Das gemeinsame Ziel ist es, nachhaltige Mobilität zu fördern. Smarte Heim-Ladelösungen sollen es Kundinnen und Kunden ermöglichen, zu Hause gezielt Strom aus erneuerbaren Energien zu laden und so ihren CO₂-Fußabdruck zu verringern.

„Bei Mercedes-Benz sind wir fest davon überzeugt, dass die Zukunft elektrisch ist. In diesem Jahr werden wir herausragende neue Elektromodelle vorstellen und wir wollen Maßstäbe für ein außergewöhnlich komfortables und vollständig vernetztes Ladeerlebnis setzen. Gemeinsam mit The Mobility House freuen wir uns darauf, das Kundenerlebnis und die Attraktivität der Elektromobilität auf ein neues Niveau zu heben“, sagt Franz Reiner, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Mobility AG.

Schrittweise Einführung smarter Ladeangebote

Mercedes-Benz plant die schrittweise Einführung smarter Ladeangebote mit seiner neuen Elektroauto-Generation. In einer ersten Entwicklungsstufe werden Ladevorgänge an der heimischen Wallbox intelligent gesteuert, sodass das Laden von Grünstrom zum bestmöglichen Zeitpunkt stattfindet und Kundinnen und Kunden dadurch gleichzeitig Stromkosten sparen können. Das intelligente System lädt bevorzugt immer dann, wenn viel Wind weht oder die Sonne scheint und somit besonders viel regenerativ erzeugter Strom im Energienetz vorhanden ist und die Strompreise sinken.

Ein zentraler Fokus der Partnerschaft liegt auf der Entwicklung der Infrastruktur für bidirektionales Laden. Diese ermöglicht es Elektroautos, nicht nur Strom zu laden, sondern auch wieder in das Netz einzuspeisen. Das E-Auto dient dabei als Energiespeicher und wird zu einem integralen Bestandteil des Smart-Home-Systems von Privathaushalten sowie des gesamten Energienetzes.

Für die Kundinnen und Kunden ergeben sich durch bidirektionales Laden hohe Einsparpotenziale: Die in den Batterien von Elektroautos gespeicherte Energie kann durch die Vehicle-to-Grid-Technologie (V2G) auf dem Markt gehandelt werden: Das hilft, die Stromkosten zu senken, indem überschüssige Energie zu Spitzenzeiten günstig gekauft wird und bei erhöhter Energienachfrage mit finanziellem Vorteil in das Netz abgegeben wird.

Intelligente Ladeangebote fördern die Energiewende

Mit smarten Ladeangeboten bringen Mercedes-Benz und The Mobility House zwei wesentliche Faktoren für eine erfolgreiche Energiewende in Einklang: Durch geringere Stromkosten beim Laden mit erneuerbaren Energien werden Kundinnen und Kunden motiviert, aktiv zur Transformation beizutragen. Daneben können Energiebetreiber die Grünstromverteilung optimieren, indem erzeugter Wind- und Solarstrom je nach Auslastung gezielt zum Laden von Elektroautos eingesetzt wird.

Mit einem hohen Anteil schwankender erneuerbarer Energieproduktion kommt es immer wieder vor, dass die Produktion erneuerbarer Energien abgeschaltet werden muss (sogenanntes Curtailment), weil die Netze die Energie mangels Leistungsfähigkeit nicht transportieren können. Eine Analyse von The Mobility House und Mercedes-Benz hat ergeben, dass schon zwei Millionen bidirektional ladefähige E-Autos in Deutschland fast die Hälfte der Abschaltungen vermeiden könnten. Dadurch könnten die Stromkosten im gesamten Stromsystem in Deutschland im dreistelligen Millionenbereich verringert werden, wenn die Fahrzeuge beim Parken und Laden zu Hause und am Arbeitsplatz zur Unterstützung des Energiemarktes verfügbar sind. Diese Einsparungen würden allen Verbrauchern in Form von niedrigeren Strompreisen zugutekommen.

Die beiden Unternehmen haben eine lange Geschichte der Zusammenarbeit und arbeiten seit 2016 im Bereich stationärer Energiespeichereinheiten zusammen. Im Rahmen des Joint Ventures Enbase Power haben sie eine der größten Second-Life-Batteriespeichereinheiten ans Netz gebracht und betreiben diese erfolgreich.

Quelle: Mercedes-Benz – Pressemitteilung vom 05.05.2025

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Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über Stromnetze, erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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