Meinung: Zukunft in Strömen

Meinung: Zukunft in Strömen
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Wolfgang Plank
Wolfgang Plank
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Wenn es stimmt, dass an der Börse die Zukunft gehandelt wird, sehen die Perspektiven für die deutschen Autobauer ähnlich düster aus wie das Innere eines Brennraumes. Auf dem Parkett nämlich ist der E-Mobil-Pionier Tesla mittlerweile deutlich mehr wert als BMW, Daimler und Volkswagen zusammen. Dabei wirft das US-Unternehmen gerade mal drei Monate in Folge Gewinn ab. Doch das ist bloß das Heute. Morgen schon dürfte die Kurve ansteigen – und übermorgen erst recht.

Der Kolben als Antrieb hat den oberen Totpunkt längst hinter sich. Die Abwärtsbewegung begann mit dem Diesel-Skandal, beschleunigte sich in der Klima-Debatte – und spätestens mit dem regierungsamtlichen Nein für eine Abwrackprämie 2.0 im Zuge der Corona-Krise ist klar: Es wird auch nicht wieder steil nach oben gehen. Wicklungen und Zellen werden die Autos der nächsten Generation voranbringen. Und mehr noch pfiffige Software.

Genau da liegt das Dilemma. Hiesige Autobauer sind weltweit führend beim klassischen Verbrenner. Wenn es gilt, Sprit in Leistung zu verwandeln, macht ihnen so schnell keiner was vor. Aber unter den Konzernen, die rund um den Globus die meisten E-Mobile verkaufen, dominieren neben Tesla Namen wie BYD, BAIC oder SAIC – allesamt Wagen chinesischer Provenienz. Die Deutschen rangieren unter ferner fuhren…

Sie haben allzu lange festgehalten am überkommenen Modell. Anfangs aus Überzeugung, später aus Eitelkeit – und am Ende aus Starrsinn. Die Politik, so waren sie es über Jahrzehnte gewöhnt, würde früher oder später schon die Weichen für freies Wirtschaften und auskömmliche Renditen stellen. Mit geschönten Verbrauchsformeln, Abgas-Bonus bei hohem Gewicht und langen Übergangsfristen. Schließlich geht es ja immer auch um den Markenkern der Republik und eine Menge Arbeitsplätze.

Doch plötzlich zählen nicht mehr bloß Gewinne und Jobs, sondern Grenzwerte und Effizienz. Was Staaten zum Schutz des Planeten vereinbart haben, lässt sich allein mit ausgeklügelter Einspritzung und aufwändigster Abgasbehandlung nicht mehr erfüllen. Ohne Stromes Hilfe bleibt man ein Klimasünder – und muss Milliarden an Strafen blechen. Seither ist nicht mehr nur der Auspuff am Dampfen…

Corona dürfte den Umbruch weiter beschleunigen – und die Branche finanziell auf eine harte Probe stellen. Das Geld für den Wandel müsse mit Verbrennern verdient werden, hieß es lange aus den Chefetagen. Aber es wurde zu lange verdient und zu wenig gewandelt. Jetzt verfestigt sich die Elektromobilität zum Trend, und die deutschen Hersteller können außer Doppelherz-Brummern und Akku-Raketen wenig liefern. Vernünftige E-Autos haben entweder lange Wartezeiten oder sind – wie der Hoffnungsträger VW ID.3 – frühestens ab September im Angebot.

Ganz unschuldig ist die Politik auch daran nicht. Sie hat verfügt, den Flottengrenzwert von 2021 bis 2030 um weitere 37,5 Prozent senken zu müssen – und zwar vom tatsächlichen Wert aus. Kein Hersteller hat also ein Interesse, zu bald unter die straffreien 95 Gramm CO2 zu kommen. Bei punktgenauer Landung reichen in neun Jahren 59 Gramm, bei vorbildlichen 85 Gramm läge die Marke schon auf ambitionierten 53. Folge der unsinnigen EU-Regelung: Jedes zu früh verkaufte E-Auto schadet. Kein Wunder, dass die Hersteller ihre Produktion eher knapp kalkulieren.

Derweil in Treue fest zum Plug-in-SUV zu stehen, ist aber keine Vision für die Zukunft. Das immerhin kann man aus dem Blick an die Börse mindestens lernen.

In dem Film „Das Geld anderer Leute“ wirbt der Firmen-Liquidator Lawrence Garfield alias Danny DeVito vor den Aktionären einer Drahtfabrik leidenschaftlich dafür, lieber in zukunftsträchtige Glasfaser zu investieren als in die veraltete Technik von Kupferkabeln. Da empören sich die Anteilseigner und verweisen auf ihre Spitzenposition am Markt. „Es hat auch mal Dutzende Unternehmen gegeben, die Kutscherpeitschen produziert haben“, entgegnet Garfield. „Und ich wette, die letzte Firma auf dem Markt ist diejenige gewesen, die die besten Peitschen hergestellt hat, die es jemals gab.“

So könnte es mit dem deutschen Motorenbau auch kommen.

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Wolfgang Plank ist freier Journalist und hat ein Faible für Autos, Politik und Motorsport. Tauscht deshalb den Platz am Schreibtisch gerne mal mit dem Schalensitz im Rallyeauto.

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