Batterie und Antrieb: So will Renault seine E-Autos günstiger machen

Batterie und Antrieb: So will Renault seine E-Autos günstiger machen
Copyright:

Renault

Tobias Stahl
Tobias Stahl
  —  Lesedauer 3 min

Cléa Martinet, Vizepräsidentin für Nachhaltigkeit bei Renault und dessen E-Auto- und Software-Tochter Ampere, hat günstigere Elektroautos aus dem Hause des französischen Herstellers in Aussicht gestellt. Das kündigte Martinet in einem Interview mit dem Branchenportal Autoflotte an.

Zumindest „in der Breite“ sollen Renaults Elektroautos günstiger werden, so Martinet. Aktuell sei ein E-Auto noch teurer als ein vergleichbarer Verbrenner – „vor allem wegen Batterie und Elektronik“. Zwar bündle Renault im Heimatland Frankreich bereits Gigafactory, Werke, Logistik und Zulieferer in einem je 300 Kilometer großen Radius, um Skaleneffekte zu nutzen. „So können wir den Kleinwagen Renault 5 zu vergleichsweise attraktiven Einstiegspreisen anbieten“, erklärte Martinet. Die allgemein schwächelnde Kaufkraft bleibe jedoch ein Bremsfaktor.

Renault will Produktionskosten bis 2028 um 40 Prozent gegenüber 2021 senken

Renault will die Produktionskosten demnach bis 2028 weiter senken: Im Interview gibt die Nachhaltigkeits-Chefin eine Kostensenkung um rund 40 Prozent verglichen mit der ersten Generation des elektrischen Mégane an. Als größte Hebel nennt Martinet den Einsatz von Lithium-Eisenphosphat-Batterien „bei mehreren Modellen“ sowie effizientere E-Antriebe und eine vereinfachte Elektronik. „Unser jahrelanges Optimieren beim E-Antrieb – begonnen mit dem Zoe – zahlt sich jetzt zunehmend aus“, so Martinet.

Wie stark Renault den Kostenhebel mit Blick auf Batterien wirklich bewegen kann, bleibt allerdings abzuwarten: China produziert gut 98 Prozent der weltweit genutzten Lithium-Eisenphosphat-Aktivmaterialien, wie eine Fraunhofer-Studie zeigt. Das weiß auch Martinet: „Heute liegen Rohstoffabbau, Raffination und Zellfertigung zu großen Teilen in China und werden von dort kontrolliert“.

„E-Fuels rechnen wir im Pkw-Bereich kurzfristig nicht ein“

Chinas Dominanz führt angesichts des dort verwendeten Strommixes auch zu einer schlechteren Umweltbilanz, gibt die Renault-Managerin zu bedenken. Dem will Renault mit einer zweigleisigen Strategie begegnen: „Erstens brauchen wir eine europäische Zellfertigung – unter anderem arbeiten wir mit AESC direkt am E-Montagewerk in Nordfrankreich zusammen – in einem Strommix, der die CO2-Last deutlich senkt“, so Martinet. „Zweitens Kreislaufwirtschaft: Unsere Einheit ‚The Future Is Neutral‘ baut mit Industriepartnern europäische Recycling- und Raffineriekapazitäten für Altbatterien auf. Zielhorizont: etwa 2030 bis 2032.“

Wasserstoff und synthetische Kraftstoffe, sogenannte E-Fuels, sollen bei der Dekarbonisierung hingegen keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielen, so Martinet weiter – Grund sind mangelnde Nachfrage, Verfügbarkeit und Wirtschaftlichkeit: „E-Fuels rechnen wir im Pkw-Bereich kurzfristig nicht ein; Verfügbarkeit und Kosten sprechen dafür, dass sie zunächst Luft- und Seeverkehr vorbehalten bleiben. Wasserstoff behalten wir fokussiert für leichte Nutzfahrzeuge. Unsere frühere H2-Business-Unit haben wir mangels Marktdynamik geschlossen – die Fahrzeuge produzieren wir weiter, aber ohne das komplette Ökosystem aus einer Hand.“

Quellen: Autoflotte – Renault-Managerin Cléa Martinet: „Das E-Auto wird billiger“ / Fraunhofer FFB – Pressemitteilung vom 18.02.2025

worthy pixel img

Dir gefällt Elektroauto-News?

Mache uns zu deiner bevorzugten Quelle bei Google. Dadurch werden dir unsere neuesten Artikel und Testberichte in deiner Google-Suche häufiger angezeigt.

Google Preferred Badge - Elektroauto-News
Kostenlos & jederzeit in deinen Google-Einstellungen änderbar.
Tobias Stahl

Tobias Stahl

Tobias Stahl kann sich für alle Formen der Fortbewegung begeistern, aber nachhaltige Mobilität begeistert ihn besonders. Da ist es kein Wunder, dass er schon seit 2019 über E-Autos, erneuerbare Energien und die Verkehrswende berichtet.

Artikel teilen:

Wird geladen...

Weiteres in Renault Elektroautos

„Made in Europe“: VW, Stellantis und Renault fordern simple EU-Regeln

„Made in Europe“: VW, Stellantis und Renault fordern simple EU-Regeln

Tobias Stahl  —  

Volkswagen, Stellantis und Renault wenden sich in einem gemeinsamen Schreiben an die EU – und fordern möglichst simple Regeln zum Schutz der hiesigen Automobilindustrie.

Renault erwägt zusätzliche Schichten für E-Auto-Produktion

Renault erwägt zusätzliche Schichten für E-Auto-Produktion

Maria Glaser  —  

Der Verkauf von Elektroautos ist bei dem französischen Konzern sprunghaft um bis zu 50 Prozent angestiegen, vor allem in Europa.

Renault 4 E-Tech: Retro-Charme mit echtem Alltagsformat

Renault 4 E-Tech: Retro-Charme mit echtem Alltagsformat

Sebastian Henßler  —  

Der Renault 4 E-Tech positioniert sich nicht über Technikdaten, sondern über Charakter. Und im Alltagsbetrieb lässt sich sagen: Diese Wette geht auf.

Twingo E-Tech und die Jagd nach dem Fehler in Slowenien

Twingo E-Tech und die Jagd nach dem Fehler in Slowenien

Wolfgang Plank  —  

Seit 50 Jahren baut Revoz in Slowenien Renaults. Heute sind es Clio und Twingo E-Tech – montiert mit einer Qualitätskontrolle, die keine Abweichung duldet.

Renault-Werk in Slowenien: Der leise Wandel zur E-Fabrik

Renault-Werk in Slowenien: Der leise Wandel zur E-Fabrik

Wolfgang Plank  —  

Im slowenischen Novo Mesto entsteht eines der günstigsten E-Autos Europas. Werkleiter Jože Bele erklärt, wie das funktioniert.

Renault 4 JP4x4 Concept: Strandbuggy mit Allradantrieb

Renault 4 JP4x4 Concept: Strandbuggy mit Allradantrieb

Sebastian Henßler  —  

Renault enthüllt bei den French Open den JP4x4 Concept – ein elektrisches Showcar, das Strandbuggy und Pick-up vereint und Allradantrieb demonstriert.

Renault 5 E-Tech im Test: Mehr als nur nostalgische Gefühle

Renault 5 E-Tech im Test: Mehr als nur nostalgische Gefühle

Sebastian Henßler  —  

Der Renault 5 E-Tech trägt einen großen Namen – und löst ihn über 550 Kilometer im Alltag weitgehend ein. Was überzeugt, was nicht.