Deshalb funktioniert Luxus bei E-Autos derzeit noch selten

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Mercedes-Benz

Daniel Krenzer
Daniel Krenzer
  —  Lesedauer 3 min

Der neue Porsche Taycan bringt eigentlich alles mit sich, was man sich von einem sportlichen Luxusauto wünscht, die neue Elektro-G-Klasse von Mercedes bringt einen Klassiker des Offroad-Luxus in ein neues Zeitalter. Doch beide Modelle werden kaum gekauft, und Ferrari hat seine luxuriösen Elektroautos erst einmal nach hinten geschoben. „Die Nachfrage nach elektrischen Luxusfahrzeugen bleibt insgesamt hinter den Erwartungen zurück, weil Kunden in diesem Segment hohe Anforderungen an Performance, Langstreckentauglichkeit und exklusives Fahrerlebnis stellen – alles Aspekte, bei denen batterieelektrische Fahrzeuge teils noch nicht mit Verbrennern konkurrieren können“, sagte Professor Stefan Reindl vom Institut für Automobilwirtschaft nun der Automobilwoche.

Doch liegt es wirklich nur am fehlenden Brummbrumm und an der mangelnden Möglichkeit, viele Stunden am Stück mit 200 Sachen ohne Toilettenpause über die Autobahn preschen zu können? Kern des Problems ist vermutlich eher ein anderes, wie die Analyse der Automobilwoche ergibt. Ein Luxusgut ist schließlich für seine Besitzer oft eine langfristige Wertanlage, und damit können technisch vollausgestattete Elektroautos aktuell nicht dienen.

Der einfache Grund: Die Technik darin macht derzeit noch so erhebliche Entwicklungssprünge, dass ein tolles Elektroauto von heute in fünf Jahren schon halbwegs überholt sein kann. Das spiegelt sich beispielsweise bei Restwerten wider. Die Automobilwoche nennt ein Beispiel: „Ein Taycan Turbo S von November 2022 mit 27.820 Kilometern auf dem Tacho, Neupreis um die 200.000 Euro, steht aktuell bei einem Porsche-Händler für 107.000 Euro zum Verkauf.“

Werterhalt und Motorsound haben für viele Priorität

Zurück zum Thema Performance und exklusives Fahrerlebnis: Das bieten bei Elektroautos auch Fahrzeuge aus deutlich günstigeren Segmenten. Denn auch wenn Einstiegs-Elektroautos aktuell oft noch vergleichsweise teuer sind, so gibt es für 50.000 bis 100.000 Euro bereits tolle Autos, die wahnsinnig beschleunigen, viel Fahrspaß ermöglichen und zudem komfortabel ausgestattet sind. Der Unterschied zum kompletten Luxusauto ist also schlichtweg gefühlt niedriger geworden, sodass die Preissprünge in solche Klassen gleich umso mehr wehtun.

Aber vielen geht es dann am Ende doch um den Motorsound. „Die Differenzierungsmerkmale im Premiumsegment wie Motorleistung, Sound oder Fahrgefühl sind bei Elektrofahrzeugen weniger stark ausgeprägt als bei Verbrennern. Viele Kunden empfinden den Aufpreis für ein E-Modell daher als nicht gerechtfertigt“, wird Frank Schwope, Lehrbeauftragter für Automotive Management an der Fachhochschule des Mittelstands in Hannover, im Artikel zitiert.

Es gibt aber noch Hoffnung, wie Reindl beschreibt, und zwar durch „höhere Differenzierung gegenüber Volumen-BEVs, etwa durch emotionale Designs, klare Markenidentität und einen erlebbaren Mehrwert bei Software, Sounddesign oder Materialsprache“. Und nicht zuletzt gibt es die Schwierigkeit, dass der 60-jährige Deutsche Luxus-Autokäufer auf ganz andere Dinge wert legt als der wohlhabende 35-jährige Chinese, der sich vor allem einen genialen fahrenden Computer wünscht. Diese Zielgruppe wächst auch bei uns zunehmend an. Und es gibt deutlich mehr Chinesen mittleren Alters als deutsche Senioren.

Quelle: Automobilwoche – Porsche, Ferrari und Co.: Das elektrische Luxus-Problem

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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