Neue Ära: Lamborghinis Elektrostrategie

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Lamborghini

Stefan Grundhoff
Stefan Grundhoff
  —  Lesedauer 5 min

Auf den Luxusevents von Pebble Beach hatte der Lanzador seinen ersten großen Auftritt und der Applaus war groß. Auch der Sportwagenhersteller Lamborghini wird in den kommenden Jahren elektrisch – verliert dabei seine Verbrenner jedoch nicht aus den Augen – im Gegenteil.

Der bläulich schimmernde Lamborghini Lanzador, ein fünf Meter langer Elektro-SUV, war einer der großen Stars auf der Monterey Car Week. Die zweitürige Symbiose aus SUV und Gran Turismo soll ab dem Jahre 2028 als vierte Lamborghini-Baureihe neue Kunden für den Traumwagenhersteller aus Sant‘ Agata d’ Bolognese gewinnen. Die Norditaliener – bekannt für leistungsstarke Boliden mit Suchtpotenzial – haben in den kommenden Jahren viel vor und wollen sich mit aktuellen Rekordverkäufen nicht zufriedengeben. Ab kommendem Jahr ist das gesamte Portfolio elektrifiziert.

Revuelto: Lamborghinis erster Schritt in die Elektrifizierung

Der neue Lamborghini Revuelto als Supersportwagen macht noch Ende des Jahres den Anfang mit Stecker. Der Nachfolger des Aventador wird er das erste Lamborghini-Modell mit einem Elektromodul sein, denn der V12-Saugmotor wird durch eine elektrische Vorderachse zum ersten Plug-in-Hybriden. „Der neue Revuelto ist ein Meilenstein in der Geschichte von Lamborghini und ein wichtiger Pfeiler in unserer Elektrifizierungsstrategie“, unterstreicht Stephan Winkelmann, Vorstandsvorsitzender von Lamborghini, „der V12 ist ein ikonisches Symbol für unser Supersport-Erbe und unsere Geschichte. Der Revuelto wurde geboren, um neue Wege zu gehen, indem er einen neuen 12-Zylinder-Motor mit Hybridtechnologie kombiniert und so die perfekte Balance zwischen der Emotion, die unsere Kunden wünschen, und der Notwendigkeit, die Emissionen zu reduzieren, schafft.“

Während hinter der Fahrerkabine der 218 Kilogramm schwere 6,5 Liter große V12-Sauger mit seinen 606 kW / 825 PS donnert, surren an der Vorderachse zwei jeweils 110 kW / 150 PS starke und jeweils nur 18,5 Kilogramm schwere Elektromotoren, die zusätzliche 350 Nm Drehmoment leisten. Der dritte Elektromotor mit ebenfalls 110 kW / 150 PS / 150 Nm ist im Gehäuse des rund 185 Kilogramm schweren Doppelkupplungsgetriebes verbaut, der ebenso wie die beiden elektrischen Triebwerke an der Vorderachse über eine kleine 3,8 kWh-Batterie gespeist werden, die sich im Kardantunnel versteckt.

Aufgeladen wird das Akkupaket entweder in 30 Minuten an der Ladesäule, per regenerativem Bremsen oder über den V12-Saugmotor. Anzunehmen ist, dass die insgesamt 13 verschiedenen Fahrprogramme die meisten Piloten bei der Wahl ihrer Möglichkeiten überfordern werden. Ungewöhnlich: Rein elektrisch wird der Revuelto allein über die Vorderachse angetrieben. Das Leistungsspektrum liegt zwischen überschaubaren 180 PS im frontgetriebenen Citymodus und 1.015 PS im Allrad-Rennstrecken-Mode. Der Revuelto kommt als Gegner aller reinen Elektro-Hypersportler gerade rechtzeitig zum 60. Geburtstags des Unternehmens.

Zukunftspläne für den Lamborghini Urus

Doch dabei wird es nicht bleiben, denn auch das Volumenmodell vom Lamborghini, der Power-SUV Urus, bekommt mit der Modellpflege im kommenden Jahr nicht nur verschiedene technische Neuerungen, sondern erstmals auch einen elektrischen Vitaminschub. Der vier Liter große Achtzylinder, der bei dem Schwestermodellen Audi Q8 oder Porsche Cayenne bereits seit Längerem als Plug-in-Version verfügbar ist, lebt zukünftig ebenfalls mit der Kraft der zwei Herzen. Ein Elektromotor bringt nicht nur zusätzliche Leistung, sondern auch eine elektrische Reichweite, um das Erfolgsmodell fit für die kommenden Jahre zu machen.

Lamborghini
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Bis Ende kommenden Jahres elektrifizieren wir unsere gesamte Palette, erklärt Stephan Winkelmann, „denn neben dem Plug-in-Hybrid, den der Urus mit seiner Modellpflege bekommt, wird auch der Nachfolger des Huracan einen Hybridantrieb bekommen.“ Über die genauen Leistungsdaten hält sich Lamborghini bei beiden Modellen noch zurück. Längst ist es jedoch kein Geheimnis mehr, dass neben dem aufgefrischten Urus auch der Ende des Jahres 2024 auf den Markt kommende Huracan-Nachfolger von einem aufgeladenen Achtzylinder mit vier Litern angetrieben werden.

Das Ende der Saugerära: Letzte Chance für Huracan-Fans

Echte Saugerfans müssen sich daher beeilen, um noch eines der letzten Huracan-Modelle zu bekommen. Der ist sowohl als Tecnica sowie in der Version des Straßenrennwagens oder als Sterrado-Offroader obligatorisch mit dem martialisch klingenden Zehnzylinder mit 5,2 Litern Hubraum unterwegs. Beim Nachfolger mit Vierliter-V8 nebst Elektrounterstützung dürfte daher bei 640 PS kaum Schluss sein, sondern die Elektromotoren an der Vorderachse dürften für eine Maximalleistung von 800 PS sorgen. Da Audi seinen R8 auslaufen lässt, hat der Huracan-Nachfolger keinen Bruder mehr mit vier Ringen, sondern ist eng mit dem Supersportwagen Lamborghini Revuelto verwandt, der bereits ab Ende dieses Jahres zu den Kunden rollt.

Bleibt die Frage, wie es für die Nachfolgegeneration der Sportwagen aussieht. Doch das beide Modelle 2024 neue aufgelegt werden, scheint die hybride Verbrennerzukunft erst einmal gesichert und wie es für etwaige Nachfolger aussieht, muss wohl frühestens in drei Jahren entschieden werden.

Die Vision hinter dem Lanzador

Das erste reine Elektromodell kommt jedoch erst 2028. Der fünf Meter lange SUV ist der kleine Bruder des kommenden Urus, der Ende des Jahrzehnts ebenfalls elektrifiziert wird. Bekannt ist seit der Enthüllung auf der Monterey Car Week der Projektname Lanzador, der ähnlich wie beim Urus beste Chancen hat, dass er diese Bezeichnung auch als Verkaufsmodell tragen wird. Optisch ist der Lanzador ein echter Lamborghini – bullig, kraftvoll und polarisierend. Mit knapp fünf Metern Länge etwas kürzer als der aktuelle Urus, der sich bei den Kunden nach wie vor einer gigantischen Nachfrage erfreut. Anzunehmen ist, dass der Urus-Nachfolger ebenso wie die internationale Konkurrenz zukünftig noch ein paar Zentimeter wachsen wird, um die gesteigerten Sicherheits- und Komfortvorgaben zu erfüllen.

Der größte Unterschied sind jedoch die zwei Türen, die ihm zu einem elektrischen Gran Turismo machen sollen. „Mit dem vierten Modell eröffnen wir ein neues Fahrzeugsegment: das der Ultra GT. Dieses wird den Kunden dank bahnbrechender neuer Technologien ein neues, unvergleichliches Lamborghini-Fahrerlebnis bieten“, sagt Stephan Winkelmann.

Der Lanzador soll mindestens 1.000 kW / 1.360 PS leisten und sich trotz fehlendes Verbrenners dank Allradantrieb, mitlenkender Hinterachse und variabler Kraftverteilung so emotional wie ein Lamborghini fahren. Eine Luftfeder sorgt für variable Bodenfreiheit, wobei die Fahrprogramme an ausfahrbare Aerodynamikmodule gekoppelt sind, die für einen möglichst geringen Luftwiderstand oder maximalen Anpressdruck sorgen. Rouven Mohr, Chief Technical Officer von Lamborghini: „Für uns bedeutet die Elektrifizierung keine Einschränkung, sondern eine intelligente Möglichkeit, mehr Leistung, Performance und Fahrbarkeit zu entwickeln.“ Das dürfte auch auf den kommenden Urus zutreffen, der kurz nach dem Lanzador anrollen dürfte.

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Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff

Stefan Grundhoff ist seit frühester Kindheit ausgemachter Autofan. Die Begeisterung für den Journalismus kam etwas später, ist mittlerweile aber genau so tief verwurzelt. Nach Jahren des freien Journalismus gründete der Jurist 1994 das Pressebüro press-inform und 1998 die Beratungsfirma press-inform consult.

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