Ladesäulenpflicht für Tankstellen kommt – jedoch abgeschwächt

Ladesäulenpflicht für Tankstellen kommt – jedoch abgeschwächt
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Daniel Krenzer
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Die deutsche Bundesregierung hält an den Plänen fest, dass an Tankstellen bis 2028 verpflichtend Ladesäulen zu errichten sind. Allerdings betrifft diese Regelung nun doch weniger Tankstellenbetreiber als bislang angenommen, denn die Pflicht soll laut einem Bericht von Welt online nur für größere Ketten mit mindestens 200 Standorten gelten – also zum Beispiel Aral, Esso und Shell.

„Tankstellen sind überall flächendeckend vorhanden, sie liegen an verkehrsgünstigen Standorten und sind den Bürgerinnen und Bürgern bereits gut vertraut“, begründet Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP), weshalb ausgerechnet dort, wo derzeit Verbrenner tanken, in Zukunft auch häufiger Elektroautos geladen werden sollen. „Bei der Umsetzung haben wir auch im Blick, dass es zu keiner wirtschaftlichen Überforderung kleiner Tankstellenbetreiber kommt“, stellte er jedoch in Aussicht. Der entsprechende Gesetzesentwurf soll demnach in Kürze näher abgestimmt werden.

Auslöser für Fehlinvestitionen?

Die Kritik der Mineralölwirtschaft an dieser verbindlichen Regelung ertönte bereits laut. „Ein Ladesäulenzwang an Tankstellen wäre reine Symbolpolitik“, äußerte sich Christian Küchen, Hauptgeschäftsführer vom Wirtschaftsverband Fuels und Energie. Er verweist darauf, dass die Tankstellenbetreiber bereits an vielen Orten Ladeinfrastruktur aufbauten, doch nicht überall sei das sinnvoll oder technisch so ohne weiteres umsetzbar. „Schon jetzt kämpfen unsere Mitglieder mit langen Genehmigungsprozessen und Regulierungshürden“, stellt Küchen fest. Ein Zwang zum Ladesäulenausbau an eigentlich dafür ungeeigneten Standorten löse Fehlinvestitionen aus.

Zum Teil geben die Netzanschlüsse vor allem bei innerstädtischen Tankstellen (noch) nicht genug Ladeleistung her, zum anderen sind ebenfalls in den Städten viele Tankstellen sehr beengt, sodass eine Umsetzung ohne Abriss von vorhandenen Zapfsäulen schwer umsetzbar sein dürfte. So begegnen Elektroautofahrern schon heute hin und wieder Ladesäulen an Tankstellen, die eher pro Forma errichtet zu sein worden scheinen, aber eigentlich gar kein Platz dafür ist, eines oder gar zwei Elektroautos davor abzustellen, ohne den Tankstellenbetrieb in Gänze zu gefährden.

Aufbau im Umkreis soll möglich sein

Doch auch diesem dem Platz- und Anschlussproblem scheint der Gesetzesentwurf zumindest in Teilen entgegenzukommen, denn offenbar müssen die Ladesäulen nicht zwingend direkt auf dem Tankstellengelände errichtet werden. Auch ein Aufbau in einem fest definierten Umkreis soll möglich sein – im besten Fall an einem attraktiveren Standort zumindest mit ausreichend Platz und Strom.

Quelle: Welt – „Verkehrsminister Wissing hält an Ladesäulen-Zwang für Tankstellen fest“

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Daniel Krenzer

Daniel Krenzer

Daniel Krenzer ist als studierter Verkehrsgeograf und gelernter Redakteur seit mehr als zehn Jahren auch als journalistischer Autotester mit Fokus auf alternative Antriebe aktiv und hat sich zudem 2022 zum IHK-zertifizierten Berater für E-Mobilität und alternative Antriebe ausbilden lassen.

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