Chinesischer kompakt SUV Haval Jolion HEV im Fahrtest

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Great Wall Motor

Wolfgang Gomoll
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  —  Lesedauer 4 min

In Italien ist der Haval Jolion bereits unterwegs. Deutschland könnte als Nächstes auf dem Plan stehen. Das chinesische Kompakt-SUV bietet mit viel Platz einige Assistenten und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und einen ausgereiften Hybrid-Antriebsstrang.

Aus Italien kommt vieles Gutes. Angefangen von kulinarischen Genüssen über Kaffee und leckerer Zitronenlimonade bis hin zu Designer-Mode. Nur mit den Autos hat der Glanz vergangener Tage etwas Staub angesetzt und Fiat ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Der chinesische Autobauer Great Wall Motor ist mittlerweile mit seiner Submarke Haval zwischen Palermo und Bozen aktiv. Bald könnte mit Autos wie dem Haval Jolion HEV der Sprung über die Alpen nach Deutschland folgen. Grund genug, sich einmal hinter das Steuer des Kompakt-SUVs zu schwingen.

Der Hybrid-Antrieb des Haval Jolion funktioniert ähnlich wie bei Toyota. Also setzt sich die dritte Generation des DHT-Hybridantriebsstrang (Dedicated Hybrid Transmission) beim Jolion HEV aus einem 1,5-Liter-Turbo mit (70 kW / 95 PS sowie 125 Newtonmeter Drehmoment) und zwei Elektromotoren, die 110 kW / 150 PS mit 250 Nm leisten, zusammen. Das ergibt eine Systemleistung von 139 kW / 189 PS und ein maximales Drehmoment von 375 Nm. Die dritte Generation des Hybridantriebs sowohl mit einer 18- bis 45-Kilowattstundenbatterie als Plug-in-Hybrid oder mit 1,8 kWh-Akkus als Hybrid (HEV) kombiniert werden. Damit erreicht das elektrifizierte Kompakt-SUV aus dem Stand nach 8,2 Sekunden die 100-km/h-Marke.

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Je nach Einsatzszenario interagieren die Antriebselemente unterschiedlich. Beim Losfahren startet der Jolion stets rein elektrisch, der TM-E-Motor treibt die Vorderachse an und schafft bei prall gefüllten Akkus rund 1,5 Kilometer. In der Stadt kommt der serielle Modus zum Einsatz, bei dem der Verbrenner das GM-Aggregat befeuert, das als Generator agiert und die TM-E-Maschine mit Energie speist. Bei höheren Geschwindigkeiten schaltet das System in den Parallel-Modus, dann übernimmt der Verbrennungsmotor das Kommando und der Elektromotor greift nur unterstützend ein. Haval verspricht einen Verbrauch von fünf Litern pro 100 Kilometern.

In der Praxis wechseln die Betriebsmodi geschmeidig. Vor allem die Tatsache, dass der Verbrennungsmotor mit zwei Fahrstufen ausgestattet ist, macht sich positiv bemerkbar. Das bei ähnlich konzipierten Hybridantrieben auftretende nervige Gummiband-Gefühl kombiniert mit einem Aufheulen des Verbrennungsmotors beim Gasgeben, bleibt aus. Der Jolion beschleunigt in einem Zug. Klar sind 139 kW kein Mörder-Punch, aber man hat nie das Gefühl, untermotorisiert zu sein. Das Fahrwerk fügt sich in das Gesamtbild ein. Die Abstimmung ist komfortabel, aber nicht allzu weich, sodass ein magenreizendes Nachwippen unterbleibt. Die Lenkung fällt dagegen ab. Die Steuerung fühlt sich synthetisch an, ist zu indirekt eingestellt und hält sich mit der Kommunikationsfreude bezüglich des Traktionszustandes der vier Räder zurück. Hier müssen die Ingenieure noch nachbessern.

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Bei den Fahrassistenten bietet der Jolion einiges und macht Konkurrenten wie dem Suzuki Vitara Hybrid das Leben schwer: Verkehrszeichen-Erkennung, adaptiver Tempomat und eine Querverkehrswarner beim Rückwärts-Ausparken sind ebenso vorhanden wie ein Toter-Winkel-Assistent und ein Spurhalte-Helfer, der sich nicht nur durch Lenkradeingriffe bemerkbar macht. Wie bei chinesischen Autos üblich, wird fast jede Aktion mit einem Warnton oder einem Jingle untermalt. Wer will, kann man die Helfer auch deaktivieren, aber beim nächsten Start des Vehikels sind die Systeme wieder aktiv.

Bei einem chinesischen Auto ist die Länge von 4,47 Metern nur ein unzureichender Indikator der Platzverhältnisse. Im Fond ist genug Raum vorhanden, sodass man es sich auf langen Strecken gemütlich machen kann. Allerdings geht das zulasten des Kofferraums, der mit einem Volumen von 390 bis 1.069 eher durchschnittlich ausfällt. Die hohe Ladekante macht die Sache nicht zwingend besser.

Beim Infotainment sind die Vorlieben der chinesischen Autofahrer deutlich sichtbar. Ein 12,3 Zoll großer Touchscreen gehört im Reich der Mitte zum Pflichtprogramm. Dazu kommen Annehmlichkeiten wie USB-Anschlüsse und eine induktive Ladeschale. Dass der Haval Jolion keine eigene Navigation anbietet, sondern das via Apple CarPlay und Android Auto den Smartphones der Kunden überlässt, lässt uns die Stirn runzeln. Aber nur ganz kurz, denn die Chinesen sind nicht die Ersten, die auf diese Idee kommen. Wenn man dann noch den Preis von 40.990 australischen Dollar (rund 26.750 Euro) miteinbezieht, lässt sich dieser Malus leichter verschmerzen.

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Wolfgang Gomoll

Wolfgang Gomoll

Wolfgang Gomoll beschäftigt sich mit dem Thema Elektromobilität und Elektroautos und verfasst für press:inform spannende Einblicke aus der E-Szene. Auf Elektroauto-News.net teilt er diese mit uns. Teils exklusiv!

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