Kommunale E-Flotten: Reichweite bleibt Schwachpunkt

Kommunale E-Flotten: Reichweite bleibt Schwachpunkt
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Ari Motors | Symbolbild

Sebastian Henßler
Sebastian Henßler
  —  Lesedauer 3 min

Die Elektromobilität hält zunehmend Einzug in den kommunalen Alltag, wie die Rhein-Neckar-Zeitung berichtet. Beim ersten gemeinsamen Event der Klima- und Energieberatungsagentur Kliba und der Allianz Smart Urban Logistic zeigten zahlreiche Städte und Gemeinden, wie sie elektrisch unterwegs sind – und wo es noch hakt. Viele Bauhofleiter loben den Trend, sehen aber technische Grenzen. Für Jürgen Ballweg aus Altlußheim und seinen Kollegen Axel Rausch etwa seien Reichweite und Zuladung noch zu gering. Gerade bei Arbeiten an Steigungen oder im Winter reichen aktuelle Elektroautos nicht immer aus.

Ähnlich äußerte sich Wolfgang Hör aus Wilhelmsfeld. Zwar nutzt man seit einiger Zeit erfolgreich ein E-Fahrzeug, doch für schwere Arbeiten bei niedrigen Temperaturen komme der Stromer an seine Grenzen. Hier werde oft abgewogen, ob der Diesel nicht doch die bessere Wahl sei. Anders bei kleineren Geräten: Handgeführte Maschinen oder Aufsitzrasenmäher mit Elektroantrieb haben sich vielerorts bewährt. Laut Wolfgang Klaiber von Arien Co./AS Motors mache das Rasenmähen mit einem E-Mäher mehr Freude als mit einem Benzinmotor. Wer das Gerät einmal getestet habe, wolle nicht zurück zum alten Modell.

Trotz aktueller Einschränkungen erkennt man in vielen Kommunen einen Wandel. Bürgermeister Matthias Frick aus Schönau etwa fährt privat ein E-Auto und schätzt die Technik. Zwar fehle bislang ein elektrischer Unimog, aber der Fortschritt sei erkennbar. Die Entwicklung der letzten Monate spricht für sich. Bernhard Bruch von Kliba betonte, dass sich in den vergangenen Monaten viel getan habe. Die Reichweiten steigen, die Ladetechnik wird besser, und auch bei der Nutzlast geht es voran. Für ihn ist klar: Noch gibt es nicht für jeden Einsatz ein passendes E-Auto – aber mehr als viele denken.

Auch Ursula Kloé von der Allianz Smart Urban Logistic rief zum Umdenken auf. In ihrem Vortrag sprach sie vom „Umparken im Kopf“. Veränderungen werden häufig skeptisch betrachtet. Doch wer sich austauscht und Neues teste, könne viel erreichen. „Wir setzen grundsätzlich auf Veranstaltungsformate, die Einblick in die praktische Umsetzung und in den Arbeitsalltag mit E-Fahrzeugen ermöglichen. Wichtig ist uns dabei auch, Neueinsteigern die Möglichkeit zu geben, mit Erfahrenen in den Austausch zu kommen, damit aus der Erfahrung gelernt werden kann. Und wir geben gerne Impulse mit Lösungen aus unseren Projekten, die man in der Breite noch nicht so kennt und an die man deshalb im ersten Schritt nicht denkt“, so Kloé gegenüber Elektroauto-News.

Statt eines großen Diesel-Lasters könnten beispielsweise zwei kleinere E-Fahrzeug die Aufgabe übernehmen. Bruch sieht neben der technischen Entwicklung auch den politischen Druck steigen. Ab dem Jahr 2027 werden Mobilität und Gebäude in den Emissionshandel einbezogen. Diesel und Benzin dürften dadurch stetig teurer werden. Gleichzeitig sinken die Kosten für E-Autos – vor allem bei steigender Nachfrage.

Für Matthias Boltz vom Bauhof Hirschberg ist klar, dass noch einiges geschehen muss, damit Elektrofahrzeuge den Diesel wirklich ersetzen können. Dennoch erkennt auch er die Fortschritte an. In seinen Augen überzeugt die einfache und effiziente Technik, besonders in der täglichen Arbeit. Ein Beispiel dafür ist die Energieeffizienz: Während beim Verbrenner nur ein Fünftel der eingesetzten Energie tatsächlich die Räder antreibt, liegt dieser Wert beim E-Auto laut Bruch bei 64 Prozent. Das spricht für sich – und zeigt, wohin die Reise gehen kann.

Quelle: RNZ – Leistungsschau für E-Mobilität für Bauhöfe

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Sebastian Henßler

Sebastian Henßler

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere alternative Antriebe werden betrachtet.

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